Veränderte Gottesdienstzeiten und Messen auf dem Spielplatz - Pastoralteam hat viel vor

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Seit neun Wochen sind Pastor Ulrich Witte und Pastoralreferentin Caroline Johnen in ihren neuen Ämtern aktiv. Seitdem haben sie schon einiges bewegt. Animateure wollen sie jedoch nicht sein.

Kirchhellen

, 21.11.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch hängen an den Wänden in der Pfarrwohnung von Pastor Ulrich Witte keine Bilder - so ganz angekommen ist der 44-Jährige anscheinend noch nicht. Vielleicht war er aber in den rund neun Wochen, seitdem er als Pastor in Kirchhellen tätig ist, einfach zu sehr beschäftigt.

Der Pastor und seine ebenfalls neu in Kirchhellen eingestellte Pastoralreferentin Caroline Johnen haben große Plänen für den Ort. Bereits jetzt haben sie die Gottesdienstzeiten in den drei Gemeinden geändert und das Projekt „Kirche vor Ort“ auf den Weg gebracht.

„Wir wollen raus zu den Leuten gehen und nicht warten, bis sie hinter unsere Mauern kommen“, sagt Caroline Johnen. Und Pastor Witte ergänzt: „Wir wollen das Gemeindeleben noch vielfältiger und lebendiger machen. Dabei sind wir die Ermöglicher und nicht die Animateure, die vortanzen. Alle sind in der Verantwortung, Kirche vor Ort zu gestalten.“

Der 44-Jährige ist als jüngster von fünf Brüdern in Coesfeld geboren und in Rosendahl-Holtwick aufgewachsen. Er ist gelernter Tischler, machte später sein Abitur nach, studierte dann Theologie und Philosophie in Münster und Trier. Sein Ausbildungspfarrer in Oldenburg war - welch Zufall - Pfarrer Bernhard Platzköster aus Kirchhellen. Zuletzt arbeitete er fünf Jahre als Militärseelsorger in Münster.

Großer Unterschied von Münster zu Kirchhellen

„Der Unterschied von meiner Arbeit dort zu hier ist enorm. Dort habe ich Soldaten, hauptsächlich jüngere Männer, begleitet, hier sind es vor allem Kinder und Senioren. In Münster war jeder Tag anders, hier ist viel Routinearbeit dabei“, erzählt Witte. Dennoch freue er sich sehr auf die Arbeit in Kirchhellen.

Dass der Verlust von Pfarrer Stücker sowie Klein-Schmeink für viele Kirchhellener schmerzlich war, ist Witte dabei bewusst. Dennoch habe man ihn und seine Pastoralreferentin mit offenen Armen empfangen. „Es herrscht eine hohe Bereitschaft, unsere Vorschläge zu Veränderungen anzunehmen. Außerdem mischt Kirche hier überall mit - das ist in anderen Gemeinden nicht so selbstverständlich“, sagt er.

„Kirchhellen hat ein sehr lebendiges Dorfleben“

Das bestätigt auch Caroline Johnen. Die 32-Jährige aus Hemer ist seit ihrer Kindheit in der Kirche aktiv. Nach einem Soziologiestudium und der Arbeit an der Fachhochschule Münster, entschied sie sich doch noch für die Ausbildung zur Pastoralreferentin. In Kirchhellen tritt sie ihre erste Stelle in diesem Job an. „Kirchhellen hat ein sehr lebendiges Dorfleben mit vielen tollen Gruppen. Es macht wirklich Spaß, mit den Menschen hier zu arbeiten“, sagt sie.

Veränderte Gottesdienstzeiten und Messen auf dem Spielplatz - Pastoralteam hat viel vor

Das Pastoralteam für Kirchhellen (v.l.): Pater Periya Madalaimuthu, Pfarrer Ulrich Witte und Pastoralreferentin Caroline Johnen. © Privat

Zu ihren Aufgaben gehören zum Beispiel der Bereich der Erstkommunion, der Kontakt zu den Grundschulen sowie die Betreuung der Kinder- und Familiengottesdienste. Außerdem ist sie Ansprechpartnerin im Bereich Prävention, leitet jedoch auch Beerdigungen und hält Predigten.

Ab Januar gibt es weniger Werktagsmessen

Als einer der ersten Amtshandlungen haben sie, Pastor Witte, Pater Periya gemeinsam mit dem Pfarreirat die Gottesdienstordnung überarbeitet. Sie tritt am 1. Januar 2020 in Kraft. „Es gab einfach zu viele Werktagsmessen, das war ein hoher Personalaufwand für zwei Pastoren“, erklärt Witte.

Mit den Gottesdiensten erreiche man vielleicht 10 Prozent der Kirchhellener, man wolle aber auch die anderen 90 Prozent seelsorgerisch betreuen, ergänzt Johnen. Durch die veränderten Gottesdienstzeiten sollen zudem Beerdigungs-, Tauf- und Hochzeitstermine flexibler gewählt werden können.

In jeder Gemeinde soll es sonntags einen Gottesdienst geben

Auch wenn Johnen sich wünscht, dass die drei Gemeinden etwas näher zusammen rücken, möchte das neue Pastoralteam signalisieren, dass ihnen alle Gemeinden wichtig sind. Daher wird es ab Januar in jeder Gemeinde am Sonntag einen Gottesdienst geben.

Eine weitere Herausforderung steht im kommenden Sommer für das Gemeindeleben an: Die St.-Johanneskirche wird renoviert. Sie bekommt nicht nur einen neuen Anstrich und eine neue Beleuchtung, sondern auch neue Leitungen und Fußböden. Zudem wird das Taufbecken verlegt und auf Wunsch von Pastor Witte einer der zwei Beichtstühle entfernt. „Die Kirche ist so ein schöner Raum, aber er muss ein bisschen aufgeräumter werden“, so Witte.

Gottesdienste sollen bei den Menschen gefeiert werden

Mehrere Monate wird der Gemeinde also keine Kirche zur Feier der Messen zur Verfügung stehen. Doch aus dieser Not soll mit dem Projekt „Kirche vor Ort“ eine Tugend gemacht werden. Das heißt, dass die Gottesdienste zu den Menschen kommen - das kann auf einem Spielplatz sein, aber auch im Movie Park.

Neu ist auch die Veranstaltung „Licht&Leben“, die am 29. (19.30 Uhr) und 30. November (18.30 Uhr) Gospelmusik von Schulchor und -band des Vestischen Gymnasiums sowie besinnliche Texte in die Johanneskirche bringt. Solche anderen Gottesdienstformen liegen Pastor Witte sehr am Herzen: „Es gibt dafür hier sehr viel Potenzial. Wir möchten zum Beispiel noch mehr für Jugendliche und junge Erwachsene machen.“

„Es darf und sollte auch gelacht werden in der Kirche“

Dabei ist ihm ein strenger Ablauf der Liturgie nicht so wichtig. Er setzt auf eine gewisse Lockerheit. „Wir feiern eine Messe, von der Feier darf auch ruhig etwas rüber kommen. Es darf und sollte auch gelacht werden in der Kirche“, sagt der 44-Jährige.

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