„F!“ und Freiraum schließen für einen Monat - mit welchen Folgen?

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Die Stadt Bottrop schließt ihre Jugendeinrichtungen im gesamten November. Auch das Kirchhellener „F!“ und die OT Freiraum Grafenwald ziehen mit. Doch was bedeutet das für die Kinder?

Kirchhellen

, 04.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Vereinssport, keine Treffen mit mehreren Freunden am Nachmittag - für Kinder und Jugendliche bringen die verschärften Corona-Regeln Einiges an Verzicht mit sich. Jetzt hat der Fachbereich Jugend und Schule der Stadt Bottrop auch noch beschlossen, seine offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie das Spielmobil für den gesamten November zu schließen.

Die aktuelle Landesverordnung würde eine Öffnung grundsätzlich erlauben - zumindest wenn sich nur maximal zehn Jugendliche gleichzeitig in einer Einrichtung aufhalten würden. So macht es beispielsweise das Dorstener Leo. Doch die Stadt Bottrop möchte mit der freiwilligen Schließung ein Zeichen setzen, um das Infektionsrisiko einzudämmen. Dabei hofft sie, so heißt es in einer Mitteilung, „auf die Unterstützung der privaten Träger in Bottrop“.

Diese Unterstützung erhält die Stadt beispielsweise von den Recklinghäuser Falken. Sie schließen unter anderem die neue Kirchhellener Jugendeinrichtung „F!“ ebenfalls für den gesamten November. „Wir schließen uns da dem Vorgehen der Stadt selbstverständlich an und basteln schon an Online-Angeboten für die Kinder und Jugendlichen für alle geschlossenen Einrichtungen der Falken“, erklärte Markus Klein, Geschäftsführer des Falken-Bildungswerks Bottrop, auf Anfrage der Redaktion.

Gute Familienstrukturen in Kirchhellen

Ihm ist jedoch auch klar, dass es schwierig wird, online die Kirchhellener Kinder zu erreichen. „Dafür sind wir noch zu neu und noch zu wenig eingebunden“, so Klein. In Kirchhellen sei es jedoch so, dass es noch sehr gute Familienstrukturen gebe, die die Kinder auffangen würden.

Anna Schmidt arbeitet als Sozialarbeiterin im Kirchhellener „F!“. Sie zeigte sich ob der Schließung traurig: „Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht. Unsere Arbeit lebt halt eigentlich vom direkten Kontakt.“ Nichtsdestotrotz seien die Falken digital gut aufgestellt und hätten so bereits im Frühjahr zumindest einige Kinder und Jugendliche erreichen können.

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„Unsere Einrichtungen sind auch gut untereinander vernetzt, da fühle ich mich schon insgesamt gut betreut“, so Schmidt. Mit Blick auf die vergangenen Wochen kann sie den Kindern, die ins „F!“ gekommen sind, nur ein großes Lob aussprechen. Ausnahmslos alle hätten sich ohne Murren an die neuen Regeln gehalten. „Viele Kinder wollen sehr gerne kommen. Trotzdem hat das hier durch die Vorgaben natürlich schon länger nicht mehr den Charakter der offenen Jugendarbeit“, so Schmidt.

Britta Vollnhals leitet die OT Freiraum in Grafenwald und findet es sehr schade, dass die Einrichtung im November schließen muss.

Britta Vollnhals leitet die OT Freiraum in Grafenwald und findet es sehr schade, dass die Einrichtung im November schließen muss. © Manuela Hollstegge (A)

Auch die Evangelische Kirchengemeinde Bottrop hat alle ihre Jugendeinrichtungen - darunter auch die OT Freiraum in Grafenwald - für den ganzen November geschlossen. Britta Vollnhals leitet die Einrichtung in Grafenwald. „Ich persönlich finde es sehr schade, dass die OT schließen muss und sehe einen großen Nachteil für die Kinder darin, aber die Entscheidung, zu schließen, ist aufgrund der hohen Zahlen richtig“, sagt sie.

Kinder verlieren Freizeitstruktur

Die Schließung nehme manchen Kindern eine strukturierte Freizeit und manchen auch ein „zweites Zuhause“, wo sie Probleme erzählen und Ruhe sowie Schutz erfahren könnten. „Die Gefahr, dass Kinder wieder mehr auf der Straße rumhängen, steigt“, so Vollnhals. Im Sommer hätten zehn bis 14 Kinder die OT regelmäßig - zum Teil sogar täglich - besucht.

Sie möchte versuchen, trotz der Schließung mit den Kindern in Kontakt zu bleiben - über WhatsApp, Telefonate oder auch Instagram. Auch über einen Videodreh - ähnlich wie beim ersten Lockdown - denkt sie nach, um den Kindern kreative Ideen für ihre Freizeitgestaltung mit auf den Weg zu geben.

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