DZ-Redakteurin Petra Berkenbusch an der Einfahrt zum Bottroper Impfzentrum am Südring, das einst als Indoor-Golfarena gedient hat. © Petra Berkenbusch
Coronavirus

Redakteurin im Selbstversuch: Meine Corona-Impfung mit Astrazeneca

Auf einmal war das Impfangebot da. Astrazeneca. Plötzlich und unerwartet konnten sich doch schon die 60-Jährigen impfen lassen. Redakteurin Petra Berkenbusch hat es getan. Und nicht bereut.

Weil der Impfstoff von Astrazeneca vorerst nicht mehr an junge Menschen verimpft wird, eröffnete sich über 60-Jährigen plötzlich kurz vor Ostern die Chance, viel früher als erwartet einen Impftermin zu ergattern – sofern man die Hürde der Terminbuchung überwinden konnte. 3700 zusätzliche Termine kamen so in Bottrop auf den Impf-Markt.

Ich habe mit etwas Glück und viel Geduld zwei davon ergattert, und schon am Dienstag nach Ostern traten mein Mann (65) und ich (63) als Impflinge an. Um 18.30 Uhr sollten wir am Bottroper Impfzentrum, einer schicken, ehemaligen Indoor-Golf-Anlage, unsere erste Impfdosis bekommen. Mit Impfpässen, Krankenkassen-Karten und vielen bereits ausgefüllten Formularen im Gepäck erledigten wir den vermeintlich risikoreichsten Teil des Impftermins im dichten Schneetreiben: die Fahrt zum Impfzentrum.

Taschenkontrolle wie an Fußballstadion oder Konzerthalle

Fieber messen, Taschenkontrolle („Wir wollen ja keinen Anschlag riskieren“) und Handdesinfektion wurden bereits in einem Zelt vor dem Hauptgebäude von gut gelauntem Sicherheitspersonal erledigt. „Machen Sie’s gut!“ Ab in die Warteschlangen, an denen man die derzeitige Impfpriorisierung ablesen konnte. Rechts die Astrazeneca-Jungsenioren. Links das von Berufs wegen impfberechtigte „junge Gemüse“ für Biontech in einer Reihe mit den Menschen über 80, die teilweise schon lange auf ihren Impftermin gewartet haben.

Zwei Schalter für Astrazeneca, einer für Biontech: Mitarbeiterinnen kontrollieren Identität, Impfberechtigung, Terminvergabe und werfen einen ersten Blick über die ausgefüllten Formulare. Hier fehlt noch eine Unterschrift, dort ein Kreuzchen, auf irgendeinem Zettel Name und Anschrift. Dann die Freigabe: „Alles Gute und viel Spaß!“

Beim Schriftkram helfen freundliche, aufmerksame Mitarbeiter

Im Wartebereich ist gerade im Astrazeneca-Abteil kein frisch desinfizierter Tisch frei. Aber freundliche Mitarbeiter, die die Impflinge in Empfang nehmen und den Putzdienst dirigieren, damit niemand zu lange auf seinen Warteplatz warten muss. Wir dürfen bald schon sitzen, in gebührender Entfernung von anderen Impflingen, von denen manche heute hier zum ersten Mal auf die Formulare gucken. Ein fragender Blick reicht, schon naht Hilfe: „Kommen Sie zurecht?“ Der Mann am Nebentisch hat sich offenbar auf eine längere Wartezeit eingerichtet, er hat ein dickes Buch dabei. Vielleicht ein Seuchenthriller? Auch unsere Formulare werden noch einmal auf vollständige Angaben geprüft.

Impfpass Astrazenica
Der Impfpass belegt den Empfang der ersten Dosis. Am 23. Juni gibt es die zweite Spritze. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Am Eingang zur Impfstraße geben Bundeswehrsoldaten das Signal, wie viele Menschen pro Impfstoff-Sorte weitergeschickt werden können. Nach 20 Minuten schickt einer der Ordner uns weiter: „Bleiben Sie gesund! Alles Gute für Sie!“

Einer der Soldaten im Tarnanzug checkt unsere Unterlagen. Doppelt gemoppelt ist hier echt untertrieben. Nach einer kurzen Sitzpause dürfen wir schon weiterrücken. Wir kommen der Impfung immer näher. Aber halt, der Soldat hat noch was: „Einen schönen Abend noch!“

Der Impfarzt beantwortet geduldig offene Fragen

Fast am Ziel. Nach einem kleinen Smalltalk mit dem Leiter des Impfzentrums ruft der Impfarzt uns zu sich in die Kabine. Während er unsere Unterlagen einer vierten Kontrolle unterzieht, dürfen wir jene Fragen stellen, die das Kleingedruckte uns noch nicht beantwortet hat. Dann füllt er unsere Impfpässe aus und gibt den Startschuss für den Piks. Der ist gleichermaßen kurz wie unspektakulär. Kleines Pflaster auf die Einstichstelle am Oberarm, und schon geht’s weiter. Nicht ohne gute Wünsche für die Gesundheit und den Rest des Abends.

Ein kleiner Piks in den Oberarm, das war‘s schon. © Trinkwald, Vanessa © Trinkwald, Vanessa

Die 15-minütige Beobachtungszeit nach der Impfung verkürzen uns Sanitäter, die sich mehrfach nach unserem Befinden erkundigen und ebenso wie ihre Kollegen vom Empfang trotz des großen Andrangs ohne Hektik und gut gelaunt durch den Impfprozess führen, einmal sogar im Chor ein kleines Liedchen trällern. Als unsere völlig symptomfreie Viertelstunde rum ist, schmettern sie uns prompt ein fröhliches „Alles Gute!“ hinterher. Man hatte es auch schon nicht mehr anders erwartet.

Am Check-Out-Schalter werden alle Unterlagen noch einmal kopiert, die Krankenkassen-Karte eingelesen. Dann noch einmal die Hände unter den Desinfektionsmittelspender halten und ab nach Hause. Natürlich: „Alles Gute weiterhin!“

Nebenwirkungen bleiben bei beiden Impflingen aus

„Merkst Du irgendwas?“ „Nein, Du?“ „Auch nicht.“ Der Abend verläuft entspannt, keine Impfreaktion in Sicht. Es bleibt so, auch in der Nacht. Ich kann nicht einmal mit einem schmerzenden Arm oder einem blauen Flecken an der Einstichstelle aufwarten. Glück gehabt. Andere aus der Ü60-Party im Golfhouse mussten sich mit leichten Grippesymptomen ein paar Stündchen aufs Ohr legen, haben wir aus diversen WhatsApp-Chats erfahren. Hier und da wurde über ein bisschen Kopfweh geklagt.

Am 23. Juni werden wir uns alle im Impfzentrum wiedersehen für die zweite Dosis. Ich werde bis dahin alle guten Wünsche vom Dienstagabend beherzigen und es so gut machen, wie ich kann. Mögliche Impfkomplikationen behalten wir ohne Hysterie im Blick. Dagegen bereiten mir die Risiken und Nebenwirkungen der Corona-Politik deutlich mehr Kopfzerbrechen. Machen Sie‘s gut, trotz allem!

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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