Die Polizei informierte bei einer Impfaktion am Sonntag in Kamen verärgerte Impfwillige über die noch übrigen Impfdosen. Manche gingen, andere blieben trotzdem. Der Kreis will nun wieder Kärtchen verteilen. © Claudia Pott
Coronavirus

Nach Chaos in Kamen: Impfbus jetzt nur noch mit Termin

Nach einigen chaotischen Impf-Aktionen und langen Schlangen ändert der Kreis die Organisation der Impf-Aktionen. Außerdem erklärt der Kreis, warum nicht noch mehr geimpft werden kann.

Lange Schlangen vor den Impfstellen, Unmut bei Menschen, die nicht wissen, ob sie noch an die Reihe kommen, Parkplatzchaos und im Falle einer Impfaktion auf einem Firmengelände kürzlich sogar die Falschinformation, dass die letzten Impfdosen für Mitarbeiter reserviert seien.

Der Kreis Unna, der die Impfaktionen organisiert, will sich solche Situationen nicht länger anschauen. Sprecher Volker Meier erklärt nun auf Nachfrage, warum manches nicht glatt lief und wie jetzt gegengesteuert werden soll.

Bevor es zur Lösung geht, zunächst zur Ursache: Dass die Menschen in den Warteschlangen nicht informiert wurden, stimmt laut Meier nicht. „Es ist Fakt, dass die Wartenden am Sonntag informiert wurden. Manche sind gegangen, manche haben es nicht akzeptiert und manche haben gehofft, dass sie doch noch drankommen, wenn vielleicht vorher einer weggeht“, sagt Meier über die jüngste Impfaktion in Kamen.

Die Impaktion bei der Firma Fiege in Unna verlief für viele Impfwillige unglücklich. Sie mussten lange warten, kassierten Knöllchen und dann waren auch noch Fehlinformationen in Umlauf. Das ärgert auch den Kreis Unna. © Udo Hennes © Udo Hennes

Dort wurden die Wartenden wütend, weil sie nicht einschätzen konnten, ob sich das Warten überhaupt noch lohnen würde. Offenbar kamen manche erst, nachdem informiert wurde oder haben es nicht mitbekommen. Es waren viele hundert Menschen vor Ort.

Nachdem gegen Mittag auch die Polizei Wartenden gesagt hatte, dass sie nicht mehr an die Reihe kommen, blieben viele trotzdem stehen. Es stellten sich sogar noch neue Menschen an. Aber draußen regelmäßig die Lage zu kontrollieren und zu erklären, dafür hat das Impfteam keine Kapazitäten.

Bundeswehr darf die Impfwilligen nicht informieren

Auch die Bundeswehr kann da nicht aushelfen, wie Meier erklärt. Das hat am Sonntag ebenfalls manchen Wartenden gewundert: Zwei Soldaten standen am Eingang der Impfstation im JKC an der Poststraße, gaben aber keine Informationen heraus und bleiben auch sonst eher passiv.

„Die Bundeswehr darf aktiv keine Informationen herausgeben“, erklärt Meier die Auflagen für die Soldaten. Das sei eine Maßgabe. Insgesamt sind laut Meier acht Soldaten bei den Impfaktionen im Kreis im Einsatz. Sie sollen etwa bei der Dokumentation oder am Einlass helfen. Sie unterstützen dort, wo sie gebraucht werden und in dem Maße, in dem sie das dürfen. „Es gibt eine klare Rollenverteilung“, sagt Meier.

Viele gehen leer aus: Gibt es nicht genug Impfstoff?

In Kamen entstand außerdem der Eindruck, dass es mehr Impfwillige gibt, als Impfstoff. „Es geht nicht um den Impfstoff“, stellt Meier klar. Der Kreis könne ausreichend Dosen bestellen. „Es geht um das Personal. Es darf nicht jeder impfen. Es braucht geschultes, ausgebildetes Personal und Impfärzte. Die gibt es nicht auf dem Markt“, erklärt er.

Kreissprecher Volker Meier erklärt, warum der Kreis nicht mehr und schneller impfen kann: Es gibt genug Impfstoff, aber nicht genug Personal. © Udo Hennes/Archiv © Udo Hennes/Archiv

Als die Impfbus-Aktionen, die aktuell laufen, geplant worden seien, durfte zudem noch gar nicht geboostert werden. Das sei zu dem Zeitpunkt den Hausärzten überlassen gewesen, erklärt Meier. Nun kommen ungeplant auch zahlreiche Booster-Kandidaten zu den Aktionen hinzu. Deshalb kommt es vor, dass – so wie jetzt in Kamen – nur ein Impfarzt vor Ort ist und es nicht so schnell voran gehen kann. Für einen zweiten Arzt, wenn man einen gefunden hätte, hätte es im JKC keinen Platz gegeben, auch in den Bussen kann immer nur ein Arzt impfen.

Ohne ausreichend Personal kann es nicht schneller gehen. Das sei auch für den Kreis ärgerlich. Er möchte dennoch nicht, dass Menschen unnötig an den Impfstellen warten. „Wir werden wieder Zettel verteilen und aller Wahrscheinlichkeit nach wieder Termine vergeben“, erklärte Meier am Montag. Am Dienstag machte der Kreis dann ernst. Am Nachmittag war Folgendes auf der Impfseite des Kreises zu lesen: Der Impfbus ist weiterhin unterwegs. Auch hier ist für Termine nach dem 1. Dezember 2021 eine vorherige Terminbuchung notwendig.

Booster-Impfung gibt es erst nach sechs Monaten

Was fest steht und worauf Volker Meier noch einmal deutlich hinweist: „Wir bleiben bei den sechs Monaten Abstand zwischen den Impfungen.“ Nur diejenigen, deren zweite Impfung ein halbes Jahr zurückliegt, werden in den Impfzentren oder bei den Impfaktionen geimpft.

Das haben noch nicht alle verstanden, wie immer wieder deutlich wird. Das führt dazu, dass Menschen teils warten und dann enttäuscht werden – oder trotz Termin weggeschickt werden.

Meier appelliert auch an das Gewissen: Es solle doch eher eine 89-Jährige geimpft werden, die vor sieben Monaten ihre zweite Impfung bekommen hat, als ein 45-Jähriger, der seit fünf Monaten seinen vollen Impfschutz hat. Und damit noch recht gut geschützt sein sollte.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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