Ina Scharrenbach (CDU) aus Kamen ist Heimatministerin von Nordrhein-Westfalen und gilt als enge Vertraute von CDU-Ministerpräsident und -Kanzlerkandidat Armin Laschet. © picture alliance/dpa
CDU-Ministerin aus Kamen

Ina Scharrenbach: „Ich leide mit Armin Laschet“

Wenn es um die Nachfolge von Armin Laschet geht, fällt immer wieder der Name Ina Scharrenbach. Wir haben mit der Landesministerin aus Kamen über die Lage bei der CDU und ihre Ambitionen gesprochen.

Absturz bei der Bundestagswahl auf 24 Prozent. Dazu die ungeklärte Frage, wer in Nordrhein-Westfalen die Nachfolge von Armin Laschet als Ministerpräsident antreten soll. Es gab gewiss ruhigere Zeiten für die CDU als diese. Wenn es darum geht, wer Laschet in NRW beerben könnte, fällt neben dem Namen Hendrik Wüst auch immer wieder der von Ina Scharrenbach.

Die Kamenerin, die am Donnerstag 45 Jahre alt wurde, gehört wie Verkehrsminister Wüst zur jüngeren Generation der Partei in NRW – und gilt als eine Hoffnungsträgerin für die Zukunft. Zwischen dem Ausschuss für Bauen und Kommunales und einem Termin mit dem WDR nahm sie sich am Freitag eine halbe Stunde Zeit für ein Videotelefonat mit unserer Redaktion. Scharrenbach machte darin deutlich, dass sie weiter fest an der Seite Armin Laschets steht – des Mannes also, der sie 2017 zur Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung in seinem Kabinett machte. Kritische Worte hatte sie nur für seine Gegner übrig. „Es war schon insgesamt ein interessanter Wahlkampf. Ich leide mit Armin Laschet“, sagte Scharrenbach.

„Was da lief, hatte schon den Charakter einer Kampagne“

Alle Parteien hätten vereinbart, einen fairen Wahlkampf zu führen, der nicht gegen die Person gehe. Das sei aus Sicht von Scharrenbach „nicht geglückt“. Laschet sei massiv angegangen worden. „Derartige persönliche Angriffe sind uns im demokratischen Diskurs eigentlich fremd. Was da über die sozialen Medien lief, hatte schon den Charakter einer Kampagne“, so die Ministerin.

„Ich leide mit Armin Laschet“, sagt Ina Scharrenbach über die gegenwärtige Situation bei der CDU. Das Foto zeigt sie mit Laschet und Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP, l.). © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Dabei sei das Wahlergebnis der Union gewiss nicht allein die Schuld ihres Bundesvorsitzenden. Angesprochen auf die Äußerung ihres Parteikollegen Gerhard Meyer, Stadtverbandsvorsitzender der CDU in Unna, Laschet sei „der falsche Kandidat“ gewesen, sagte Scharrenbach: „Alle wissen, dass zerstrittene Parteien nicht gewählt werden – das wissen auch die Kollegen in Unna. Dieser Grundsatz ist nicht gewahrt worden. Nicht zwischen CDU und CSU und auch nicht innerhalb der CDU. Es ist immer einfacher zu sagen: Das ist der Schuldige. Aber wir haben auch inhaltliche Fragen nicht geklärt, sind nicht klar genug in der Sprache gewesen.“

Jetzt „nach Hause zu gehen“, wie es der Kamener CDU-Chef Wilhelm Kemna kürzlich in Richtung von Armin Laschet empfohlen hatte, ist keine Forderung Scharrenbachs. Im Gegenteil, sie hält die Bildung einer Koalition unter einem Kanzler Laschet weiterhin für möglich.

Wenn es nach Scharrenbach ginge, würde Laschet Kanzler

Die Wähler hätten zwei Regierungskoalitionen ermöglicht, entweder eine Ampel oder Jamaika. Sie finde es richtig, dass sich die FDP und die Grünen vorbesprechen, „weil da schon diametrale Positionen aufeinander prallen“. Es sei nichts Ungewöhnliches, dass die Parteien, die eine Regierung miteinander bilden könnten, miteinander sprechen. „Ich fände es auch nicht richtig, wenn wir als zweitplatzierte Partei sagen würden: Wir sprechen nicht“, stellte Scharrenbach klar.

Über die Spekulationen, die Union könne CSU-Chef Markus Söder statt Laschet zum Kanzler wählen lassen, sagte sie: „Die Voraussetzung ist erstmal, dass die Ampel nicht kommt und Jamaika denkbar wird. Erst danach sollten sich die Parteien Gedanken machen, wen sie zum Kanzler wählen. Das erste Recht hätte dann der Spitzenkandidat.“ Also Laschet. „Wenn es nach mir geht, würde in dem Fall einer Jamaika-Koalition dann auch Armin Laschet für die Wahl zum Kanzler antreten“, formuliert es Scharrenbach.

Ina Scharrenbach gilt neben Verkehrsminister Hendrik Wüst als Zukunftshoffnung der CDU in Nordrhein-Westfalen. Immer wieder fällt auch ihr Name, wenn es um die Laschet-Nachfolge geht, doch Wüst gilt als Favorit auf den Posten des künftigen Ministerpräsidenten. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Kein Blatt Papier scheint zwischen sie und den Noch-Ministerpräsidenten von NRW zu passen, dessen Nachfolgerin sie irgendwann einmal werden könnte. Doch wohl nicht in ganz naher Zukunft. Alles scheint derzeit auf Hendrik Wüst (46) hinauszulaufen. Der Verkehrsminister hat gegenüber Scharrenbach den Vorteil, dass er als direkt gewählter Abgeordneter dem aktuellen Landtag angehört und das Amt damit schon vor der Wahl übernehmen könnte.

Auf ihre eigenen Ambitionen angesprochen, antwortet die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende und Chefin der Frauen-Union NRW ausweichend und wie eine loyale Parteisoldatin: „Ich habe immer gesagt, dass die CDU gucken muss, mit wem man die Landtagswahl im Mai gewinnt.“ Das sei die entscheidende Frage. Was sie selbst anstrebe, dazu sagt sie auch auf Nachfrage: nichts.

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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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