Milchpreise in Herbern: Steigende Produktionskosten, gleiche Preise

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Obwohl die Produktionskosten für Landwirte steigen, erwarten Einzelhandel und Verbraucher mindestens gleiche Preise. Ein Interessenskonflikt, den auch die Landwirte in Herbern spüren.

Herbern, Ascheberg

, 03.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Milchpreise sind für Landwirte, Molkereien und Einzelhändler ein Dauerthema. Jede Seite will natürlich ihre eigenen Interessen durchsetzen, zudem gibt es Vorgaben durch die (Landwirtschafts-)Politik.

In der Nacht von Sonntag auf Montag, 2. November, haben Landwirte im Kreis Gütersloh das Aldi-Zentrallager blockiert. Ihr Anliegen: der Milchpreis. Die Preisbindung mit Aldi war zum 1. November ausgelaufen, um den neuen Preis wird gekämpft. In Herbern sind die Milchpreise bei den Landwirten ebenfalls ein Thema.

Höhere Gewalt, höhere Fixkosten

Benedikt Holtrup ist Landwirt in der Milchviehhaltung in Herbern. „Die Kosten steigen, vor allem für das Futter. In den letzten zwei Jahren mussten wir die Pacht bezahlen sowie Arbeit in Pflege und Aussaat stecken. Rausgekommen ist aber nur der Ertrag von einem Jahr“, erklärt der Landwirt.

Vor allem die Dürreperioden in den Jahren 2018 und 2019 hätten den Landwirten zu schaffen gemacht, sagt Holtrup: „Die Natur ist höhere Gewalt, dafür kann der einzelne Landwirt nichts.“

Statt saftiger Wiesen fanden die Kühe 2019 nur noch ausgetrocknete Weiden vor. Für die Bauern ein Verlustgeschäft, das Futter musste zugekauft werden.

Statt saftiger Wiesen fanden die Kühe 2019 nur noch ausgetrocknete Weiden vor. Für die Bauern ein Verlustgeschäft, das Futter musste zugekauft werden. © Helga Felgenträger

Verschiedene Interessen prallen aufeinander

Der Milchpreis wird von den Molkereien und den Lebensmitteleinzelhändlern in gewissen Abständen ausgehandelt. Dabei versuchen die Einzelhändler natürlich, einen niedrigen Preis zu bekommen, so Holtrup. Für ihn verständlich: „Auch die Einzelhändler sind Unternehmen, die Rendite machen müssen. Aber wir müssen unsere Kosten decken. Die sind in den letzten zwei Jahren gestiegen“, sagt er.

Das bedeutet: Für die Landwirte muss der Milchpreis eigentlich steigen. Eine Patt-Situation. „Im Prinzip stampfen wir auf der Stelle. Der Milchpreis ist seit längerer Zeit bei etwa 30 Cent pro Liter“, erklärt der Landwirt.

Die Zahl ist ein Richtwert, die Preise unterscheiden sich nach Qualität der Milch, dem Anteil von Fett und Eiweißen und ob das Futter mit Gentechnik (GVO-Zertifikat; gentechnisch veränderter Organismus) hergestellt wurde.

Kosten steigen weiter

„In Zukunft wird es schwierig werden. Ab Januar kommt die CO²-Steuer, die Kosten werden weiter steigen“, blickt Landwirt Holtrup in die Zukunft, „diese Entwicklung passt nicht mit dem Markt zusammen. Die Schere geht immer weiter auseinander“. Was er damit meint: Die Produktionskosten für landwirtschaftliche Güter steigen, Verbraucher erwarten aber gleichbleibende Preise.

„Der Verbraucher weiß vielleicht gar nicht, dass die Dürre in den Jahren 2018/2019 sich auf den Milchpreis auswirkt. Wenn er es wüsste, würde er vielleicht mehr bezahlen“, hofft Benedikt Holtrup.

Welchen Preis sich der Landwirt wünschen würde? „Nach oben gibt es nie eine Grenze“, sagt er mit einem Lachen, „aber wir müssen unsere Kosten decken“.

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