Trockenheit durch Klimawandel: Landwirte in Herbern warten auf Regen

hzErnte in Gefahr

2020 droht wieder ein sehr trockenes Jahr zu werden. Erneut. Auch in Herbern warten Landwirte sehnlich auf Regen. Der ist zwar angesagt, aber ob die Menge reicht, ist sehr fraglich.

Herbern

, 03.06.2020, 09:00 Uhr

Das Frühjahr 2020 ist zu trocken. In Deutschland, in Nordrhein-Westfalen und auch in Herbern. In Panik ist Landwirt Dirk Schulze Pellengahr aus Herbern deswegen nicht. „Weil wir es eh nicht ändern können“, sagt er am Dienstag (2.6.) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für Begeisterung sorgt die aktuelle Trockenphase bei Schulze Pellengahr allerdings auch nicht gerade. Denn wenn es nicht bald richtig regnet, könnten Ernteausfälle und Ertragseinbußen bei Raps und den Getreidesorten auf die Landwirte zukommen.

Jetzt lesen

„Dabei kommen Raps und Gerste noch halbwegs damit klar“, so Schulze Pellengahr weiter. Aber es sei bereits zu sehen, dass die Gerste unter dem trockenen Wetter leide. Denn akut abreifen, sichtbar an einer Änderung der Farbe von grün nach gelb, sollte das Getreide noch nicht. Tut es aber schon. Das habe der Landwirt bereits am vergangenen Pfingstwochenende auf vielen Gerstenfeldern beobachten können.

Frühling zum siebten Mal in Folge zu trocken

Beim Mais hingegen sei noch alles offen. Gesetzt den Fall, es gibt mehr Regen. Und zwar bald. In Zahlen heißt das: rund 300 Liter Regen pro Quadratmeter (l/m²) sind in Herbern in der ersten Jahreshälfte gefallen. Klingt viel, ist aber zu wenig. Etwa 150 l/m² mehr bräuchte es laut Schulze Pellengahr.

Belegt wird das von Daten des deutschen Wetterdienstes (DWD). Der Frühling 2020 gehört nicht nur zu den sechs regenärmsten seit 1881. Zum siebten Mal in Folge blieb der Frühling zu trocken. Deutschlandweit und auch in Nordrhein-Westfalen gab es nur rund die Hälfte dessen an Regen, was laut so genannter vieljähriger Mittelwerte hätte fallen sollen.

Die Trockenheit hinterlässt in den Maisfeldern ihre Spuren. Zuerst fängt der Mais an, sich zu kräuseln, dann bekommt er braune Hitzeflecke. Hier ein Archiv-Bild aus dem Jahr 2015.

Die Trockenheit hinterlässt in den Maisfeldern ihre Spuren. Zuerst fängt der Mais an, sich zu kräuseln, dann bekommt er braune Hitzeflecke. Hier ein Archiv-Bild aus dem Jahr 2015. © Felgenträger (A)

Laut DWD liegt der Mittelwert in NRW bei 205 l/m². Die tatsächliche Menge Regen im Frühling 2020 betrug 110 l/m². Dafür gab es viel Sonne. Die schien im Frühling in NRW nämlich rund 720 Stunden lang. Der Mittelwert liegt laut DWD bei 441 Stunden. Die Konsequenz aus wenig Regen und viel Sonne: große Trockenheit.

Kritische Phase für Weizen und Mais

Kritisch könne diese Witterung auch für den Weizen werden, sagt Gerhard Reimann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Herbern, mit rund 70 Betrieben. „Der Mehlkörper ist gerade in der Bildung.“ Je größer das Korn sei, desto besser die anschließende Ernte. Ohne Feuchtigkeit sieht es auch hier schlecht aus. Beim Mais gilt ähnliches. Für gutes Wachstum braucht es mehr Wasser.

Ursache Klimawandel und Optionen für die Zukunft

Das dritte Jahr in Folge sei jetzt schon so trocken. Die Ursache: der Klimawandel. „Jeder, der jetzt noch etwas anderes behauptet, den kann ich nicht mehr verstehen“, so Reimann dazu.

Die Landwirte müssten sich jetzt überlegen, wie sie die Feuchtigkeit im Boden besser nutzen könnten. Etwa, in dem man möglichst wenig auf dem Acker fahre oder mit Getreide, das Trockenheit besser vertragen kann. Roggen zum Beispiel.

Ein Bewässerung wäre laut Reimann kaum möglich. Man habe jetzt schon Sorge, das der Grundwasserspiegel zu weit absinkt. Auch ohne Eingreifen der Landwirte. Die Talsperre der Möhne sei bereits im vergangenen Jahr leer gewesen, also auch keine Option. Außerdem bräuchte es viel Technik für eine Bewässerung der Felder. „Die haben wir nicht vor Ort.“

„Am besten Regen eine Woche am Stück“

Regen, wie er ab Donnerstag angesagt ist, wäre also ein Segen. Am besten gleich für eine ganze Woche am Stück, wenn es nach Reimann geht. „Das wäre für uns alle gut. Zumindest für die nächste Zeit.“ Und damit meint er nicht nur die Landwirte, sondern auch Gärtner oder Wälder. Logisch, denn auch dort ist es viel zu trocken, weil der Regen fehlt.

Aber selbst wenn das passieren sollte, der Wetterbericht sich irrt, weil er weniger als eine Woche Dauerregen voraussagt, wäre es nicht genug. 150 bis 200 l/m² bräuchte es auch laut Reimann. Zum Vergleich: Das ist etwa eine Badewanne voll Wasser. Pro Quadratmeter. „Das bekommen sie nicht in einer Woche zusammen.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt