Masken und Kittel: Herberner Unternehmer fordert mehr Unterstützung vom Bund

hzCorona-Krise

Das Geschäft der Firma KL Medical läuft bestens. Masken und Kittel sind heiß begehrt. Dennoch hatte Unternehmer Joachim Raguse Redebedarf, als er kürzlich hochrangigen Besuch aus Berlin empfing.

Herbern

, 19.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hätte Joachim Raguse keinen Grund, sich zu beklagen. Das Geschäft läuft schließlich wie am Schnürchen. In der Corona-Krise produziert sein Unternehmen KL Medical in Herbern bis zu 6000 Schutzkittel am Tag. Zu Beginn der Pandemie hatte das Unternehmen gemeinsam mit Partnern aus Bayern und Sachsen eine Firmengruppe gegründet, um darüber hinaus Schutzmasken herstellen und in Deutschland sowie Österreich und der Schweiz verkaufen zu können.

Aktuell sind das bis zu 800.000 im Monat. Die Nachfrage ist ungebrochen - und dennoch zeigte sich Raguse nicht rundum zufrieden, als er kürzlich Besuch aus Berlin empfing. Bundestagsmitglied Marc Henrichmann (CDU) schaute in Herbern vorbei - allerdings nicht, um sich mit Masken und Co. zu versorgen. Und auch nicht bloß, um sich über die neusten Produkte zu informieren. Es ging um Grundlegendes. Um etwas, auf das Raguse schon seit Monaten pocht.

Abhängigkeit vom asiatischen Markt ist immer noch groß

„Ich bin immer noch der Meinung, dass wir vom Bund zu wenig Unterstützung bekommen“, sagt der Unternehmer im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei geht es einerseits um finanzielle Zuschüsse, andererseits aber auch um die Einkaufspolitik der Regierung: „Wir waren schon vor der Pandemie stark von den asiatischen Ländern abhängig. Durch die Pandemie haben wir es aber noch deutlicher gemerkt. Dann hieß es, wir wollen etwas ändern - und nun stehen wir wieder da, wo wir angefangen haben.“

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Heißt: Zwar habe es für deutsche Firmen inzwischen durchaus Zuschüsse gegeben, doch hätten diese längst nicht genügt, um wirklich wettbewerbsfähig zu sein. Noch schwerer wiege aber ein anderer Aspekt: Bei Ausschreibungen und Vergaben würde weiterhin nur nach dem Preis geschaut. „Und da können wir mit Asien nicht mithalten. Drei asiatische Mundschutze kosten zusammen genau so viel wie ein deutscher - und das, obwohl die deutschen Masken im Vergleich zum Beginn der Krise schon um ein Viertel günstiger geworden sind“, erklärt der Herberner Unternehmer.

Ausschreibungen für Produkte „made in Europe“

Darum fordert Raguse: Bei europaweiten Ausschreibungen sollte der Bund festlegen, dass zumindest ein Teil der Ware tatsächlich das Label „made in Europe“ trägt. Henrichmann sah das ähnlich. „Wir müssen einen europäischen Ansatz finden, um wirtschaftlich unabhängiger von China zu werden“, wird der Bundestagsabgeordnete in einer Pressemitteilung zitiert. Der Preis sollte bei öffentlichen Ausschreibungen nicht das alleinige Argument sei. Raguses Vorschlag wolle er nun mit nach Berlin nehmen.

Und womöglich kann er von da aus demnächst auch mal eine gute Botschaft Richtung Herbern schicken - nicht nur mit Blick auf die Ausschreibungen, sondern auch auf zusätzliche finanzielle Mittel für die Anschaffung neuer Maschinen. Eine davon ist laut Raguse bereits in der Entwicklung: ein Automat, mit dem das Herberner Unternehmen etwa die 20-fache Menge an Kitteln herstellen könnte, wie bisher. Es wäre wohl nicht die schlechteste Investition, um Engpässe bei der Versorgung in Zukunft zu vermeiden.

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