Irene Overlack verabschiedet sich nach 21 Jahren als Schulleiterin der Johannesschule

hzJohannesschule Kirchhellen

Nach 21 Jahren sagt Irene Overlack „Tschüss“. Die Leiterin der Johannesschule in Kirchhellen geht in Pension. Die Herausforderungen der Zukunft hat sie dabei im Blick.

Kirchhellen

, 26.06.2019 / Lesedauer: 5 min

Hast du schon Abschiedsschmerz“, wollte neulich eine Freundin von Irene Overlack wissen. „Nein“, antwortete die Schulleiterin der Johannesschule. „Ich verlasse fröhlich und mit mir im Reinen nach 21 Jahren als Leiterin hier diese Schule“, erzählt die 64-Jährige im Interview am Montagmorgen.

Man merkt Ihnen richtig an, dass Sie sich auf die Zeit nach Ihrem letzten Schultag freuen.
Ja, das ist so. Wenn man meine eigene Schul- und Studienzeit mitrechnet, bin ich 58 Jahre zur Schule gegangen. Das reicht. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so lange arbeiten durfte und bei guter Gesundheit geblieben bin. Jetzt freue ich mich auf die freie Zeit mit meiner Familie. Ich sehe meine Schwestern viel zu selten. Das wird sich nun ändern. Außerdem werde ich Fremdsprachen lernen. Zunächst will ich mein Spanisch verbessern und dann mal sehen. Außerdem möchte ich reisen und lesen, lesen, lesen.

Aber natürlich wird mir die Schule auch fehlen. Ich bedauere, dass ich bald kein Englisch mehr unterrichten werde. Das ist ja meine große Leidenschaft und Entspannung für mich neben den vielen Stunden Verwaltung.

Sie haben Englisch und Mathe für die Sekundarstufe 1 studiert und es an der Hauptschule unterrichtet. Warum wollten Sie dann zur Grundschule?

Wollte ich ja gar nicht (lacht). Ich war 14 Jahre lang an einer Hauptschule und in diesen 14 Jahren ist das Niveau so gesunken, dass ich dort nicht mehr unterrichten wollte. Zu Beginn meiner Laufbahn haben wir dort in der Klasse 10 noch Hypothekenberechnungen gemacht und am Ende meiner Zeit dort ging, wenn man Glück hatte, noch das Einmaleins; die Mathearbeiten der Vorjahre konnte man nicht mehr benutzen. Ich weiß nicht, warum sich das so entwickelt hat. An den ausländischen Kindern lag es nicht, auch wenn das immer gern gesagt wird. Jedenfalls wollte ich dann auf die Gesamtschule wechseln. Aber es wurde Personal an Grundschulen gebraucht, also fing ich dort an. Aber der Sprung von Klasse 10 auf Klasse 1 war schon gewaltig.

Sie haben sich dann sehr schnell auf eine Konrektorenstelle beworben und auch den nächsten Schritt zur Schulleiterin nach sechs Jahren genommen. Das war ganz schön mutig.

Damals gab es hauptsächlich Männer als Schulleiter. Aber ich hatte immer Spaß an Verwaltungstätigkeiten. Meine Familie hat mich voll unterstützt und meine Freunde fanden es auch toll, dass ich den nächsten Schritt gegangen bin. Da ich keine Kinder habe, konnte ich mich voll auf den Job konzentrieren.

Hat sich die Arbeit als Schulleiterin in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Früher gab es weniger Verwaltungsaufgaben. Es gab ab und an Schulleiterkonferenzen, viel lief nebenbei. Ich habe voll unterrichtet. Das hat sich komplett gedreht. Wir Schulleiter haben immer mehr Aufgaben, von Personalmanagement über Schulentwicklung bis hin zur Budgetplanung. Dafür braucht man viel Zeit. Da kann man schon auf eine 60-Stunden-Woche kommen.

Was war die anspruchsvollste Zeit in Ihrer Laufbahn als Leiterin?

Die schwierigste Phase war mit Sicherheit die Zusammenführung der Matthias-Claudius-Schule und der Johannesschule. Die Arbeit daran begann vor sechs Jahren. Ich habe viele, nicht immer angenehme, Gespräche geführt, mit Schülern, Eltern und den Kollegien. Da war schwer was los hier in Kirchhellen. Jetzt haben wir die ersten vier Jahre rum und ich kann sagen: Wir arbeiten toll zusammen. Wir haben die gleichen Unterrichts- und Erziehungskonzepte, wir sind wirklich zu einer Schule zusammengewachsen, nicht zu einer Schule mit einem Teilstandort. Ich bin sehr froh, dass das so gut geklappt hat.

Sie sind also Ansprechpartnerin für alle Eltern, Kinder und Lehrer gleichermaßen?

Ja. Meine Tür steht offen. Ich bin kein Typ, der nur über Termine geht. Es muss auch möglich sein, dass Eltern hier mal spontan anklopfen. Und dann bin ich da. Für die Kinder natürlich sowieso.

Die Arbeit mit den Kindern – ist es dieser Teil Ihrer Arbeit, der Ihnen besonders im Gedächtnis bleiben wird?

Ich habe unheimlich gerne mit den Kindern hier gearbeitet. Wir sind ja keine Brennpunktschule. Die Kinder bringen viel von zu Hause mit. Es ist hier möglich, die Starken zu fördern, aber auch die Schwachen. Es macht sehr viel Freude, später zu sehen, was aus ihnen geworden ist.

Trotzdem müssen auch die Lehrer hier sich Herausforderungen stellen. Welche sehen Sie für die Zukunft?

Die Medienerziehung ist sicherlich ein wichtiger Punkt. Wir nehmen schon seit einigen Jahren freiwillig an der Initiative Medienpass NRW teil. Sie unterstützt Schulen bei der Vermittlung von Wissen im Umgang mit Medien. Wichtig für Medienerziehung ist auch eine gute Ausstattung, deswegen freue ich mich, dass uns für Ende des Jahres ein Satz iPads und ein Beamer für jeden Klassenraum zugesichert wurde.

Als eine Schwierigkeit für die Zukunft sehe ich die Sprachentwicklung der Kinder. Sie gucken viel aufs Handy genauso wie ihre Eltern. Das bereitet mir wirklich Sorgen. Eltern müssen für eine gute Sprachentwicklung viel mit ihren Kindern sprechen.

Am 11. Juli gibt es ein Abschiedsfest für Sie und eine Ihrer Kolleginnen, am 12. Juli ist Ihr letzter Tag. Ist Ihre Nachfolge schon geregelt?

Bis zum Ende der ersten Bewerbungsfrist hatte sich keiner gemeldet. Die zweite läuft derzeit noch. Es gibt einfach zu wenige Lehrer, die den Job des Schulleiters machen wollen. Dabei ist das ein toller Beruf, der viele Möglichkeiten bietet. Man kann eigene Ideen einbringen und gestalten. Man kann mit Kindern und Erwachsenen arbeiten, das hat man auch nicht überall. Und der Job wird adäquat bezahlt, seit wir auf A14 gestiegen sind.

Aber natürlich ist der Weg zur Schulleiterposition heute auch anders als früher. Man muss eine Schulleiterqualifizierung machen und danach Prüfungen, die eine hohe Durchfallquote haben. Als ich den Posten übernahm, war hingegen alles Learning by doing und es gab Fortbildungen, die ich besucht habe. So bin ich in diese Position hineingewachsen.

Lesen Sie jetzt