Krimi um den Erhalt der Werbegemeinschaft mit überraschendem Ende

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Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten begab sich die Kirchhellener Werbegemeinschaft auf die Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Mit dem Ausgang hätte woh vorher keiner gerechnet.

Kirchhellen

, 28.01.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie aussichtslos die Situation zu sein schien, wurde bereits vor Beginn der Mitgliederversammlung der Werbegemeinschaft am Montagabend (27. Januar) im Brauhaus am Ring klar. Einen nach dem anderen sprach der noch amtierende Vorsitzende Stephan Kückelmann persönlich an, ob er sich nicht doch vorstellen könnte, seinen Posten zu übernehmen. Durchweg biss er dabei auf Granit.

Schon bereits vor zwei Jahren stand die Kirchhellener Werbegemeinschaft vor demselben Problem. Damals gab Uli Scharun seinen Rücktritt als Vorsitzender bekannt. In letzter Minute erklärte sich der Veranstalter des Feierabendmarktes Stephan Kückelmann dazu bereit, dieses Amt zu bekleiden. Doch als Nicht-Kirchhellener hatte er von Anfang an bei einigen Mitgliedern einen schweren Stand.

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Nun, zwei Jahre später, entschied sich Stephan Kückelmann, das Amt nicht mehr ausführen zu wollen. „Nicht, weil es mir nicht Spaß gemacht hat. Der Hauptgrund ist der fehlende Rückhalt von einem großen Teil der Mitglieder“, führte Kückelmann aus. Er versicherte, dass er weiter aktiv im Vorstand mitarbeiten wolle – nur eben nicht an vorderster Front.

Bereits im Dezember sollte eigentlich ein neuer Vorstand gewählt werden. Da sich an diesem Tag niemand dazu bereit erklärt hatte, sich wählen zu lassen, wurde die Entscheidung auf Ende Januar vertagt. 20 Mitglieder von 56 Mitgliedern kamen dazu ins Brauhaus. „Das ist mehr als bei unseren bisherigen Treffen. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass mehr kommen“, so Stephan Kückelmann zu Beginn.

Ein echter Kirchhellener als Aushängeschild wurde gewünscht

Schließlich begann unter den Anwesenden die Suche nach einem neuen Vorsitzenden. „Die Werbegemeinschaft ist das Sprachrohr für die Kaufleute vor Ort“, erläuterte Stephan Kückelmann nochmals die primäre Funktion des Vereins. Als schwierig empfand Kückelmann es, die unterschiedlichen Interessen aller Mitglieder zu berücksichtigen – gerade als jemand, der nicht im Dorf ein Geschäft betreibe. Darum wünschte er sich einen echten Kirchhellener als Aushängeschild.

In den vergangenen zwei Jahren habe er erlebt, dass es auf Vorschläge seinerseits kaum Rückmeldungen gab. Bei Treffen waren immer nur dieselben Mitglieder anwesend. Bei Veranstaltungen wie dem Candle-Light-Shopping beteiligten sich nur eine Handvoll Mitglieder. Auch der „First Friday“ entfachte keine Begeisterung bei den Kaufleuten. Mehrere Austritte von Mitgliedern und offene Kritik an seiner Person kamen hinzu. „Es heißt zwar Werbegemeinschaft, aber es steht keine Gemeinschaft dahinter. Und das ist traurig“, brachte Regina Timmerhaus das Problem auf den Punkt.

Fehlender Rückhalt wird als belastend empfunden

Uli Scharun pflichtete ihr bei: „Es ist zermürbend für alle.“ In den vergangenen Jahren seien die meisten irgendwie im Vorstand involviert gewesen. Doch der fehlende Rückhalt der Gemeinschaft sei frustrierend für diejenigen, die viel Herzblut in die Arbeit stecken. Dieser Belastung wollte sich am Montagabend niemand freiwillig stellen.

Und doch war die Auflösung des Vereins keine Wunschlösung. Stephan Kückelmann hatte diese bereits im Vorfeld vorbereitet, da er damit gerechnet hatte, dass sich niemand finden würde. Doch eine Abstimmung verdeutlichte: alle erschienenen Mitglieder waren für eine Fortführung der Werbegemeinschaft. „Das irritiert mich, dass tatsächlich keiner für die Auflösung des Vereins ist“, so Kückelmann.

Doppelspitze und kommissarischer Vorsitz in der Diskussion

Weitere Ideen wurden vorgeschlagen: Ob man vielleicht nicht eine Doppelspitze wie bei der SPD machen solle? Oder den alten Vorsitz ein Jahr kommissarisch weiterarbeiten lassen solle? Anderthalb Stunden wurde diskutiert und bis zuletzt kämpfte Stephan Kückelmann darum, dass er den Verein nicht auflösen muss. Schließlich unterbreitete er einen Vorschlag.

Krimi um den Erhalt der Werbegemeinschaft mit überraschendem Ende

Marita Müller (Kassiererin), Steffen Dietz (2. Vorsitzender), Sylvia Schumacher (Schriftführerin) und Stephan Kückelmann (1. Vorsitzender) bilden nach langen Diskussionen den neuen Vorstand der Werbegemeinschaft Kirchhellen. © Julian Schäpertöns

„Ich könnte mir vorstellen weiterzumachen mit einem größeren Beirat“, so der Bottroper. Der Beirat habe eigentlich eine beratene Funktion – was in den vergangenen zwei Jahren allerdings nicht der Fall gewesen sei. „Ich brauche verschiedene Meinungen und will wissen, dass die Mitglieder dahinterstehen, was ich mache“, appellierte Kückelmann. Unter der Voraussetzung, dass sich die Mitglieder mehr einbringen werden, ließ sich Stephan Kückelmann erneut zum 1. Vorsitzenden wählen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich innerhalb so kurzer Zeit meine Meinung ändere“, gab er zu. „Eigentlich freue ich mich auf die Aufgaben. Aber ich hoffe, dass sich etwas verändert.“

Hoffnung auf neuen Vorstand in zwei Jahren

Steffen Dietz erklärte sich bereit, noch einmal den 2. Vorsitz zu übernehmen. Marita Müller wurde erneut zur Kassiererin gewählt. Sylvia Schumacher ersetzt Tobias Lindemann als Schriftführer. Der Beirat wird erst nächstes Jahr gewählt. Aber moralisch verpflichtete Stephan Kückelmann jetzt schon einige Mitglieder, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen. In zwei Jahren würde sich dann hoffentlich jemand finden, der den 1. Vorsitz von ihm übernehmen möchte.

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