Mehr als 300 Landfrauen waren beim digitalen Kreislandfrauentag dabei. © Maria Dehling
Landfrauen

Digitaler Kreislandfrauentag mit lustigem Gast und ernstem Thema

Viele Landfrauen verfolgten beim Kreislandfrauentag am Monitor die Worte des Bergischen Jungen Willibert Pauels. Der Diakon hatte zwar die Narrennase dabei, aber das Thema war ernst.

Eine Atmosphäre, wie man sie von gemütlichen Kaffeeklatschnachmittagen kennt: Der Wohnzimmertisch bei Bärbel und Christel Nothelle in Ekel war mit Kerzen und Blumenschmuck gedeckt, die Cappuccino-Torte stand zum Anschnitt bereit.

„Im letzten Jahr waren wir bei unserem Treffen noch mit 200 Frauen in Oer-Erkenschwick zum Frühstück, das ging damals noch,“ erzählte die Kirchhellener Landfrauenvorsitzende Bärbel Nothelle. Kurz vor 15 Uhr tat sich was auf dem Monitor, immer mehr Landfrauen schalteten sich zu und freuten sich über das Wiedersehen. Auch die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, Petra Bentkämper, hatte sich aus Berlin zugeschaltet.

Bärbel (l.) und Christel Nothelle machen es sich vor dem Bildschirm mit Cappuccino-Torte gemütlich. © Maria Dehling © Maria Dehling

Dann hieß es „Monitor frei“ für den Bergischen Jung und Diakon Willibert Pauels. „Meine Schwiegermutter war auch Landfrau, mein Herz schlägt für euch!“ Spätestens jetzt hatte er die Aufmerksamkeit aller. Kurz die Narrennase aufgesetzt und dann ging es ums eigentliche Thema des Nachmittags: „Die Eiszeit der Seele“ oder wie der Diakon sagt: „Der Start in ein neues Leben“. Die Narrennase fiel jetzt wieder.

Millionen Menschen leiden an Depressionen

„Im letzten Jahr gab es mehr als fünf Millionen Menschen mit Depressionen in Deutschland, eine Volkskrankheit“, so Pauels, der selbst an Depressionen litt und nun Menschen ermuntern möchte, sich professionelle Hilfe zu holen. 2013 hatte sich Pauels in Behandlung begeben und die Klinik 2014 wieder verlassen können. „Kein Mensch trägt selbst daran Schuld, in eine Depression zu kommen“, sagte Pauels. „Ein ‚Reiß Dich zusammen‘ hilft nicht, der Weg zu einem guten Hausarzt und dann die Hilfe von guten Lehrern – das ist der richtige Weg.“

Referent Willibert Pauls berichtete von den Erfahrungen mit seiner Depression. Für alle bleiben seine ermutigenden Worte zum Handeln ein wichtiger Appell.
Referent Willibert Pauls berichtete von den Erfahrungen mit seiner Depression. Für alle bleiben seine ermutigenden Worte zum Handeln ein wichtiger Appell. © Maria Dehling © Maria Dehling

Vor allem die eigene Perspektive sei wichtig, sagte Pauels und brachte ein Beispiel: „Willi Brand und Erich Honecker sind im Gespräch. Brand: ‚Ich habe ein interessantes Hobby, sammle die Witze, die über mich gemacht werden.‘ Honecker entgegnet: ‚Ich sammle die Namen der Menschen, die Witze über mich machen.‘“ Das war verständlich. Der Bergische Jung ergänzte: „Dät ärm Dier‘ endlich verlassen können und sich so fühlen dürfen, wie ich mich nach meiner Entlassung: Ich war so glücklich wie nie zuvor.“

Zum Schluss wieder Clown

Zum Schluss schlüpfte er wieder in die Rolle des Clowns: „Euer Diakon und Büttenclown freut sich, mal wieder eine so lange Predigt halten zu dürfen. Man das hat gutgetan“, sprach Pauels und verschwand vom Monitor.

Auf den Bildschirmen kehrten die bekannten Gesichter zurück, erste Eindrücke wurden ausgetauscht: „Das macht Mut und hilft uns in bestimmten Situationen im eigenen Umfeld, den richtigen Weg zu gehen und statt mit einem ‚Reiß Dich zusammen‘ den Weg zum Hausarzt zu wählen,“ sagte Bärbel Nothelle.

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