Urteil im Missbrauchsprozess: Hoffnungen des Aschebergers unerfüllt

hzUrteil im Missbrauchsprozess

Im Missbrauchsprozess gegen einen 59-jährigen Mann aus Ascheberg hat das Landgericht Münster das Urteil gesprochen. Die Hoffnungen des Angeklagten erfüllten sich dabei nicht.

Ascheberg, Herbern

, 27.05.2020, 16:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem frühen Geständnis hatte der angeklagte Ascheberger dafür gesorgt, dass die betroffenen Kinder nicht als Zeugen vernommen werden mussten. Die drei Enkelinnen und ein Enkel seiner Ehefrau sollen bis heute unter den sexuellen Übergriffen leiden. Vor allem eines der Mädchen hat seitdem offenbar auch schwere schulische Probleme.

Die Hoffnungen des 59-Jährigen hatten seine beiden Verteidiger Winfried Rath und Andreas Tinkl schon am ersten Verhandlungstag klar angesprochen. Eine Bewährungsstrafe sollte am Ende herauskommen. Immerhin sei der Angeklagte ja auch sehr haftempfindlich, weil er zuletzt einen Herzinfarkt erlitten habe.

Verteidiger fordern Bewährungsstrafe

In den Plädoyers, die am Donnerstag gehalten wurden, griffen die Verteidiger die Frage der Bewährung noch einmal auf. Ihrer Ansicht nach seien für die 25 nachgewiesenen und eingestandenen Missbrauchstaten eine zweijährige Haftstrafe ausreichend. Das ist die höchste Strafe, die überhaupt noch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Die Richter gingen auf diesen Antrag jedoch nicht ein. In ihrem Urteil folgten sie stattdessen der Forderung des Staatsanwalts und verhängten zwei Jahre und neun Monate Haft. Das bedeutet: Sobald das Urteil rechtskräftig ist, wird die Frage geprüft, ob der Ascheberger aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit haftfähig ist. Geben die Ärzte dann grünes Licht, muss der Mann die Strafe im Gefängnis verbüßen.

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Ascheberger hat Enkeln Schmerzensgeld zugesichert

Wäre es nach Rechtsanwältin Julia Artmann-Eichler gegangen, die im Prozess die Rechte der betroffenen Kinder vertrat, wäre die Strafe sogar noch empfindlicher ausgefallen. Sie beantragte in ihrem Plädoyer sogar drei Jahre und fünf Monate Haft. Später sagte sie: „Die Täter haben ihre Strafe irgendwann verbüßt. Die Kinder haben jedoch lebenslang mit den erlittenen Übergriffen zu tun.“

Auch die Zusage des Aschebergers, insgesamt 14.000 Euro als Schmerzensgeld an seine „Stief-Enkel“ zu zahlen, überzeugte Artmann-Eichler nicht. Geld könne solche Übergriffe niemals ungeschehen machen. Nach dem Urteil haben die vier Kinder nun aber endlich die Möglichkeit, eine Traumatherapie zu machen. Bislang hatten Therapeuten den Schülern davon abgeraten.

Übergriffe fanden an Wochenenden statt

Erforderlich ist diese Behandlung aber in jedem Fall. Die Übergriffe hatten sich immerhin über einen längeren Zeitraum hingezogen. Immer wieder sollen die Kinder an den Wochenenden bei der Oma und dem Stiefopa übernachtet haben. Und bei diesen Aufenthalten soll es dann zu verbotenen Berührungen und mehr gekommen sein - im Schlafzimmer, den Kinderzimmern oder im Badezimmer.

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