Bedrohte Wildblumen: Frustrierte Naturschützer nach Reinigungsaktion

hzNaturschutz Ascheberg

Auf der Wiese in Ascheberg werden Wildblumen von einer Plage-Pflanze verdrängt. Um diese zu erhalten, haben Naturschützer zu einer Reinigungsaktion aufgerufen - mit frustrierendem Ergebnis.

Herbern

, 30.07.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einigen Jahren wurde neben Daverts Bio-Werksverkauf in Ascheberg eine Wildblumenwiese angelegt. Über die Jahre hat sich die Kanadische Goldrute hier auf 5000 Quadratmetern ausgebreitet und könnte bald die anderen Wildblumen verdrängen. Die aus Nordamerika stammende Plage-Pflanze nimmt den lokalen Blumen den Platz weg. Um dem entgegenzuwirken, hat Andrea Tegtmeier, Nabu-Mitglied des Kreises Coesfeld, zu einer Reinigungsaktion aufgerufen.

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Die Kanadische Goldrute muss samt Wurzel händisch entfernt werden, damit sie sich in Zukunft nicht weiter ausbreiten kann. Sonst droht schon bald ein Ende der Wildblumenwiese und der Wuchs einer Monokultur der Goldrute. „Die macht alle anderen Pflanzen nieder“, sagt Tegtmeier. Diese Aktion hat am Freitagnachmittag, 24. Juli, auf der Wildblumenwiese in Ascheberg stattgefunden.

Daverts Bio-Werksverkauf hat Verpflegung für die Helferinnen und Helfer zur Verfügung gestellt.

Daverts Bio-Werksverkauf hat Verpflegung für die Helferinnen und Helfer zur Verfügung gestellt. © Andrea Tegtmeier

13 Helfer sind am Freitag mit Spaten zu der Wiese ausgerückt. Dabei handelte es sich um Privatpersonen aus dem Raum Ascheberg. Einige Helfer hatten ihre Kinder mitgebracht. Eine Helferin habe samt Säugling im Tragetuch mit angepackt. Zur Stärkung hat Daverts Bio-Werksverkauf Kaffee und Kuchen gesponsert.

Unbefriedigtes Gefühl bei den Helfern

Die Bilanz nach zwei Stunden war jedoch frustrierend. „Wir haben zwei Stunden lang malocht und geschwitzt und man sah nichts“, sagt Andrea Tegtmeier, Initiatorin der Aktion. Um 14 Uhr startete die Aktion gestartet. Bis 16.30 Uhr waren die Helfer auf der Wiese tätig. Bis dahin habe man lediglich auf 5 Quadratmetern die Goldrute entfernen können. Zur Erinnerung: Die Wiese misst etwa das tausendfache.

Die Kanadische Goldrute hat sich auf der Wildblumenwiese in Ascheberg breit gemacht.

Die Kanadische Goldrute hat sich auf der Wildblumenwiese in Ascheberg breit gemacht. © (A) Detlev Kröger

Das Problem seien die stark verzweigten Wurzeln der Kanadischen Goldrute und der trockene Boden gewesen. Da haben selbst die mitgebrachten Spaten kaum geholfen. Es sei jedoch wichtig, die komplette Wurzel zu entfernen, sonst würde die Goldrute ein zweites Mal wiederkommen. Händisch sei dies in der Größenordnung kaum machbar.

Landwirt für Wildblumenwiese organisieren

Die Wildblumenwiese liegt direkt neben Daverts Bio-Werksverkauf in Ascheberg. Das Unternehmen hatte einen Container und Verpflegung für die Helfer zur Verfügung gestellt. Während der Pause haben Andrea Tegtmeier und Dr. Detlev Kröger, Mitglieder vom Nabu Coesfeld, überlegt, „wie man sinnvoll weiterarbeiten soll, damit die ganze Aktion nicht in Sisyphusarbeit ausartet“, sagt Kröger.

Im nächsten Schritt solle ein Traktor organisiert werden, der die Wiese mäht und gleichzeitig die abgemähten Pflanzen auffängt. „So wird es auf vielen Nabu-Flächen praktiziert“, sagt Kröger. Danach soll die Fläche umgebrochen und unterpflügt werden, um die Kanadische Goldrute flächendeckend samt Wurzel komplett zu entfernen.

Wildblumenwiese wird abgemäht

Das bedeutet jedoch auch, dass die Wildblumen erst einmal von der Wiese verschwinden werden. Neben der Goldrute blühten hier lokale Pflanzen wie Vogelwicken, Hundskamille, Kuckucks-Lichtnelken und Johanniskraut. Die Fläche kann nach dem Mähen entweder sich selbst überlassen oder gezielt mit heimischen Blumen oder Getreide besät werden. Lokale Blühpflanzen seien vor allem wichtig für die Insekten und Vögel. Von Getreide würden Mäuse oder Hasen profitieren.

Eine Anfrage der Nabu-Mitglieder bei der Gemeinde Ascheberg hat ergeben, dass die Fläche bei Davert in den nächsten Jahren nicht bebaut werden soll. Detlev Kröger, ehemaliger Vorsitzender des Nabu Coesfeld, sagt, dass die Aktion zeigt, wie „sich private Bürger mit dem NABU und der Landwirtschaft engagieren [können], um etwas Sinnvolles gegen das Artensterben zu unternehmen.“

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