Klassenfahrten, Praktika, Video-Konferenzen: Schulen brauchen Lösungen

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Es werde gelüftet und die Stimmung sei gut, berichten die Leiter der weiterführenden Schulen in Kirchhellen. Viele Probleme seien dennoch ungelöst. Es fehlen klare Signale aus Düsseldorf.

Kirchhellen

, 02.11.2020, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man könne die Fenster öffnen zum Lüften, die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte trügen diszipliniert ihre Masken, die Stimmung sei gut, die Pandemie dennoch „pädagogisch eine Katastrophe“, sagt Stefan Völlmert, Leiter der Kirchhellener Sekundarschule.

Guido von Saint-George vom Vestischen Gymnasium fasst es so zusammen: „Wir gehen durch diese Zeit in einer Mischung aus Gelassenheit und Achtsamkeit, sind so empathisch wie möglich, behalten aber die Gefahr im Blick.“ Die Gefahr heißt derzeit natürlich Corona, auch wenn das Virus bei einer Gremiensitzung am Vestischen dieser Tage schon gar kein Thema mehr gewesen sei, versucht der kommissarische Schulleiter ein Stück Normalität heraufzubeschwören.

Keine Info-Veranstaltungen, keine Tage der offenen Tür

Ein lange Liste von ungeklärten Detailfragen können beide Schulleiter bei aller Gelassenheit dennoch spontan „herunterbeten“. Info-Veranstaltungen für die Eltern von Viertklässlern? Verboten. Tage der offenen Tür? Abgesagt. Elternsprechtage? Schwer vorstellbar.

Guido von Saint-George ist kommissarischer Schulleiter des Vestischen Gymnasiums.

Guido von Saint-George ist kommissarischer Schulleiter des Vestischen Gymnasiums. © Foto: Hollstegge

Nur mit digitalen Angeboten werden die Schulen dem Informationsbedürfnis zukünftiger Schüler und Elternhäuser nachkommen können. Während die Sekundarschule bereits an Videos bastelt, sucht man am Vestischen noch nach den passenden Formaten.

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Die Eltern der Sekundarschüler können sich für Sprechzeiten anmelden. Stefan Völlmert: „Die Lehrkraft ruft dann zum vereinbarten Zeitpunkt an.“ In begründeten Einzelfällen seien Treffen in der Schule allerdings auch möglich, betont der Schulleiter, der froh darüber ist, dass es bisher kaum Coronafälle an seiner Schule und auch nur wenige Quarantäne-Anordnungen gegeben hat.

Homeschooling seit dem ersten Lockdown im Frühjahr

Schüler in Quarantäne oder Homeschooling wegen besonderer Risiken werden digital unterrichtet. Völlmert: „Das klappt auf der Plattform des Lern-Management-System (LMS) wirklich gut. Da sind wir im Herbst natürlich weit besser aufgestellt als im Frühjahr.“ Im Grunde habe das Kollegium nie aufgehört, die digitalen Angebote zu nutzen. Jederzeit sei die Schule jetzt kurzfristig in der Lage, aufs Homeschooling umzuschalten. Das wünsche sich allerdings niemand.

Stefan Völlmert leitet die Sekundarschule.

Stefan Völlmert leitet die Sekundarschule. © Foto: Manuela Hollstegge

Oben auf der Wunschliste der Sekundarschule stehe dagegen, dass die digitale Lernplattform endlich auch eine Videofunktion bekommt. Dann könne man sich ähnlich wie bei Microsoft Teams und anderen Anbietern endlich mal in Gruppen digital austauschen.

Was wird aus Klassenfahrten und Praktika?

Derweil drücken von Saint-George andere Probleme: die Fahrten bis Ostern. Zwar erscheine es unwahrscheinlich, dass Klassenfahrten durchgeführt werden können, aber es gebe leider keine generelle Absage durch das Ministerium, die den Schulen eine sichere Rechtsgrundlage für das Stornieren der geplanten Fahrten geben würde. „Die Schulen sind in dieser Frage bisher ganz auf sich allein gestellt“, klagt von Saint-George, „und tragen so auch gemeinsam mit den Eltern das finanzielle Risiko.“

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Ein klares Wort aus Düsseldorf werde in der Reise-Frage ebenso sehnsüchtig erwartet wie beim Thema Praktikum. „Die Schüler haben gerade große Schwierigkeiten, Praktikumsplätze zu bekommen“, berichtet er. Viele Firmen könnten sich verständlicherweise jetzt noch nicht festlegen. „Aber was mache ich, wenn die eine Hälfte des Jahrgangs einen Platz ergattert hat und die andere Hälfte nicht?“ Auch hier würde er sich eine baldige und klare Ansage des Ministeriums zur Aussetzung des Praktikums wünschen. „Das wäre ein hilfreiches Signal.“

Das Lüften sei an ihren Schulen gar kein Problem, versichern beide Schulleiter. Alle 20 Minuten würden die Fenster geöffnet. „Und wer friert, durfte sich eine Decke mitbringen.“ Davon sei auch schon Gebrauch gemacht worden.

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