Wann darf der Gasthof Berger seine Außengastronomie wieder öffnen? © Guido Bludau (A)
Coronavirus

Gastronom blickt skeptisch auf die Öffnungsszenarien aus Berlin

So sehr er für seinen Beruf und sein Unternehmen brennt: Stefan Bertelwick vom Feldhausener Gasthof Berger warnt vor übereilten Öffnungen. Er sagt: „Ein dritter Lockdown wäre tödlich.“

Gastronomie ist Emotion und Spontaneität, nichts für langfristige Planungen und komplizierte Lösungen.“ Stefan Bertelwick vom Gasthof Berger bleibt angesichts der Lockerungs-Szenarien aus der Ministerpräsidentenkonferenz tiefenentspannt. „Eigentlich habe ich es genau so erwartet“, erklärt er am Tag nach der Mammut-Sitzung in Berlin.

Stets fänden die Treffen mittwochs statt, dann folge meist am Tag danach eine Ankündigung des NRW-Ministerpräsidenten, frühestens freitags erreichten neue Verordnungen die Stadt. „Die Wirtschaftsförderung kann uns vor Montag oder Dienstag gar nicht mitteilen, was sich für uns konkret ändert“, beschreibt Bertelwick seine bisherige Lockdown-Erfahrung.

An der praktischen Durchführbarkeit gibt es Zweifel

Bisher sind auch die verkündeten Öffnungsschritte für den Feldhausener nichts als Theorie. „Die praktische Durchführung steht auf einem ganz anderen Blatt.“ Wie geht das mit den Schnelltests, die Besucher der Außengastronomie (frühestens ab 22. März) bei Inzidenzwerten über 50 nachzuweisen haben? Gelten die Grenzwerte landesweit, kreisweit, in jeder einzelnen Stadt?

Stefan Bertelwick vom Gasthof Berger bleibt angesichts der Lockerungs-Szenarien aus der Ministerpräsidentenkonferenz tiefenentspannt.
Stefan Bertelwick vom Gasthof Berger bleibt angesichts der Lockerungs-Szenarien aus der Ministerpräsidentenkonferenz tiefenentspannt. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Während vieles noch unklar ist, steht für Stefan Bertelwick eines fest: „Wenn die Gastronomie wieder eröffnet wird, dann muss sie geöffnet bleiben. Ein dritter Lockdown würde vielen von uns endgültig das Genick brechen.“ Er ist davon überzeugt, dass eine Aufnahme des Betriebs in einer stabilen Lage sinnvoller ist als zu frühes Öffnen und erneute Notbremsen. „Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir Mitte April, nach den Osterferien, wieder voll für unsere Gäste da sein dürfen.“

Gastronomie: Ein angeschlagener Boxer in der 12. Runde

Damit das gut klappt, brauche es genaue Spielregeln auf der Basis konkreter, praxisnaher Beschlüsse. Zur Praxisnähe gehöre auch die Erkenntnis, dass ein gastronomischer Betrieb nicht ständig rauf- und runtergefahren werden könne. Bertelwick: „Wir sind ja nicht allein im Lockdown. Auch die Zulieferbetriebe fahren zwangsläufig auf Sparflamme. So sehr ich für meinen Beruf und die Gastronomie brenne, aber über Nacht lässt sich eine Öffnung nicht bewerkstelligen.“

Der leidenschaftliche Koch vergleicht die Lage der Gastronomie mit der eines angeschlagenen Boxers in der 12. Runde: „Der braucht den Gong und nicht noch eine weitere Runde.“

Für die 2,4 Millionen Beschäftigten in der Gastronomie und die 4 Millionen Beschäftigten, die mittelbar von der Gastronomie abhängig sind, wünscht er sich natürlich eine möglichst schnelle Rückkehr in den Regelbetrieb. Zumindest in den des Vorjahres: „Da haben unsere Gäste ganz toll mitgemacht und klaglos alle Regeln befolgt. Das werden sie auch diesmal wieder tun, davon bin ich überzeugt.“ Bis dahin müssen sie sich mit dem Außer-Haus-Verkauf ihres Lieblingslokals begnügen.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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