Gutachten erteilt Straßenbahn-Plänen in Bottrop eine Abfuhr

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Ein von der Stadt Bottrop in Auftrag gegebenes Gutachten bewertet die Einführung einer Straßenbahn in Bottrop eher negativ und schlägt eine Alternative vor.

Kirchhellen, Bottrop

, 01.10.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Tram „zwischen Kirchhellen und Bottrop“ hatte Günter Blocks von den Linken im Rahmen seiner Oberbürgermeister-Kandidatur erst kürzlich gefordert. Tatsächlich hat das Ingenieurbüro Spiekermann im Auftrag der Stadt jetzt ein Gutachten vorgelegt, das das Potenzial einer Straßenbahn für Bottrop prüft. Das Ergebnis ist eher ernüchternd.

Das Gutachten ist Teil der Maßnahmen des Nahverkehrsplans der Stadt. Diese erhoffte sich mit der Einführung eines modernen Straßenbahnsystems eine Möglichkeit, den ÖPNV in Bottrop nachhaltig zu verbessern. Dieser sollte somit schneller, zuverlässiger und komfortabler werden. Dadurch, so hoffte die Stadt, könnte man neue Bürger für den ÖPNV gewinnen.

Der Schwerpunkt des Gutachtens lag auf dicht besiedelten regionalen Achsen, auf denen bereits jetzt viele Busse unterwegs sind. Konkret wurden die Strecken Oberhausen - Bottrop, Essen - Bottrop und Gelsenkirchen - Bottrop unter die Lupe genommen. Es wurde jeweils eine Trasse unter den Gesichtspunkten Investitionen, Betriebsführungskosten sowie Nutzeneffekt untersucht.

Brücken und Tunnel sind „nicht realisierbar“

Für den Bereich Essen - Bottrop gibt es zwei mögliche Varianten: eine Trasse vom Bottroper ZOB bis zum Dellwiger Bahnhof (parallel zur Buslinie 186 der Ruhrbahn) sowie eine Trasse vom ZOB über die angedachte Umwelttrasse des Projektes „Freiheit Emscher“ bis zum Bahnhof Bergerborbeck. Die letztere Variante wurde jedoch verworfen, da es noch keine konkreten Planungen gibt, aus denen sich eine Fahrgastprognose ableiten ließe. Zudem, so das Gutachten, sei der Bau von notwendigen Brücken oder Tunneln nicht realisierbar. Es sei jedoch möglich, eine Straßenbahnanbindung in den weiteren Planungsschritten des Projektes „Freiheit Emscher“ erneut untersuchen zu lassen.

Zwei Varianten nach Gelsenkirchen untersucht

Im Bereich Bottrop - Gelsenkirchen wurden ebenfalls zwei Trassen untersucht: vom Bottroper ZOB über die Horster Straße bis Gelsenkirchen-Horst (parallel zur Linie 260) und vom ZOB über Gladbeck bis Gelsenkirchen-Buer (analog zur Linie SB 91). Bevorzugt wurde dort jedoch die Variante über die Horster Straße, da dort die Nachfrage höher und der Umsetzungsaufwand geringer sei.

Der Kirchhellener Klaus Giesen hat 2017 sogar ein Buch über die Geschichte der Straßenbahnen in Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen geschrieben.

Der Kirchhellener Klaus Giesen hat 2017 sogar ein Buch über die Geschichte der Straßenbahnen in Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen geschrieben. © Manuela Hollstegge (A)

Für den Bereich Oberhausen - Bottrop wurde eine Linienführung analog zur Buslinie SB 91 vom Bottroper ZOB über Osterfeld bis zum Oberhausener Hauptbahnhof begutachtet. Dieser Trasse bescheinigte das Gutachten letztendlich auch das größte Potenzial für eine Straßenbahn-Einführung. Doch selbst bei dieser Streckenführung falle, so das Gutachten, der Nutzen-/Kosten-Vergleich negativ aus. Die entstehenden Kosten würden also auch dort nicht durch einen sogenannten „volkswirtschaftlichen Mehrnutzen“ aufgefangen. Dieser wäre aber Voraussetzung für eine mögliche Förderfähigkeit.

Buslinie SB 91 soll überprüft werden

Das Gutachten weist darauf hin, dass ein alternatives Elektromobilitätskonzept mit batterieelektrischen E-Bussen unter den gleichen Voraussetzungen betriebswirtschaftlich sinnvoller wäre. Die Beschlussvorlage zu diesem Thema, die am 1. Oktober im Bau- und Verkehrsausschuss diskutiert wird, sieht eine Prüfung der Buslinie SB 91 vor. Beraten werden soll, ob die Taktung beziehungsweise die dort eingesetzten Fahrzeuge zukünftig verbessert werden können. Dazu soll es Gespräche mit der Vestischen, der StOAG sowie der Stadt Oberhausen geben.

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