Tochter jahrelang missbraucht? Angeklagter bestreitet alles

hzProzessauftakt am Landgericht Münster

Eine junge Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Vater. Er soll sie in Ascheberg und Drensteinfurt jahrelang missbraucht haben. Jetzt steht der 58-Jährige vor Gericht – und bestreitet.

Ascheberg, Herbern

, 18.08.2020, 13:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Mädchen war gerade acht Jahre alt, als es von seinem Vater missbraucht worden sein soll. Erst in Ascheberg-Herbern, später in Drensteinfurt. Jahrelang hat es geschwiegen – bis das Jugendamt schließlich doch noch davon erfuhr. Seit Dienstag, 18. August, muss sich der Vater nun in Münster vor Gericht verantworten. Er bestreitet alles.

Es war im Juni 2016, als die damals 16-Jährige plötzlich nicht mehr nach Hause gekommen ist. Kurz darauf nahm das Jugendamt auch ihre beiden jüngeren Geschwister aus der Familie. Erst als der Vater auszog, durften die Kinder zur Mutter zurück.

„Davon stimmt gar nichts“

Die Vorwürfe in der Anklage wiegen schwer. Es geht um einen Zeitraum von November 2007 bis Sommer 2015. 60 Fälle sind in der Anklage der Staatsanwaltschaft Münster aufgelistet, darunter auch besonders schwere Missbrauchstaten. Doch davon will der 58-jährige Angeklagte nichts wissen. „Davon stimmt gar nichts“, sagte er den Richtern am Landgericht Münster. Und auf die Frage, wie seine Tochter darauf komme, ihn so schwer zu belasten? „Sie wollte weg, woanders hinziehen.“ Eine richtige Erklärung gebe es aus seiner Sicht aber eigentlich nicht.

Er sei damals zwar viel auf Montage gewesen, habe sich aber immer um seine drei Kinder gekümmert. „Ich habe ihnen Schlittschuhlaufen beigebracht, außerdem waren wir viel mit dem Fahrrad unterwegs.“ Auch in der Ehe sei alles „gut“ gelaufen.

Anklage spricht von vielen Details

Im Prozess ist allerdings von vielen Details die Rede. Von heimlichen Übergriffen im elterlichen Schlafzimmer, im Keller, beim gemeinsamen Baden in einem See im Sauerland. Von Babyöl, Intimrasuren und sexuellen Handlungen in der Badewanne.

Nach Angaben des Angeklagten ist jedoch alles gelogen. „Sex gab es gar nicht“, sagte er den Richtern.

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Bei dem in der Anklage aufgeführten Sommerurlaub im Sauerland sei seine älteste Tochter kein einziges Mal im Wasser gewesen. Deshalb könne es im See auch keine Übergriffe gegeben haben. „Sie hatte damals zum ersten Mal ihre Periode bekommen“, so seine Erklärung.

Und dass er sich anfangs an ihr vergangen haben soll, als die anderen Kinder mit der Mutter beim DLRG waren, könne auch nicht sein. Seine älteste Tochter sei ja die einzige gewesen, die damals schon beim DLRG war. Die anderen hätten noch gar nicht schwimmen gekonnt.

„Dabei kommt sowieso nichts heraus“

Die inzwischen 20-Jährige soll erst an einem der nächsten Verhandlungstage vernommen werden. Laut Anklage hatte sie gegen Ende immer häufiger versucht, sich ihrem Vater zu entziehen. Geredet worden sei über die Übergriffe allerdings nie. Nach den Taten, so die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, habe sie ferngesehen oder an ihrer Konsole gespielt. Erst nach ihrem Auszug brach sie offenbar ihr Schweigen.

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Auf die Vorwürfe ihrer Mutter, ob sie denn überhaupt wisse, was sie dem Vater antue, soll sie nach Angaben des Angeklagten später einmal geantwortet haben: „Wieso? Ich sage etwas aus, der Papa sagt etwas aus, dann steht Aussage gegen Aussage – dabei kommt sowieso nichts heraus.“

Keinen Kontakt mehr

Ob sie damit Recht behalten wird, muss der Prozess nun zeigen. Der 58-Jährige wohnt inzwischen wieder bei seiner Frau. Direkten Kontakt zu seiner Tochter gebe es nicht mehr. Er wisse aber, wo sie wohnt. „In einem Männerhaushalt", so seine etwas abfällige Beschreibung vor Gericht. „Der Vater wohnt da mit seinem Sohn. Da hat sie ein Zimmer."

Im Falle einer Verurteilung laut Anklage droht dem ehemaligen Ascheberger eine mehrjährige Haftstrafe. Die 1. Strafkammer des Landgerichts Münster hat für den Prozess zunächst noch vier Verhandlungstage vorgesehen. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Anfang September zu rechnen.

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