„Mess-Tourismus“ in Corona-Zeiten bereitet dem Pfarrer Sorgen

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Corona stellt die Kirchengemeinden vor große Herausforderungen, auch mit Blick auf Weihnachten. Pfarrer Christoph Potkowski hat einen Trend festgestellt, der ihm Sorgen bereitet.

Kirchhellen

, 13.10.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Pfarrei St. Johannes der Täufer sind die Plätze in den Kirchen rar. Die große Kirche im Dorf wird sein Monaten renoviert, die beiden „Filialkirchen“ in Grafenwald (Heilige Familie) und Feldhausen (St. Mariä Himmelfahrt) fassen deutlich weniger Menschen. Was aber passiert an Weihnachten, wenn die Messen in der Regel deutlich besser besucht sind als an anderen Tagen?

„Wir sind seit Ende August mit den Vorbereitungen beschäftigt“, bestätigte Pfarrer Christoph Potowski auf Anfrage. Das heißt übersetzt: Seit der Geistliche die Aufgabe in Kirchhellen übernommen hat, beschäftigen ihn die Festtage. Und die Frage: Wie kann die Gemeinde den Wünschen der Gläubigen gerecht werden?

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„Es wird eine Mischung von ganz unterschiedlichen Formaten geben“, versichert Christoph Potowski, „auch unter freiem Himmel“. Das hatte die Katholische Kirche ihren Pfarreien empfohlen. Wortgottesdienste, kleine Fürbitten, aber auch größere Gottesdienste sind in der Planung. Draußen lassen sich die Hygieneregeln leichter einhalten, auch wenn Pfarrer Potowski sagt: „Wir tragen in der Kirche sogar beim Verteilen der Kommunion eine Maske, das müssten wir eigentlich nicht.“

Gesungen wird in den Kirchhellener Gottesdiensten auch, „aber weniger Lieder und weniger Strophen“, so der Pfarrer. Handdesinfektionsmittel, Besucherlisten und Abstandregelungen sind obligatorisch - das hat sich eingespielt.

In den Kirchen ist nicht viel Platz

Der eingeschränkte Platz in den Kirchen ist die eigentliche Herausforderung. Die Kirche St. Johannes wird renoviert. In Grafenwald finden 45 Gläubige Platz, im Höchstfall 70, wenn Paare und Familienmitglieder zusammensitzen. In der kleinen Dorfkirche in Feldhausen sind es sogar nur 24 (50).

Deshalb geht Christoph Potowski davon aus, dass es an Heiligabend einen Livestream der Messe geben wird. Damit haben viele Gemeinden in der Region während des Lockdowns im Frühjahr gute Erfahrungen gemacht, viele anschließend ihr Online-Angebot ausgebaut.

Trotzdem bereitet dem Kirchhellener Pfarrer mit Blick auf Weihnachten ein „Mess-Tourismus“, wie er es nennt, Sorgen. „Schon jetzt sehen wir auf den Besucherlisten, dass Gläubige auch aus Bottrop und Gladbeck zu uns kommen, weil dort nicht viel läuft.“ Das könnte gerade an den Festtagen zu noch größerem Andrang führen - und zu noch mehr Enttäuschung und Unmut.

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