Aktion: Kirchhellener Gastronom stellt Stühle vor die Tür (mit Video)

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Die Geschäfte dürfen öffnen, die Restaurants aber noch nicht. Wann sie wieder dürfen, das weiß keiner. Die Aktion „leere Stühle“ macht auf die Hilflosigkeit der Gastronomen aufmerksam.

Kirchhellen

, 24.04.2020, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie haben sich schnell umgestellt als es hieß, dass wegen Corona fast alles schließen muss. Erst gab es veränderte Öffnungszeiten - kein Problem. Dann durften Gastronomen nur noch Essen zum Abholen oder Liefern kochen. Die Tische bleiben leer.

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Seit Montag (20. April) dürfen Einzelhändler wieder ihre Türen für Kunden öffnen, Gastronomen nicht. Das führte zu unterschiedlichen Reaktionen. Auch Restaurant-, Gasthof-, Hotel- und Imbissbetreiber möchten ihre Gäste wieder bewirten dürfen. Wann es so weit sein wird, kann noch niemand sagen.

Aktion leere Stühle bundesweit

Das hat zur Folge, dass es einige Gastro-Betriebe nach der Coronazeit nicht mehr geben wird. Da ist sich Stefan Bertelwick vom Gasthof Berger aus Kirchhellen sicher und macht deshalb bei einer Protest-Aktion mit, die zwar in Dresden startete, aber bundesweit von Gastronomen unterstützt wird.

Stefan Bertelwick (l,) und Volker Rütter.

Stefan Bertelwick (l,) und Volker Rütter © Julian Schäpertöns

Dabei werden Stühle, die ja derzeit leer bleiben, aus den Speiseräumen nach draußen vor die Türen gestellt. Auch Stefan Bertelwick machte am Freitagvormittag um 11 Uhr zusammen mit weiteren Gastronomen aus Bottrop mit und stellte eine lange Kaffeetafel mit leeren Stühlen auf die Straße. „Ich finde das ist eine coole Aktion, es sieht schön aus und so kann man auf die Situation aufmerksam machen“, so Bertelwick.

Das fordern Gastronomen bundesweit

„Die Kernforderung ist in meinen Augen, dass die Regierung mehr finanzielle Unterstützung leisten muss, wenn wir länger geschlossen bleiben als alle anderen“, sagt Stefan Bertelwick. „Vor allem die Gehälter der Mitarbeiter sollten zu 80 bis 100 Prozent übernommen werden“, findet er.

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Kirchhellener Gastronom macht mit "leere Stühle" auf Situation aufmerksam

Außerdem war eine der Forderungen vor der Aktion „leere Stühle“ die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent. Die wurde bereits in der Nacht zum 23. April von der Bundesregierung beschlossen. Allerdings soll diese Regelung nur ab dem 1. Juli 2020 befristet bis zum 30. Juni 2021 gelten. Das ist den Gastronomen zu kurz. Sie fordern eine dauerhafte Senkung, um die enormen Verluste wieder reinzukriegen.

Die letzte Forderung ist die Bitte um eine Perspektive. Derzeit gibt es keine Angaben darüber, wann Restaurants ihre Türen wieder öffnen dürfen. Mit dieser Ungewissheit lasse sich als Gastronom nicht planen.

Aussage von Herrn Laumann sei nicht nachvollziehbar

Dass die Möbelindustrie ihre Türen öffnen durfte, ist für Stefan Bertelwick völlig unverständlich. „Herr Laumann sprach von den vielen Mitarbeitern in der Möbelbranche, 35.000. Dabei haben wir in der Gastronomie wesentlich mehr und das interessiert einfach nicht“, sagt er.

Bottroper Gastronomen und Monika Budke (2.v.r.) vor leeren Stühlen.

Bottroper Gastronomen und Monika Budke (2.v.r.) vor leeren Stühlen © Julian Schäpertöns

Laut dem Dehoga-Bundesverband erwirtschaftet das nordrhein-westfälische Gastgewerbe mit seinen über 400.000 Beschäftigten und mehr als 10.000 Auszubildenden rund 16,5 Milliarden Euro Jahresumsatz in fast 51.000 Betriebsstätten.

Gastronomiesterben wird Generationen beeinflussen

Stefan Bertelwick gehe es nicht darum, sich die Taschen vollzumachen. Vor allem gehe es ihm um die Gehälter seiner Mitarbeiter. „Wenn das so weiter geht, kennt die nächste Generation kein traditionelles Essen wie Rindsrouladen oder Braten mehr“, fürchtet der Gastronom.

Außerdem seien seine Mitarbeiter alle „hygienegeschult“. Gerade in der Gastronomie gebe es dazu in regelmäßigen Abständen Schulungen. Er frage sich, ob es diese in Möbelhäusern wohl auch gibt.

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