Steuern und Betrug: Thai-Masseurin aus Kirchhellen muss ins Gefängnis

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Sie betrieb Massagesalons in Kirchhellen, zahlte aber kaum Steuern. Auch die Rentenkassen wurden betrogen. Jetzt ist eine 51-jährige Thailänderin verurteilt worden. Aber es bleiben Fragen.

Kirchhellen

, 08.04.2019, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie kam aus einem kleinen Dorf in Thailand und stieg in Kirchhellen zur Geschäftsfrau auf. Doch nun ist der Traum von der Selbstständigkeit endgültig vorbei. Das Essener Landgericht hat eine 51-jährige Thailänderin am Montag zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Vor Gericht ging es um Steuerhinterziehung und Sozialbetrug. Der Gesamtschaden für das Finanzamt und die Rentenkassen soll sich auf knapp 400.000 Euro belaufen. Die Angeklagte hatte ab 2009 in Kirchhellen Massagestudios betrieben – erst eins, dann zwei, dann wieder eins. Einen Großteil des Gewinns schickte sie in die Heimat. Im Prozess war von rund 100.000 Euro die Rede. „Obwohl beim Finanzamt Verluste angemeldet wurden, war sie in der Lage, erhebliche Beträge nach Thailand zu transferieren“, sagte Richter Edgar Loch beim Urteil.

Verteidiger: „Sie war nur eine Marionette."

„Ich gebe zu, dass ich etwas falsch gemacht habe“, hatte die 51-Jährige kurz zuvor unter Tränen erklärt. Was genau, konnte sie den Richtern allerdings nicht sagen.

Was nach Aussage ihres Verteidigers Bernd Kachur auch kein Wunder ist. „Sie war nur eine Marionette - von Leuten, die hinter ihr arbeiten.“ Deshalb könne sie auch nicht viel erzählen. „Sie hat doch gar nicht geblickt, was überhaupt passiert ist.“

Seltsam sei schon die Geschäftseröffnung in Kirchhellen. Die Angeklagte ist nach eigenen Angaben in Thailand nur sechs Jahre zu einer Art Dorfschule gegangen. Ihren deutschen Ehemann hatte sie kennengelernt, als der in ihrer Heimat Urlaub machte. Das Paar (zwei erwachsene Kinder) zog nach Baden-Württemberg.

Festnahme am Frankfurter Flughafen

Warum sie dann ausgerechnet im Ruhrgebiet ihre Massagestudios betrieben hat, ist im Prozess unklar geblieben. „Die Angeklagte war sicherlich nicht die Initiatorin des ganzen Unternehmens“, befand auch Richter Loch. Aber sie sei am Ende natürlich verantwortlich gewesen.

Als die Steuerfahndung auf die 51-Jährige aufmerksam geworden ist, war sie kurzerhand nach Thailand geflogen. Angeblich, weil ihre Mutter erkrankt war. Bei ihrer Rückkehr im November 2018 wurde sie dann auf dem Flughafen Frankfurt sofort festgenommen. Ihr Mann – angeblich ein Reichsbürger – hat sie offenbar fallengelassen und seinen Wohnsitz ohne ihr Wissen nach Liechtenstein verlegt. Laut Verteidiger hat er ihr diese Sätze ins Gefängnis geschrieben: „Ich kann dir nicht helfen. Bleib‘ im Knast.“

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