Rechtsextreme Chats bei Polizei NRW: Behörde in Coesfeld distanziert sich deutlich

Rechtsextreme Chats

Nach der Aufdeckung rechtsextremer Chatgruppen bei der Polizei in NRW reagiert die Polizei des Kreises Coesfeld bestürzt. „Wegschauen ist dulden“, erklärt Landrat Dr. Schulze Pellengahr.

Ascheberg, Herbern, Nordkirchen, Olfen

, 18.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr äußert sich als Chef der Polizeibehörde des Kreises Coesfeld bestürzt auf die Aufdeckung rechtsextremistischen Gedankenguts bei der Polizei in NRW.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr hat als Chef der Polizeibehörde des Kreises Coesfeld bestürzt auf die Aufdeckung rechtsextremistischen Gedankenguts bei der Polizei in NRW reagiert. © Thomas Aschwer (A)

Mindestens 30 Polizisten und Polizistinnen in NRW sollen Mitglieder in Chatgruppen mit rechtsextremistischen Gedankengut gewesen sein. Nach der Aufdeckung dieser Vorfälle reagiert die Polizei des Kreises Coesfeld, die unter anderem für Ascheberg, Olfen und Lüdinghausen zuständig ist, bestürzt und öffentlich mit einer Pressemitteilung. „Wir sind erschüttert über die aktuellen Ereignisse bei der Polizei NRW. Rechtsextremismus und Extremismus jeder Art haben keinen Platz bei der Polizei. Wir distanzieren uns ganz deutlich von einem solchen Gedankengut“, heißt es darin.

Extremismusbeauftragter bei der Polizei Coesfeld

Die Verantwortlichen verweisen zudem auf den Extremismusbeauftragten im eigenen Haus. Seit März 2020 haben die Behörde in Coesfeld sowie alle anderen Polizeibehörden in NRW damit einen „vertrauensvollen Ansprechpartner für Kolleginnen und Kollegen“ installiert.

Die Beamten können dem Extremismusbeauftragten, Hinweise auf extremes Gedankengut oder Handeln in den eigenen Reihen geben. „Er ergänzt das ganze Bündel an vorbeugenden Maßnahmen in Aus- und Fortbildung und Wahrnehmung von verantwortungsvoller Führung“, teilt die Polizei Coesfeld mit.

Landrat erwartet Meldung bei extremistischem Gedankengut

Auch Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr als Leiter der Polizeibehörde Coesfeld erklärt in diesem Zusammenhang: „Wir als Polizei Coesfeld sind dem Schutz jedes Bürgers verpflichtet, unabhängig seiner Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht und Sexualität.“

Er vertritt eine eindeutige Position: „Die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Coesfeld haben das Recht, sich auf eine verfassungsschützende und neutrale Polizei verlassen zu dürfen. Ich erwarte von jeder Polizistin und jedem Polizisten, dass er extremistisches Gedankengut meldet! Wegschauen ist keine Option! Wegschauen ist dulden.“

Keine Beschwerdevorgänge in den eigenen Reihen

Bei der Polizei Coesfeld liegen nach eigenen Angaben keine Hinweise auf extremistisches Gedankengut der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor. „Es gibt insbesondere keine Beschwerdevorgänge, die extremistisches, rassistisches oder sexistisches Einschreiten beschreiben“, erklärt die Pressestelle der Polizei.

Bisher stehen in Nordrhein-Westfalen 30 Polizistinnen und Polizisten unter Verdacht, an Chatgruppen mit rechtsextremistischem Gedankengut beteiligt gewesen zu sein. Unter den Bildern, die dort geteilt worden waren, sind laut Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) Fotos von Adolf Hitler und die fiktive Darstellung eines Flüchtlings in einer Gaskammer. Unter den beschuldigten Beamten befindet sich auch ein Beamter des LAFP (Landesamt für Fortbildung der Polizei in NRW) in Selm-Bork.

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