Schaf Klärchen ist tot - war es der Wolf?

hzWolf

Flaschenaufzucht Klärchen lag am Mittwochmorgen tot auf einer Weide an der Straße „Alter Postweg“. Für Halter Matthias Dierichs ist klar, dass das Tier von einem Wolf gerissen wurde.

Kirchhellen

, 04.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Matthias Dierichs am Mittwochmorgen gegen 6 Uhr zu seiner morgendlichen Hunderunde aufbrach, lebte Schaf Klärchen schon nicht mehr. Als Dierichs an der an sein Wohnhaus angrenzenden Wiese an der Straße „Alter Postweg“ vorbei kam, merkte er gleich, dass etwas nicht stimmte.

Ein Sprung über den Weidezaun brachte dann die traurige Gewissheit – Schaf Klärchen lag tot auf der Wiese. Zwei Jahre ist das Tier geworden, das Dierichs mit der Flasche groß gezogen hat. Für den Kirchhellener war eines sofort klar: „Wenn das kein Wolf war, dann weiß ich auch nicht mehr“, sagt er wenig später am Mittwochmorgen.

Er informierte Christiane Rittmann. Die Gahlenerin wohnt nur fünf Autominuten von Dierichs Haus entfernt, ist selber Schafhalterin und hatte schon öfter mit dem Wolf zu tun. Sie gab ihm sofort die Notfallnummer des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), das im Anschluss an das Gespräch einen Wolfsberater nach Kirchhellen schickte. „Ich bin danach selber sofort zu Matthias gefahren, um seelischen Beistand zu leisten“, erzählt Rittmann.

„Die Tiere waren ziemlich vestört.“

Inzwischen hatte Matthias Dierichs die auf der Wiese verbliebenen und offenkundig nicht verletzten sieben Schafe in einem anderen Bereich der Weide untergebracht. „Die Tiere waren ziemlich verstört“, erzählt der Kirchhellener, während er neben seinem toten Tier steht und auf den Wolfsberater wartet.

Wenig später stößt Peter Sprenger dazu. Er ist einer von vier Wolfsberatern im Umkreis und hauptberuflich Förster. Eine Stunde Fahrt hat er auf sich genommen, um den Kirchhellener Fall zu betreuen.

Schaf Klärchen ist tot - war es der Wolf?

Wolfsberater Peter Sprenger (l.) erklärte Schafhalter Matthias Dierichs (r.), welche Angaben er zu seinem toten Tier sowie der Haltung machen muss. © Manuela Hollstegge

„Ich werde jetzt zunächst mit der Fotodokumentation starten, also gucken, wie das Tier liegt, wie die Zäune sind, ob es Hinweise darüber gibt, wo der Wolf auf die Wiese gekommen sein könnte“, erklärt Sprenger. Im Anschluss werde er das Tier und die vorhandenen Fraß- und Bissspuren untersuchen. „Dort werden dann Proben genommen. Die gehen an das LANUV beziehungsweise ans Senckenberg-Forschungsinstitut“, so Sprenger.

Tote Tiere sollten nicht angefasst werden

In einigen Wochen wird man dann hoffentlich nicht nur Gewissheit darüber haben, ob Klärchen tatsächlich von einem Wolf gerissen wurde, sondern auch darüber, ob Wölfin Gloria von Wesel dort ihr Unwesen getrieben hat. Wobei Sprenger den Namen nicht so gerne hört: „Das ist ein Wildtier, das braucht keinen Namen.“

Anderen Betroffenen rät der Wolfsberater, nach dem Fund toter Tiere nicht zu nah an sie ran zu gehen, sie nicht anzufassen und auch Hunde fernzuhalten. „Ansonsten könnten die Proben verfälscht werden“, so Sprenger.

Matthias Dierichs gibt er außerdem den Rat mit auf den Weg, die restlichen Schafe zumindest für die nächste Nacht in einem Stall oder Unterstand einzusperren. Glücklich ist der Kirchhellener damit zwar nicht, sicherheitshalber will er den Rat jedoch befolgen. „Gut schlafen werde ich die nächsten Nächte wohl nicht“, sagt er.

  • Informationen zu aktuellen Fällen und Wolfsnachweisen gibt es hier.
  • Betroffene Tierhalter können - sofern ein Wolfsnachweis erfolgt ist - eine Entschädigung für die gerissenen Tiere sowie eventuell angefallene Tierarztkosten erhalten.
  • Die Halter von Schafen, Ziegen und Gehegewild im Wolfsgebiet können außerdem Förderanträge zum Herdenschutz über die Förderrichtlinien Wolf des Umweltministeriums stellen.
Lesen Sie jetzt