Erfolg ohne Fructose - Kirchhellener entwickelt aus der Not heraus eine Geschäftsidee

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Kristoffer Schmidt und seine Mutter verkaufen fructosefreie Produkte und haben Erfolg damit. Doch am Anfang stand ein dreijähriger Leidensweg.

Kirchhellen

, 12.09.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kristoffer Schmidts Traum ist es, dass seine Produkte einmal in den Regalen der Supermärkte stehen. An der Realisierung dieses Traums arbeiten der 21-jährige Kirchhellener und seine Mutter Vera gerade. Seit 2018 verkaufen die beiden sowie ein Schulfreund von Kristoffer fructosefreie Produkte unter dem Namen „Tom & Krissi´s“ im Internet - mit wachsendem Erfolg.

Doch am Anfang dieser Geschäftsidee stand ein dreijähriger Leidensweg. Mit 13 Jahren klagte Kristoffer Schmidt immer öfter über Magen- und Darmbeschwerden. Der Hausarzt tippte auf Stress, die Symptome blieben. Mit 16 Jahren landete der Kirchhellener schließlich beim Gastroenterologen.

Probleme mit der Verdauung von Fruchtzucker

Der machte zwei Tests und lieferte Kristoffer und seiner Mutter endlich die Diagnose: Fructosemalabsorption. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass der Körper des 21-Jährigen Probleme mit der Verdauung von Fruchtzucker hat.

„In geringen Mengen vertrage ich noch Fructose, ich muss aber sehr aufpassen“, erzählt Kristoffer Schmidt. Als Jugendlicher und bekennender Fan von allem Süßen traf ihn die Diagnose hart. „Plötzlich durfte ich kaum noch Süßigkeiten essen“, erinnert er sich an die Anfangszeit. Er und seine Mutter testeten verschiedene fructosefreie Produkte, doch „die schmeckten alle nach fast nichts“.

Mutter entwickelte eigene Rezepte

Also stellte sich Vera Schmidt selbst in die Küche, testete Rezepte, probierte, wie sich Fruchtzucker am besten ersetzen lässt, wo er weggelassen werden kann und welche Zutaten am besten zusammen schmecken. „Mittlerweile bin ich da ziemlich routiniert.“ Sie entwickelte immer mehr Produkte und bei ihrem Sohn tauchte die Frage auf: „Warum gibt es solche Produkte noch nicht auf dem Markt?“ Die Unternehmensidee war geboren.

„Am Anfang war das mehr so ein Projekt und wenig professionell. Wir hatten vorher keinen genauen Plan und haben uns Schritt für Schritt weiter ran getastet“, erzählt Mutter Vera.

Große Küche und volles Lager

In der aktuellen Produktionsstätte des jungen Unternehmens an der Horster Straße in Gladbeck stapeln sich im kleinen Lager Kartons mit Fruchtaufstrichen und große Schachteln mit Keksen. Im vorderen Bereich gibt es eine große Küche, in der sich vor allem Mutter Vera austoben kann.

Das war nicht immer so. Denn als Kristoffer, sein Schulfreund und seine Mutter das Unternehmen 2017 nach Kristoffers Abitur gründeten, hatten sie noch keine eigenen Räumlichkeiten und nutzten die Küche eines befreundeten Restaurant-Inhabers mit. „Da durften wir aber nur ein- bis zweimal die Woche kochen und dann auch nur ganz früh morgens oder ganz spät abends“, so der Kirchhellener. Seit Mai 2019 hat „Tom & Krissi’s“ jetzt seinen Sitz in Gladbeck.

Produkte können online bestellt werden

Die Produkte direkt dort kaufen kann man nur nach telefonischer Absprache. Der hauptsächliche Vertrieb läuft über einen Online-Shop. Dort haben Kunden die Wahl zwischen fünf Fruchtaufstrichen, sieben Sturzkuchen aus dem Glas, acht Kekssorten sowie zwei Schokocremes. Besonders beliebt seien der Erdbeer-Aufstrich, der Lemoncake- und der Schoko-Vanille-Kuchen sowie die American Cookie- und die Schoko-Haferflocken-Kekse, so Mutter und Sohn. Die Zutaten kommen, wenn möglich, aus der Region und sind soweit machbar aus biologischem Anbau.

Weitere Keks-, Kuchen- und Fruchtaufstrichsorten sind in Planung. Erster und entscheidender Tester neuer Produkte ist Kristoffer selbst. Auch fructosefreien Ketchup wollen die beiden bald verkaufen. „Da ich persönlich sehr gerne Gummibärchen esse, würde ich die auch gerne als Produkt aufnehmen, aber die Herstellung ist ziemlich kompliziert“, erzählt Kristoffer Schmidt.

In den Handel zu kommen, ist noch schwierig

Inzwischen beliefern er und seine Mutter nicht nur Privat-Personen, sondern auch Online-Händler. Auch Ernährungsberater würden inzwischen ihre Produkte empfehlen. In die Regale der Supermärkte zu kommen, gestalte sich momentan jedoch noch schwierig. „Da gibt es einen Monopolisten, der seit Jahren in den Märkten steht, aber nicht verkauft wird, weil er den Leuten nicht schmeckt. Daher haben die Märkte Angst, noch mehr fructosefreie Produkte ins Sortiment aufzunehmen“, erklärt Vera Schmidt das Problem.

Trotzdem bleibt das Mutter-Sohn-Gespann an der Sache dran, sitzt zum Beispiel gerade an der Beantragung einer für den Verkauf im Handel notwendigen Zertifizierung. Auch eine Aushilfe haben die beiden schon eingestellt. Denn aktuell betreiben sie ihr Unternehmen nur nebenberuflich. Kristoffer Schmidt studiert BWL in Essen und Vera Schmidt hat noch ein Gewerbe im Bereich Stoffhandel.

Traum vom erfolgreichen Unternehmen

Wenn der 21-Jährige mit dem Studium fertig ist, möchte er sich ganz dem Unternehmen widmen. „Mein Traum wäre, dann in den Regalen der Supermärkte zu stehen, vielleicht eine neue Produktionsstrecke zu haben, verbesserte Verpackungen und manche Arbeitsschritte durch Maschinen ersetzen zu können.“

Kontakt zu „Tom & Krissi’s“, Habichtweg 28 in Kirchhellen, gibt es unter Tel. (02045) 41 0713, per Mail an info@tomandkrissis.de und hier.
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