Bier vom Fass für demente Bewohner: Im Herberner Altenheim eröffnet die „Pilsstube“

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Ein Raum des Malteserstiftes St. Benedikt ist gestaltet wie eine alte Kneipe. Der Nachbau soll verschüttete Erinnerungen wachrufen.

Herbern

, 18.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Trinken lernt der Mensch zuerst, viel später erst das Essen. Drum soll er aus Dankbarkeit, das Trinken nicht vergessen.“ Dieser Spruch fiel einer Bewohnerin passend zur Eröffnung der „Pilsstube“ im Malteserstift St. Benedikt ein.

Pünktlich zur vollschmeckenden Stunde um 11 Uhr (so sagte man in früherer Zeit zum Frühschoppen), eröffnete Pater George feierlich die kleine Kneipe im Obergeschoss der Pflegeeinrichtung.

Spezielle Räume sollen an frühere Zeiten erinnern

Im Rahmen des psychobiografischen Pflegemodells nach Professor Erwin Böhm entstehen im kompletten Wohnheim Räume, die demente Bewohner an frühere Zeiten erinnern und in die Vergangenheit zurückversetzen sollen. Denn oftmals seien diese Erinnerungen deutlich präsenter als das vorgestern Geschehene.

Ein Aufenthaltsraum ist bereits komplett mit Möbeln und Deko aus der Vergangenheit ausgestattet, ebenso ein Bad. Das Highlight ist nun allerdings die „Pilsstube“.

Bewohner Günther Klute aus Rinkerode erinnert sich noch an die 60er-Jahre. „Wir hatten direkt an unserer Kirche eine Gaststätte, da trafen sich die männlichen Kirchgänger jeden Sonntag vor und nach der Messe. Da wurde auch noch nicht aufgeschrieben. Der Wirt fragte: ‚Na, wie viel hattest du?` und man hat bezahlt. Ab und zu hat man mal geschummelt, wenn man nicht genug Geld dabei hatte.“

Bier vom Fass zur Eröffnung

Kleine Bistro-Tische laden zum Verweilen ein. Zur Eröffnung gab es am Donnerstag (18. Juli) Bier vom Fass, Frikadellen und Mettwürstchen, die sich alle Gäste schmecken ließen.

Bier vom Fass für demente Bewohner: Im Herberner Altenheim eröffnet die „Pilsstube“

Bereits am Vortag stand alles im Zeichen der Kneipeneröffnung. © Claudia Hurek

Bei der Gestaltung der Pilsstube haben, neben den Hauptakteuren Birgitt Seidel vom Sozialen Dienst und Altenpfleger Dirk Gräwe, auch die männlichen Bewohner kräftig mit angepackt. Die Einrichtungsgegenstände sind eine Spende und bedurften nur einer kleinen Überarbeitung. Der Tresen ist an einer Stelle etwas abgesenkt für die Bewohner, die auf den Rollstuhl angewiesen sind.

„Ich bin so dankbar für die gespendeten Sachen“, sagte am Donnerstag Heimleiterin Nicole Fischer. „Mit den schönen alten Lampen sieht es doch richtig wie in einer Gaststätte aus. Die Bewohner waren schon mächtig gespannt.“

Kartenspiele, Knobelbecher und Bierdeckel

Kleinigkeiten fehlen nun noch. So soll die Eingangstür, die momentan noch in hellem Weiß erstrahlt, in Eichenoptik beklebt und umgebaut werden, sodass sie – wie eine richtige Kneipentür – nach außen hin öffnet. Friseur Jürgen Närdemann kam ebenfalls zu Besuch und hatte Kartenspiele, Knobelbecher, Gläser und Bierdeckel dabei. „Das gehört doch auf jeden Fall in eine richtige Dorfkneipe.“

Damit sich für die Bewohner das echte Gefühl einer Gastwirtschaft einstellt, haben die Mitarbeiter alte Währungen organisiert, mit denen die Bewohner „bezahlen“ können. „Das ist für viele enorm wichtig, damit sie nicht das Gefühl haben, Almosen zu bekommen“, so Fischer.

Die Pilsstube hat jeden Samstag nach der Messe geöffnet, auch ein sonntäglicher Frühschoppen wird immer mal wieder stattfinden. Der Raum kann und soll auch von Angehörigen und Mitarbeitern genutzt werden.

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