Ehemann nach Messerattacke: „Eine herzensgute Frau“

hzLandgericht Essen

Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke will ein Mann aus Kirchhellen seine angeklagte Frau so schnell wie möglich zurück.

Kirchhellen

, 11.09.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein lebensgefährlicher Angriff, doch das scheint der 62-jähriger Mann aus Kirchhellen fast vergessen zu haben. Sieben Monate ist es her, dass seine Frau mit einem Messer auf ihn losgegangen ist. Am Mittwoch sagte er am Rande des Prozesses: „Sie ist eine herzensgute Frau.“

Es war die Nacht auf den 2. März 2019, als es in der Kirchhellener Wohnung des Ehepaars plötzlich drunter und drüber ging. Sie hatte getrunken, dann gab es Streit beim Online-Poker, ihrer Lieblingsbeschäftigung.

Lippen und Hände schon blau angelaufen

Der erste Stich ging in die Schulter, der zweite traf die linke Lunge. Als der 62-Jährige ins Krankenhaus kam, waren Lippen und Hände bereits blau angelaufen. Akute Sauerstoffunterversorgung. Not-OP. „Der Mann hatte sehr starke Luftnot“, sagte ein Arzt, der damals operiert hat. „Die Lunge auf der linken Seite war kollabiert.“

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Rechtsmediziner Dr. Andreas Freislederer sprach im Prozess vor dem Essener Schwurgericht von einer „akut lebensbedrohlichen Situation“. Bei der Einlieferung im Krankenhaus waren bereits 300 ml Blut in die Brusthöhle gesickert.

Unklar, wie die schwere Verletzung entstanden ist

Unklar ist allerdings nach wie vor, wie die schwere Verletzung entstanden ist. Die Angeklagte selbst hatte den Messerangriff zwar zugegeben, dabei aber nur von einem Stich gesprochen - und zwar von dem leichten in die Schulter. Was auch ihr Ehemann bestätigt hat. „Der zweite Stich muss passiert sein, als wir auf dem Boden gerangelt haben.“ Aus seiner Sicht sei die schwere Verletzung also völlig unabsichtlich passiert.

Er selbst hatte die tiefe Stichwunde zunächst gar nicht wahrgenommen und sich danach erstmal eine Zigarette angezündet.

„Ich habe keine Angst vor ihr"

Dass er seine Frau immer noch liebt, ist nicht zu übersehen. Er hatte sogar eine Untersuchung seiner Wunden verweigert, weil er seiner Ehefrau nicht schaden wolle. „Ob wir noch mal zusammenkommen, weiß ich nicht“, sagte er am Mittwoch am Rande des Prozesses. „Aber ich habe keine Angst vor ihr.“

Es war allerdings nicht der erste Gewaltausbruch in der rund 35-jährigen Ehe. Die Angeklagte will schon mehrfach die Scheidung eingereicht haben und ausgezogen sein. Aber dann sei man doch immer wieder zusammengekommen. Ob das noch einmal passieren wird, ist allerdings unklar. Nach ihrer Festnahme hatte die 55-Jährige auf der Wache Schlagerlieder gesungen und erklärt: „Schade, dass mein Mann nicht tot ist.“

Wie die Richter den Fall am Ende bewerten, ist noch unklar. Die Anklage lautet auf Mordversuch. Das Urteil soll nächste Woche gesprochen werden.

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