Bioladen-Betreiberin: „Wir arbeiten an der Belastungsgrenze“

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Auch Bernadette Müting-Spickermann vom Bioladen an der Bottroper Straße merkt die Auswirkungen des Coronovirus‘ in ihrem Markt: Sie sagt: „Wir arbeiten an der Belastungsgrenze“:

Kirchhellen

, 21.03.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Interview berichtet die Geschäftsfrau von Hamsterkäufen und Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden.

Frau Müting-Spickermann, wie erleben Sie in diesen Tagen die Auswirkungen der Corona-Krise in ihrem Bioladen?

Auch wir haben Hamsterkäufe erlebt, aber die Kunden werden jetzt etwas ruhiger, besonders seit der Ansprache von Angela Merkel. Es ist viel zu tun momentan. Sehr viel sogar. Und unsere Hauptaufgabe ist das Heranschaffen von Waren, was zunehmend schwieriger wird.

Welche Maßnahmen haben Sie getroffen, um Ihre Mitarbeiter und Kunden zu schützen?

Wir haben eine Einbahnregelung im Laden eingeführt, damit die Kunden nicht mehr in gegengesetzter Richtung laufen. Mit Schildern und Markierungen auf dem Boden weisen wir darauf hin, dass Kunden zwei Meter Abstand halten sollen. An der Kasse werden Kunden einzeln aufgerufen. Die Kassierer arbeiten mit Handschuhen und bitten um EC-Zahlungen, auch bei kleinen Beträgen. Außerdem haben wir einen Lieferdienst für Kunden, die nicht mehr selbst einkaufen kommen wollen. Über unseren Online-Shop oder telefonisch können Waren bestellt werden und diese werden bis an die Haustür geliefert.

Halten sich Kunden an diese Regeln?

Ja, zunehmend. In den ersten Tagen war das aber oft nicht der Fall. Aber jetzt werden die Kunden verständiger. Sie sind auch trainierter, so habe ich den Eindruck.

Spickermanns Bioladen an der Bottroper Straße in Kirchhellen

Spickermanns Bioladen an der Bottroper Straße in Kirchhellen © Julian Schäpertöns

Welche Artikel werden bei Ihnen gehamstert?

Bis vor einer halben Stunde hatten wir kein Toilettenpapier mehr. Jetzt ist etwas nachgekommen. Getreide, Mehl oder Hülsenfrüchte sind super knapp. Wir geben auch nur noch haushaltsübliche Mengen raus. Das heißt, höchstens drei Päckchen je Artikel. Bei Wasser nur eine Kiste, bei Toilettenpapier nur eine Packung. Hamstern ist das eine, aber man muss auch überlegen: Durch den Wegfall der Gastronomie müssen die Menschen zu Hause wieder mehr kochen. Die jetzige Selbstversorgung macht viel aus. Das merken wir auch.

Was halten Sie von diesen Hamsterkäufen?

Gar nichts. Wenn die Menschen von Anfang an besonnen geblieben wären, könnte jeder seine normalen Einkäufe weiter machen.

Was halten Sie von der Möglichkeit, den Markt auch sonntags zu öffnen? Ist sowas angedacht oder bleibt der Markt geschlossen?

Nein, irgendwann müssen wir auch eine Pause haben. Wir merken schon, dass wir und alle Mitarbeiter angespannt sind. Wir arbeiten an der Belastungsgrenze und da muss man wenigstens einen Tag in der Woche zum Ausspannen haben. Solange das nicht nötig ist, bleiben wir sonntags geschlossen.

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