Richter ohne Robe gesucht

ASCHEBERG Eine Berufsausbildung für Schöffen gibt es nicht, denn der Schöffe ist ein Laienrichter ohne juristische Vorbildung. Das Amt eines Schöffen ist ein Ehrenamt, dass nur von Deutschen versehen werden kann. Und derzeitz liegt im Ascheberger Rathaus eine Vorschlagliste aus: Gesucht werden Schöffen.

von Von Bettina Nitsche

, 06.02.2008, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ratsfrau Annemarie Bickenbach

Ratsfrau Annemarie Bickenbach

Bis zum 29. Februar haben Personen, die in diese Vorschlagliste aufgenommen werden möchten, die Möglichkeit sich beim Ordnungsamt der Gemeinde Bewerbungsvordrucke abzuholen. Doch der Weg bis zur Ernennung ist lang. Da stellt sich schnell die erste Frage: Wie wird man eigentlich Schöffe? Weitere schließen sich gleich an. Nämlich die nach den Voraussetzungen und Fähigkeiten, den Tätigkeitsfeldern, sowie nach dem eigentlichen Prozedere.

"Diejenigen, die Interesse an dieser Tätigkeit haben, können zwischen drei Kategorien wählen", erklärt die Ratsfrau und Schiedsfrau der Gemeinde Ascheberg, Annemarie Bickenbach. Schöffen werden sowohl für das Landgericht Münster, das Amtsgericht Lüdinghausen und für das Jugendstrafrecht benötigt. "Allerdings muss sich ein Schöffe zwischen einer dieser drei Kategorien entscheiden", so Bickenbach, bevor sie dann zum eigentlichen Prozedere der Schöffenwahl kommt.

Vorsortierung geht an den Kreistag

Im nichtöffentlichen Teil des HFA wird eine Vorsortierung der eingegangenen Vorschläge vorgenommen, die an den Kreistag gehen, wo eine Kommission erneuert selektiert. Diese Vorschläge werden dann an die zuständigen Gerichte weitergeleitet, die die endgültige Entscheidung treffen. Die Schöffen werden auf vier Jahre gewählt.

"Dieses Amt kann dann nicht mehr abgelehnt werden. Der Arbeitgeber muss einem Schöffen für seine Tätigkeit freistellen, da es sich hier um einen Dienst am Staat handelt", weiß Bickenbach. Der Schöffe selbst erhält ein Sitzungsgeld. In der Regel sitzen ein Richter und zwei Schöffen in einer Verhandlung.

Unparteilichkeit, Selbständigkeit und Reife

Das verantwortungsvolle Amt eines Schöffen verlangt in hohem Maße Unparteilichkeit, Selbständigkeit und Reife des Urteils sowie geistige Beweglichkeit, womit die Frage der Fähigkeiten schon geklärt wäre. Denn in der Tat muss der Schöffe über ein gesundes Urteilsvermögen und Menschenverstand verfügen. Die Altersgrenze ist dabei weit gesteckt.

Zu Beginn einer Amtsperiode muss ein Schöffe mindestens 25 Jahre alt sein und darf das 70. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. "Gerne werden immer ein jüngerer und ein älterer Schöffe zu einer Verhandlung gebeten, denn die unterschiedlichen Sichtweisen helfen den Richtern bei der Urteilsfindung", weiß Bickenbach.

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