„Männer, die mit Holzknüppeln auf Brezel werfen? Wirklich?“

Ein persönlicher Bericht

Unsere Volontärin Frederike Schneider verlässt nach sechs Monaten die Redaktion und zieht ein Fazit. So wirkt Kirchhellen auf eine Außenstehende.

KIRCHHELLEN

29.09.2017, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Männer, die mit Holzknüppeln auf Brezel werfen? Wirklich?“

Andere Journalisten und ich warfen auf den Brezel. Leider traf niemand von uns.

Zugegeben: Kirchhellen kannte ich vor einem halben Jahr nur wegen des Movie Parks und wegen Schloss Beck. Meine Kollegen meinten anfangs zu mir „Freddy, Kirchhellen ist super. Da wird‘s dir gefallen.“

Zuerst dachte ich, sie übertreiben, um mir Kirchhellen, das gallische Dorf, das sich wohl am liebsten von Bottrop abspalten möchte, schmackhaft zu machen. Ich zitiere: „Das Schönste an Bottrop ist der Bus nach Kirchhellen.“ Jetzt sind sechs Monate vergangen, meine Zeit in Kirchhellen ist vorbei und ich bin schlauer als vorher.

Eine Menge gelernt

Eine Menge habe ich gelernt. Zum Beispiel, dass ein Schützenkaiser kein Schützenpapst wird, wenn er wieder den Vogel runterholt. Es heißt außerdem „der“ Brezel, nicht „die“ Brezel. Und: Die Kirchhellener sind tatsächlich so freundlich, wie meine Kollegen sagen.

Bei einem meiner ersten Termine im April schrieb ich eine Geschichte über den Rübli-Kuchen von Rita Spriwald. Als ich danach wieder in die Redaktion kam, freuten sich die Kollegen. Denn: Frau Spriwald ließ mich nicht ohne Kuchen gehen.

Nicht nur Kuchen staubte ich ab. Auch Kirschen, Wein und Emmer-Brötchen wurden mir förmlich hinterhergeworfen. Und ich wollte doch eine seriöse Journalistin sein und keine Geschenke annehmen. Nicht, dass mir jemand nachsagen kann, dass ich beeinflussbar wäre. Irgendwann sah ich ein, dass eine Diskussion nichts bringt und ich sträubte mich nicht länger.

Schalke-Fans akzeptiert

Ich habe mich immer gefragt, wer die Blitzermeldung liest, die ich wöchentlich auf die Seite gestellt habe. „Das weiß doch mittlerweile jeder“, dachte ich. Naja. Jeder, der in Kirchhellen wohnt, wahrscheinlich schon. Und ich natürlich auch. Eigentlich. Trotzdem wurde ich gleich zweimal an der Münsterstraße geblitzt ...

Unvergesslich bleibt das Schützen- und Brezelfest. Meine Kollegen sprachen schon Monate vorher von dem Brezelfest und ich konnte mir einfach nichts darunter vorstellen. Männer, die mit Holzknüppeln auf Brezel werfen? Wirklich? Mein persönliches Highlight: Zusammen mit anderen Journalisten durfte ich beim richtigen Brezelfest mitwerfen. Natürlich habe ich nicht getroffen. Aber die anderen Kollegen verfehlten – zum Glück – auch das Ziel.

Am Ende meiner Kirchhellen-Zeit habe ich mich sogar damit abgefunden, dass sich die Kirchhellener eher Schalke 04 zugehörig fühlen. Und das war für mich als gebürtige Dortmunderin kein leichter Weg!

Nachfolgerin

Wirklich schade, dass ich das Runkelfest und die Bauernolympiade nicht miterlebt habe. Aber es muss ja noch etwas für meine Nachfolgerin übrig bleiben. Marie Rademacher kümmert sich ab Oktober um Kirchhellen mit seinen ulkigen Traditionen.

Lesen Sie jetzt