Wolfgang Korte (65) aus Herbern veräppelt seine Tauben – und führt sie damit zum Erfolg

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Die beste weibliche Taube der Reisevereinigung Germania Werne kommt in diesem Jahr aus Herbern. Das ist die Nachricht. Die Geschichte dahinter ist kurios – und die Täubin eine treue Seele.

Herbern, Werne

, 31.07.2019, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Täubin Nummer 03255/15/532 ist in dieser Saison insgesamt 4376 Kilometer geflogen. Eine Leistung, vor der Wolfgang Korte (65), Züchter und Besitzer gleichermaßen, seine Kappe zieht. „Das ist schon eine Leistung“, sagt er und schaut hinunter auf sein Siegertäubchen.

Für ein Foto will er die Kappe nicht absetzen – „die gehört doch zum Taubensport dazu“, sagt er und lacht, während Täubin Nummer 03255/15/532 in den Händen seines Sohnes Matthias (28) sitzt und flink den Kopf bewegt. Wie das Tauben halt so machen. Und wie das bei Tauben halt so ist, hat sie auf das Siegerfoto nicht so richtig viel Lust. Vielleicht würde sie gerne zurück in den Schlag. Zu ihrem Liebsten, dem Täuberich.

Die beste weibliche Taube der RV Germania

Heute fliegt Täubin Nummer 03255/15/532 nicht. Die Saison ist vorbei. Etliche schweißtreibende Wochen liegen hinter ihr, wenn man das bei Tauben so sagen kann. Und ausgerechnet die Unglückszahl 13 sollte ihr und ihren Züchtern das erhoffte Glück bringen.

Am Samstag (20. Juli) war es, dem 13. und zugleich letzten Preisflug in dieser Saison, als der weibliche, graue Vogel um 14.27 Uhr den Schlag im Roggenkamp in Herbern erreichte. Zack – schnell über den Sensor, damit die Uhrzeit erfasst wird.

Wolfgang Korte (65) aus Herbern veräppelt seine Tauben – und führt sie damit zum Erfolg

Die Schlaggemeinschaft Korte und Söhne aus Herbern (v.l.): Christoph Korte (41), Matthias Korte (28) und Vater Wolfgang Korte (65). © Vanessa Trinkwald

„Wir saßen hier im Garten und haben gewartet“, erzählt Christoph Korte (41). Und als die Täubin in den heimischen Schlag zurückkehrte, war sie nicht mehr nur Nummer 03255/15/532, sondern die beste weibliche Taube der Reisevereinigung (RV) Germania Werne.

  • Die Schlaggemeinschaft Korte ist Teil des Herberner Brieftaubenzuchtvereins „Eilbote Herbern“.
  • Zwei Brieftaubenzuchtvereine hat der Ortsteil Herbern noch: „Eilbote“ und „Berg und Tal“.
  • Vor acht Jahren wechselten die beiden Vereine zur Reisevereinigung (RV) Germania Werne, vorher gehörten sie zur Reisevereinigung Drensteinfurt.

An deren Wettflügen nimmt die Schlaggemeinschaft Korte & Söhne – Vater Wolfgang und die Söhne Matthias und Christoph – jedes Jahr teil. 2018 war das namenlose Siegertäubchen bereits die beste Täubin der Schlaggemeinschaft, ein Jahr später lässt sie auch die Täubinnen der beiden noch existierenden Herberner Vereine und der RV Germania hinter sich.

12 von 13 möglichen Preisen sahnte sie ab. Heißt: An 12 Wochenenden erreichte die Täubin den Heimatschlag im ersten Drittel. Nur ein Drittel der Tiere gewinnt einen Preis: Heben an einem Wettflugtag 300 Tauben ab, bekommen – na? – die ersten 100 einen Preis. Das ist nicht kompliziert, muss man aber wissen. Bei der RV Germania sind es an so einem Wochenende rund 3500 Tiere, die auf die Reise gehen.

„Das ist schon ein bisschen Verarsche“

Auch ihr Liebster, der Täuberich, flog stets in dieser Gruppe aus Tausenden Tieren mit. Das Blöde nur: Das versteht die Täubin nicht. Und so will sie bei so einem Wettflug nur eines: möglichst schnell zurück in ihren Schlag, um dem Männe wieder nah zu sein. „Das ist schon ein bisschen Verarsche“, sagt Christoph Korte und lacht. So aber funktioniert der Taubensport.

Wolfgang Korte (65) aus Herbern veräppelt seine Tauben – und führt sie damit zum Erfolg

Rund 150 Tauben, inklusive Zuchttauben, leben im heimischen Schlag in Herbern. © Vanessa Trinkwald

„Totale Witwerschaft“ nennt man das. „Die Tauben sind unter der Woche getrennt“, erzählt Wolfgang Korte. Vor dem Flug sehen sie sich kurz, um zu wissen: Der oder die Liebste wartet auf mich. „Dann fliegen sie ganz schnell zurück nach Hause“, sagt Korte und lacht einmal kurz auf: „Bei Menschen funktioniert dieses Prinzip nicht.“

Sie ist schnell – und genügsam

An 12 von 13 Wochenenden war die Täubin pünktlich. Nur einmal kam sie acht Minuten zu spät. „Vielleicht hat sie einen Schwenker gemacht“, sagt Korte. „Das kann passieren bei so einer Strecke.“ Am Tag des 13. Fluges ging sie in Micheldorf, einer Gemeinde in Oberösterreich, in die Luft. 640 Kilometer Luftlinie legte sie bis Herbern zurück, um wieder zurück beim Täuberich zu sein.

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Die Täubin, der in diesem Jahr beste weibliche Vogel der Reisevereinigung Germania Werne, ist 2015 im Roggenkamp in Herbern geboren. Sie hat die Nummer 03255/15/532. Ihre Flügel trugen sie in 13 Wochen mehr als 4000 Kilometer weit. Sie ist schnell – und genügsam, sagt Korte. Hätte diese Täubin doch nur einen Namen.

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