Bei einem Raubüberfall gingen die Täter äußerst brutal vor. Jetzt steht einer von ihnen nach erfolgreiches Revision wieder vor Gericht. (Symbolbild) © dpa
Landgericht Dortmund

Überfall und Diebstähle in Kamen und Bergkamen: Mutmaßlicher Täter erneut vor Gericht

Im Januar 2019 wurde ein Mitarbeiter im Haus Dellwig mit einer Gaspistole bedroht und ausgeraubt. Seit Dienstag steht einer der mutmaßlichen Täter in Dortmund erneut vor Gericht.

Eigentlich hatte ein 25 Jahre alter Kamener schon wegen diverser Straftaten in Kamen und Bergkamen vor Gericht gestanden: Das Landgericht Dortmund verurteilte ihn im August 2019 zu insgesamt sieben Jahren Haft. Neben einem Raubüberfall im Haus Dellwig waren auch sechs Diebstähle in das Urteil eingeflossen.

Der Angeklagte legte gegen die Entscheidung jedoch Revision ein. Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs entschied nach reiflichem Aktenstudium: Das Dortmunder Urteil kann nicht bestehen bleiben.

„Verwendung“ einer Waffe unklar

In den Urteilsgründen hatten die Richter dem 25-Jährigen unterstellt, die Gaspistole bei dem Überfall „verwendet“ zu haben. Für eine „Verwendung“ wäre im juristischen Sinne jedoch erforderlich, dass er tatsächlich auch einen Schuss abgefeuert hätte. Ob das geschehen ist, oder ob er nur mit der Waffe gedroht hat, muss jetzt im zweiten Prozess geklärt werden.

Tatsache ist, dass der Mitarbeiter im Haus Dellwig im Januar 2019 den Schock seines Lebens bekam. Ein eingeweihter Bewohner der Einrichtung soll dem Angeklagten und seinen beiden Komplizen die Tür geöffnet haben, sodass diese urplötzlich vor ihrem Opfer auftauchen konnten.

Opfer mit Schlagstock verprügelt

Der Mann wurde dann sofort mit einem Schlagstock verprügelt. Und angesichts der Waffe unterließ er es in der Folgezeit auch, irgendwelchen Widerstand zu leisten. Er musste einen Tresor öffnen und 200 Euro wechselten unfreiwillig den Besitzer. Mit dem Geld und einer EC-Karte samt Geheimnummer sollen sich die Täter kurz darauf auf die Flucht begeben haben.

Der heute 25-Jährige wurde allerdings schon wenige Tage später von der Polizei geschnappt. Er soll versucht haben, auf dem Schwarzmarkt Beute zu verkaufen, die er bei einem von diversen Einbrüchen zuvor gemacht haben soll.

Sechs Diebstähle in Kamen und Bergkamen

Laut Anklage lagen die Tatorte der Diebstähle in Bergkamen und Kamen. In Bergkamen sollen die Diebe in den Indoor-Spielplatz und ein Motorradgeschäft eingebrochen sein. In Kamen bekamen zwei Vereinsheime und zwei Fitnessstudios ungebetenen nächtlichen Besuch.

Diese Taten müssen die Richter in dem zweiten Prozess nun nicht mehr beleuchten. Jedoch wird erneut die Frage eine Rolle spielen, ob der Angeklagte einen Teil seiner Strafe für eine Entziehungstherapie verwenden muss. Derzeit ist der 25-Jährige bereits in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht und macht dort eine Ausbildung.

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