Schüler sind strenger als jeder Politiker

HERBERN Rauchen erst ab 17 Jahren erlauben. Die Schüler der Theodor-Fontane-Schule sind strenger als jeder Politiker. Wenn sie das Bundesnichtraucherschutzgesetz verfasst hätten.

von Von Wolfgang Gumprich

, 11.01.2008, 07:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rauchen wäre in Gebäuden auch grundsätzlich verboten, die Tabaksteuer würde erhöht, die Krankenkassen erhielten einen Teil davon und auf den Packungen würden große Bilder für abschreckende Wirkung sorgen.

In einem Planspiel erarbeiteten die 18 Schüler der Klasse 10 B im Geschichtsunterricht den Weg zu "ihrem" Nichtraucherschutzgesetz. "Dazu haben wir ein 'Theodor-Fontane-Deutschland' gebildet", erklärt Geschichtslehrerin Sabine Schlarmann die Methode.

Politik in der Schulklasse

"Die Schüler teilten sich in sechs Gruppen ein, denen jeweils eine wichtige Funktion bei der Gesetzesbildung zukommen sollte." So fanden sich der Verband der Zigarrettenindustrie, die Deutsche Krebshilfe, Politiker, die für oder gegen den Nichtraucherschutz waren, Juristen und die Presse im Klassenzimmer zusammen.

Lehrerin Schlarmann erteilte ihnen dann die Aufgabe, sich über ihr eigenes Gebiet zu informieren, die Positionen der anderen zu kennen, ihre eigenen Ziele zu formulieren und zu überlegen, wie sie am besten durchzusetzen seien.

"Es hat ein wenig gedauert, dann lief es von alleine", staunt Lehrerin Schlarmann noch im Nachhinein. Es lag aber auch daran, dass die Gruppen in die Methoden der Informationsfindung und der Gruppenarbeit eingeübt waren.

Beliebt war bei den Jungen und Mädchen die Arbeit mit dem Internet. Ihre Meinung und die der anderen Gruppen fanden sie in der regelmäßig erschienenen Zeitung, den Theodor-Fontane-News. "Anfänglich", so hat Sabine Schlarmann im Unterricht beobachtet, "taten sich einige Schüler schwer, vom 'ich als Person' zum 'ich als Vertreter meiner Gruppe' umzuschalten."

"Heißer Stuhl"

Als Höhepunkt des fünfwöchigen Planspiels fand dann eine Art Bundestagssitzung statt, in der das Gesetz verabschiedet wurde. Dazu wählte Sabine Schlarmann die so genannte Fishbowl-Methode: Hier bilden je ein Gruppenvertreter eine Diskussionsrunde, die anderen sitzen außen drumherum und hören zu; wollen sie sich beteiligen, müssen sie auf den "heißen Stuhl".  Und wie fanden die Schüler das Planspiel? "Wir haben das Argumentieren gelernt, und dass man sich informieren muss und nicht einfach drauf losquatscht", sagt einer, die anderen nicken.

Und dass das "Fontane-Gesetz" so viel strenger geworden ist als das "echte", erklären sie so: "Wir mussten uns ja mit den Nichtrauchern einigen, deshalb sollen die abschreckenden Bilder auf die Packungen". Alle finden "ihr "Gesetz in Ordnung. Und sie wünschen sich schon das nächste Planspiel: "Über Alkohol oder Drogen".

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