Keine neuen Baugebiete mehr: UWG könnte Neubürgern in Ascheberg das Leben schwer machen

hzWohnen in Ascheberg

Keine neuen Baugebiete mehr in der Gemeinde Ascheberg? Dieser Gedanke der UWG könnte reifen. Heißt das auch, dass man Neubürger nicht mehr willkommen heißt?

Ascheberg, Herbern

, 26.09.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir freuen uns, dass wir wachsen, heißt es so oft bei Neujahrsempfängen. Wächst die Einwohnerzahl einer Stadt oder einer Gemeinde, ist das für Bürgermeister ein Zugeständnis: Hier wollen die Leute hin. Bei uns fühlen sie sich wohl.

Die UWG Ascheberg hingegen sprach im jüngsten Bau-, Planungs- und Umweltausschuss davon, keine neuen Baugebiete mehr ausweisen zu wollen. Heißt im Umkehrschluss: es auch Neubürgern schwerer zu machen, etwas Passendes zu finden.

„In Augenhöhe mit der Klimapolitik“

„Wir weisen neue Baugebiete aus, das ist halt so“, ist oft das Credo der Lokalpolitiker. „Das ist halt so“ – diese Aussage „hat mir wehgetan“, sagte UWG-Fraktionsvorsitzender Volker Müller-Middendorf im jüngsten Ausschuss. „Wie lange wollen wir das so noch machen?“

Eine weitere Zustimmung zu neuen Baugebieten würde die UWG davon abhängig machen, inwieweit die Gemeinde ökologisch denkt, so Müller-Middendorf. „Das soll keine Null-Politik sein, aber eine verlangsamte und in Augenhöhe mit der Klimapolitik.“

Bis Ende des Jahres will sich die UWG-Fraktion dazu ihre Gedanken machen, fest steht noch nichts. Trotzdem stieß diese Aussage in der Sitzung bereits auf Belustigung: „Das wollen Sie? Dann erklären Sie das mal den Bauwilligen“, höhnte CDU-Mann Wilhelm Kiffer.

Wohnraum sinnvoller nutzen?

Kiffers Parteikollege Thomas Franzke wies auf das ungenutzte Potenzial bestehenden Wohnraums hin und fragte nach Beratungsangeboten: „Eine Person bewohnt Raum, den eine vierköpfige Familie nutzen könnte.“

Grünen-Politiker Hubertus Beckmann stimmte dem zu: „Es gibt so viele Häuser in Ascheberg, in denen nur noch eine Person wohnt und die irgendwann renoviert werden könnten. Können wir nicht 2020 schon damit aufhören, neue Baugebiete auszuweisen?“

Dem Klimanotstand nicht ausgerufen

Ob es so schnell so weit kommt, bleibt fraglich. Fest steht, dass die Politik in Ascheberg phasenweise immer grüner wird. „Heute sind wir auf dem Öko-Trip“, sagte etwa Elmar Hammwöhner (SPD).

Fest steht aber auch, dass in den Fachausschüssen gerne und viel diskutiert wird. Ob man neuen Baugebieten wirklich einen Riegel vorschieben will und ob das dann auch die Mehrheit im Rat bekommt? Abwarten. Den Klimanotstand wollte die Politik seinerzeit nicht ausrufen – von „Symbolpolitik“ sprach etwa Bürgermeister Bert Risthaus.

Wir müssen überlegen, wie wir die Entwicklungen in Ascheberg vorantreiben, hatte Volker Müller-Middendorf in der Notstandsdebatte gesagt. Sollte sich die UWG dazu durchringen, keine Baugebiete mehr auszuweisen, wäre von „Vorantreiben“ wohl erst mal keine Rede mehr – zumindest nicht in Sachen Wohnraumpolitik.

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