Dorfmaskottchen oder gefährliches Ärgernis - Kalle, der Pfau spaltet die Gemüter

hzKirchhellens Maskottchen

Für die einen ist er längst eine Kultfigur im Kirchhellener Dorfleben geworden, für die anderen ist er ein großes Ärgernis: Kalle, der Pfau polarisiert Kirchhellener Gemüter.

Kirchhellen

, 09.06.2019, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kalle, der Pfau von Landwirt Burkhard Sagel, hat es in den vergangenen Monaten geschafft, eine lokale Berühmtheit zu werden. Selbst eine eigene Facebookgruppe hat sich um den blauen Vogel herum gegründet.

Pfau streift durchs Dorf

Der Grund dafür sind die Streifzüge, die Kalle immer mal wieder im Dorf unternimmt. Der ein oder andere Kirchhellener konnte ihn bereits in seinem Garten begrüßen. So etwa die Initiatorin der Facebook-Gruppe „Kirchhellens Pfau Kalle“, Stina Schulzke. „Dass Kalle auf einmal bei uns im Garten stand, war das Highlight unseres Tages“ meint die 25-Jährige.

Sie ist seitdem ganz begeistert von dem Vogel und erstellte die Gruppe, um eine Plattform für andere Pfauen-Fans zu schaffen. Dass es davon einige gibt, war Stina Schulzke bereits im Vorfeld klar. Denn Kalles kleine Dorf-Eskapaden waren auch schon zuvor in den Sozialen Medien ausgiebig diskutiert worden.

Kalle spaltet die Gemüter

In den Diskussionen wurde aber auch schnell deutlich, dass längst nicht alle Kirchhellener sich über den ungebeten Besuch freuten. Kritische Stimmen wurden laut, auch solche, die Pfauen-Halter Burkhard Sagel Nachlässigkeit vorwarfen. Dieser weist jedoch jede Schuld von sich: „Der Pfau ist ein Wildtier, den kann ich nicht einfach an einem Pflock im Boden festbinden.“

Dorfmaskottchen oder gefährliches Ärgernis - Kalle, der Pfau spaltet die Gemüter

Kalle, der Pfau ist in Wirklichkeit das Pseudonym einer ganzen Pfauenbande. © Privat

Zumal es sich bei Kalle nicht nur um einen einzigen Pfau handelt. Hinter dem Namen verstecken sich nämlich an die 15 der blauen Vögel. Und fast alle gehen dieses Jahr auf Wanderschaft im Ort. Warum sie das tun? Das stellt Sagel selbst vor Rätsel: „Eigentlich gehen sie nur im Frühling und Herbst stiften. Und das auch nur in der näheren Umgebung. Warum sie dieses Jahr im ganzen Dorf unterwegs sind, weiß ich nicht.“

Bauer sucht Pfau

Die meisten benachbarten Landwirte hätten damit kein Problem. Vor allem da Burkhard Sagel bei Benachrichtigung umgehend seine ausgebüxten Pfauen abholen würde und als kleine Entschuldigung eine Flasche Wein mitbrächte. So hält er es auch bei Pfauensichtungen im Dorf.

Ängstliche Gemüter kann der Landwirt beruhigen: „Die Pfauen sind nicht aggressiv. Natürlich ist das ein sehr großer Vogel und gerade mit aufgeschlagenem Rad wirken die Männchen sehr einschüchternd, aber es sind im Grunde sehr friedliebende Tiere. Ihre Haufen sind da schon die größte Gefahr.“

Kalle auf der Autobahn

Die Situation mit den Pfauen spitzte sich jedoch zu, als einige von ihnen sich auf die A 31 verirrten. Hier hätten sie potenziell Unfälle verursachen können. Die Polizei musste ausrücken.

Doch die herbeizitierten Beamten sahen die ganze Angelegenheit auch eher gelassen. Denn zu keiner Zeit wären die Pfaue eine Gefahr für den Straßenverkehr gewesen, hieß es auf Anfrage von der Autobahnpolizei. Die Vögel hätten sich außerhalb der Fahrbahnmarkierung befunden. Autofahrer hätten nur besonders achtsam fahren müssen.

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Zudem sei Burkhard Sagel auch hier umgehend ausgerückt, um die Entflohenen nach Hause zu bugsieren. Nur die Flasche Wein behielt er diesmal für sich. Die Beamten waren schließlich im Dienst.

Pfauen bleiben frei

Der Landwirt ist für seine Pfauen nicht haftbar, bekräftigt die Polizei. Bei den Vögeln handele es sich nämlich um Wildtiere. Das habe aber nicht vor Stimmen geschützt, die nach dem Vorfall forderten, die Pfauen besser zu beaufsichtigen, berichtet Sagel. „Vor allem Tierschützer hätten gefordert, dass ich ein Gehege für die Tiere anlege oder sie abgebe“, meint er.

Dorfmaskottchen oder gefährliches Ärgernis - Kalle, der Pfau spaltet die Gemüter

Hier zeigt Kalle sein Pfauenrad. © Privat

Das seien für den Kirchhellener Landwirt aber keine Optionen gewesen. „Auf meinem Hof können alle Tiere frei laufen. Da fange ich nicht bei den Pfauen an. Meiner Meinung ist es nichts Schlimmes, wenn Tiere auch mal in den Lebensraum der Menschen eindringen und nicht immer nur umgekehrt.“

Die Pfauen bleiben deshalb auf absehbare auf dem Hof Sagel beheimatet. Wer die Kalles dort besuchen will, kann das bei einer der Hofführungen tun. Dort präsentiert auch Kalle, der Erste, stolz sein Gefieder. Der ist nämlich noch nie ausgebüxt.

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