Landwirte wegen Corona vor der nächsten Krise: „Hoffen auf Eintreffen der Erntehelfer“

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Saisonarbeiter gehören bei vielen Bauernhöfen dazu - so wie der Trecker in der Scheune. Derzeit ist ungewiss, ob die Hilfskräfte aus den Nachbarländern überhaupt kommen werden.

Kirchhellen

, 17.03.2020, 12:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie kommen aus Rumänien, Polen, Italien und anderen umliegenden Nachbarländern. Für viele von den Saisonkräften ist die Ernte in Deutschland ein guter Job, hier verdienen sie mehr als im eigenen Land und packen deshalb ordentlich mit an. Doch kommen sie auch in diesem Jahr, um die Landwirte in Deutschland bei der Obst- und Gemüseernte zu unterstützen?

Jörg Umberg ist Landwirt in Kirchhellen und verbringt gerade viel Zeit am Telefon und am Schreibtisch, um die vielen offenen Fragen zu beantworten: „Bekommen wir die Produkte überhaupt noch verkauft, selbst wenn unsere Mitarbeiter für die Ernte anreisen? Und was passiert, wenn unsere Mitarbeiter nicht kommen, aus Angst vor dem Coronavirus?“, das sind nur zwei Fragen von Jörg Umberg an die zuständigen Behörden.

Haupteinnahmen in der Erntezeit in Gefahr

Er hat bereits von seinen Arbeitskollegen gehört, dass sie wirklich „Respekt vor der Situation“ haben und viele fürchten, dass ihnen die Haupteinnahmequelle verloren geht. Denn die Obst- und Gemüseernte ist für die Landwirte auf wenige Monate beschränkt. „Und zu den ganzen Auflagen, die wir immer wieder hinnehmen müssen, kommt jetzt noch die Sorge, dass in genau diesem Zeitraum wegen des Coronavirus unsere Mitarbeiter nicht kommen werden“, so Jörg Umberg.

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Er habe von einem Arbeitskollegen in Tirol gehört, dass die Angst vor dem Virus schon so groß ist, dass die Kunden keine Südtiroler Äpfel mehr kaufen. „Sie denken, dass sich der Virus auch über Lebensmittel verbreitet, was ja nicht stimmt“, so Umberg. Gerade jetzt sei es wichtig, regionale Betriebe zu unterstützen und die Produkte zu kaufen, die vom Bauern nebenan stammen.

Schaffen es die Erntehelfer noch über die Grenzen?

Von anderen Landwirten hat Jörg Umberg erfahren, dass einige Saisonarbeiter im Moment in Quarantäne stecken. Ob seine Arbeiter aus Rumänien die ungarische Grenze passieren konnten, bevor sie am Montagnachmittag geschlossen wurde, wusste er am Dienstag nicht. „Die Lage ändert sich derzeit stündlich.“

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Der Landwirt befürchtet, dass einige Betriebe durch die fehlenden helfenden Hände weniger ernten können und somit deutlich weniger Einnahmen haben werden. „Möglicherweise werden dann einige Betriebe endgültig aufgeben“, befürchtet Jörg Umberg. Zu den wirtschaftlichen Problemen, so berichtet er, gebe es inzwischen auch Sorgen um die Versorgungssicherheit.

Helfer wollen nach Deutschland kommen

Die Spargelernte auf Umbergs Feldern hat unterdessen am Dienstag begonnen. Saisonkräfte aus Rumänien, Polen und der Ukraine sollen dabei helfen. Sie wollten sich am Wochenende auf den Weg machen. Ob er sich darauf verlassen kann, weiß der Landwirt aber nicht. Stand jetzt ist: „Ich habe weder eine feste Zusage, dass sie kommen werden, noch eine Absage.“

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Auch Andreas Vortmann aus Dorsten hofft, dass seine langjährigen Mitarbeiter in zwei Wochen anreisen. „Nicht nur wir wünschen uns das, auch die Mitarbeiter wollen kommen. Sie wissen nur nicht, ob sie dann aus Rumänien und Polen nach Deutschland kommen dürfen und ob sie später wieder zurück nach Hause reisen dürfen“, so der Landwirt. Derzeit sind die Landwirte, die Obst und Gemüse anbauen und auf die Mitarbeit der Helfer angewiesen sind, ratlos.

Einnahmen sind bereits gesunken

Durch das Coronavirus sei Andreas Vortmann schon einiges an Einnahmen durch den zurückgegangenen Eierverkauf durch die Lappen gegangen. „Wir beliefern auch einige Gaststätten und hatten viele Vorbestellungen für Ostern. Dadurch, dass jetzt die meisten Veranstaltungen abgesagt wurden, fehlen uns die Einnahmen“, sagt Andreas Vortmann.

Spargelernte hat begonnen

Hof Umberg bietet Lieferservice ab 27. März an
  • Bei Umberg hat die Spargelernte am Dienstag begonnen. Ab Mittwoch, 18. März, können Verbraucher sich mit den weißen Stangen eindecken.
  • Ab 27. März richtet der Hof Umberg auch einen Lieferservice für alle Produkte aus seinem Hofladen ein. Geliefert wird nach Kirchhellen, ins südliche Dorf, nach Bottrop und Gladbeck.
  • Bestellungen werden telefonisch entgegengenommen unter Tel. (02045) 5103 oder (02045) 4039974.
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