Die Zahl der Meldungen zur Kindeswohlgefährdung im Kreis Coesfeld nimmt seit zwei Jahren deutlich zu. © Michał Parzuchowski/Unsplash
Jugendamt in Ascheberg

Zahl der Meldungen zur Kindeswohl-Gefährdung im Kreis nimmt zu

Seit 2019 melden sich immer mehr Menschen im Kreis Coesfeld, weil sie eine Kindeswohlgefährdung vermuten. Das sei gut, heißt es vom Kreisjugendamt am Dienstagabend im Ausschuss in Ascheberg.

Für den Haushalt 2020 hatte das Kreisjugendamt in Coesfeld eine Mehrbelastung von 3,65 Millionen Euro ausgemacht. Das war für die SPD in Ascheberg Grund für einen Antrag im vergangenen Sommer, der nun in der Jugendausschuss-Sitzung am Dienstagabend (3. März) besprochen wurde. „Uns ist wichtig zu hören, wie die Jugendhilfe hier aufgestellt ist“, erklärte Volker Brümmer den Antrag seiner Partei. Denn immer wieder würden Jugendämter in ein negatives Licht gerückt.

Aus diesem Grund hatte die Gemeinde Elke Beck, stellvertretende Abteilungsleiterin im Bereich Allgemeine Soziale Dienste (ASD) im Kreisjugendamt, am Dienstagabend in die Sporthalle der Profilschule eingeladen, um über die Arbeit, aber auch über die Vorfälle von Kindeswohlgefährdung in der Gemeinde zu sprechen.

Kreisjugendamt hat Erklärung für „erheblichen“ Anstieg

Im gesamten Kreis habe die Anzahl der Kindeswohlgefährdungs-Meldungen, auch 8a-Meldungen genannt, über die Jahre zugenommen. Waren es 2015 193 Meldung, 2016 174, 2017 171 und 2018 154, waren es im Jahr 2019 262 und 2020 240. Den „erheblichen“ Anstieg der Meldungen führte Beck ab 2019 auf die Vorfälle in Gladbeck, Lügde und Münster zurück: „Die Menschen sind deutlich sensibler geworden“ und meldeten sich glücklicherweise auch öfter bei den Jugendämtern, so Beck.

Auch wenn nicht hinter jeder Meldung eine tatsächliche Kindeswohlgefährdung stecke, sondern teils auch Auseinandersetzungen zwischen den Elternteilen oder Diffamierungen. „Aber in 36 Prozent besteht wohl Handlungsbedarf, in 12,5 Prozent stellen wir eine latente Kindeswohlgefährdung fest, dann arbeiten wir häufig mit Schutzplänen oder Auflagen wie Drogenscreenings. Leider stellen wir in 8,3 Prozent fest, dass eine akute Kindeswohlgefährdung vorliegt. Das bedeutet in der Regel, dass wir die Kinder unterbringen“, sagte die Mitarbeiterin des Jugendamtes.

Im Falle einer latenten Gefährdung besteht ein Verdacht, so definiert es das Statistische Bundesamt. Im Falle einer akuten Kindeswohlgefährdung besteht Gefahr für Leib und Leben des Kindes. In Ascheberg hat es 2015 9, 2016 22, 2017 22, 2018 16 und 2019 22 Meldungen gegeben. Im Jahr 2020 waren es insgesamt 19 8a-Meldungen. In 12 Fällen 2020 habe das Jugendamt aber keine Gefährdung und auch keinen Hilfebedarf ausmachen können, in 5 Fällen keine Gefährdung, aber Hilfebedarf. In einem Fall habe eine latente Kindeswohlgefährdung vorgelegen, in einem weiteren eine akute, erklärte Elke Beck.

Schulen und Kitas erkennen Anzeichen oft früh, so Beck

Mit Schulen, Kitas, Offenen Ganztagen und der Jugendarbeit hat das Kreisjugendamt 8a-Vereinbarungen, wodurch sich die Träger bereit erklären, Anzeichen von Kindeswohlgefährdung zu melden. So würden Fälle immer häufiger bekannt, sagte Beck. Aus Schulen und Kitas gebe es wenige Meldungen, weil „wir denken, dass die sich viel früher melden und schildern eher die Beobachtungen und melden sich nicht erst bei manifester Gefährdung. Das erleichtert uns die Arbeit, weil wir da noch einen ganz anderen Zugang zu den Familien bekommen“, so die Jugendamtsmitarbeiterin.

Für Ascheberg gibt es zwei eigene Mitarbeiter des ADS, die in der Zweigstelle in Lüdinghausen angesiedelt sind. Nun sei auch eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit gewährleistet, tagsüber durch die ADS-Mitarbeiter, nachts von einer Rufbereitschaft, die ebenfalls immer doppelt besetzt sei, so Beck. „Die Verfahrens- und Qualitätsstandards können wir auch an den Wochenenden und nachts einhalten.“ Auf die Gemeinde entfielen 2020 9,76 Prozent der Jugendhilfemaßnahmen im Kreis, in 40 Fällen wurde ambulante Hilfe zur Erziehung (HzE) geleistet, in 37 stationäre. In 7 Fällen handelte es sich um Hilfen für Volljährige, in 13 um Eingliederungshilfen. 2019 entfielen 11,4 Prozent der kreisweiten Kosten auf die Gemeinde, die Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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