„Gut Ritt!“ statt „Gut Schuss!“

Proben für's Schützenfest

Donnernde Hufe, wilde Reiter und Pferde, die einen kühlen Kopf bewahren: Die Brezelbrüder und Schützen geben in den wöchentlichen Reitstunden alles. Wie sich Männer und Tiere vorbereiten.

KIRCHHELLEN

von Christina Vennemann

, 25.07.2017, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Gut Ritt!“ statt „Gut Schuss!“

Immer schön in Zweierreihen wird der Reitunterricht realitätsnah zur Parade gestaltet.

Seit April wird genau dafür jeden Montag eine Stunde lang auf dem Hof Reßing in Hünxe trainiert. Circa 25 Brezelbrüder und Schützen werden durch ihre Reitlehrerin Bernadette Müting-Spickermann wieder sattelfest gemacht – oder fangen gerade erst mit dem Reiten an. So wie der 18-jährige Roman Schulte-Bockum. „Mein Papa ist Schützenoberst und hat mich gefragt, ob ich Adjutant werden und mitreiten möchte“, erzählt er. „Bis jetzt gefällt es mir gut und ich möchte auch bei den nächsten Schützenfesten auf dem Pferd sitzen.“ Zum ersten Mal in seinem Leben habe er im April hoch zu Ross gesessen „und dafür hat er sich in den letzten drei bis vier Wochen richtig gemacht“, findet Reitlehrerin Müting-Spickermann.

Neulinge und „alte Hasen“

Das Gleiche sagt sie auch über die anderen fünf Neulinge unter den Reitern. Aber auch „alte Hasen“ begeben sich alle drei Jahre zum Schützen- und Brezelfest aufs Pferd. Zum Beispiel Hermann Schulte-Kellinghaus, der bereits als Kind mit Müting-Spickermann reiten gelernt hat. Oder Egon Knipping, der seit 1999 zur Reiterstaffel der Brezelbrüder gehört, zuvor „kein Stück reiten konnte“ und damals in einer Bierlaune dazu gekommen ist. „Wenn man einmal Blut geleckt hat, macht es so viel Spaß“, sagt er.  Das merkt man den Jungs auch an. Im rasenden Galopp und mit wildem Gejaule, das an Apachen aus der Prärie erinnert, jagen sie über den Reitplatz – vorausgesetzt, Müting-Spickermann hat zuvor das entsprechende Kommando gegeben. Eine zertifizierte Reitlehrerin ist die Besitzerin zweier Ponys übrigens nicht: „Ich mache das auch nur alle drei Jahre, bin aber früher mal geritten. Und um die Männer für die Parade fit zu machen, reicht mein Wissen definitiv aus“, erklärt sie. Für sie als Tochter eines Adjutanten sei es das Highlight der Woche.

Viele ältere Tiere sind bei der Parade dabei

Organisiert werden die Übungsstunden vom Major Christopher Gertz und Florian Bremer. Die Zusammenkunft aus Schützen und Brezelbrüdern sei was ganz Besonderes, das komme nicht häufig vor. Seit 35 Jahren beliefert Jörg Reßing Schützenfeste und Karnevalsumzüge mit Pferden, die für solche Situationen ausgebildet sind.

„Es sind viele ältere Tiere dabei, aber es hat auch immer was mit dem Reiter zu tun, wie sich das Pferd verhält“, sagt er. Die jüngeren Pferde würden erst mal zu Hause an laute Geräusche gewöhnt, indem man zum Beispiel mit einem Trecker dicht an sie heranfährt oder mit Pauke und Becken an ihnen vorbei läuft. „Und sie gucken sich auch viel von den erfahreneren Pferden ab“, so Müting-Spickermann. 

Das Reiten schweren Herzens aufgegeben

Reßing selbst ist 24 Jahre lang mit einer vierspännigen Kutsche bei der Kirchhellener Parade mitgefahren. „Ich habe es aber diesmal schweren Herzens aufgegeben, weil ich auf die Sicherheit der vielen Brezelbrüder und Schützen achten muss.“ Stürze vom Pferd habe es auch schon gegeben, „aber es hat sich nie jemand ernsthaft was getan“, versichern die 18- bis 54-jährigen Reiter. Bis zum Schützen- und Brezelfest wird also statt unter dem Motto „Gut Schuss!“ mit einem kräftigen „Gut Ritt!“ eifrig weiter trainiert.

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