Traditionsgaststätte „Zum Weissen Igel“ wird nach 135 Jahren abgerissen

Gastronomie

Die letzten Tage im Restaurant „Zum Weissen Igel“ sind gezählt. In zwei Wochen schließt Inhaber Ivan Zahirovic den Betrieb. Im nächsten Jahr soll das Gebäude abgerissen werden.

Kirchhellen

, 15.08.2018, 15:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Restaurant "Zum Weissen Igel" wird geschlossen und abgerissen.

Das Restaurant "Zum Weissen Igel" wird geschlossen und abgerissen. © Alina Meyer

Die letzten Tage im „Igel“, wie das Restaurant „Zum Weissen Igel“ in Kirchhellen oft genannt wird, sind gezählt. Am 2. September (Sonntag) schließt Inhaber Ivan Zahirovic den Betrieb. Im nächsten Jahr soll das Gebäude abgerissen werden.

Pächter Hermann Igelbüscher ist traurig. „Mit der Schließung geht hier in Kirchhellen eine Ära zu Ende. Erst das Dickmann-Keßler-Haus und jetzt wir.“ Stolze 135 Jahre gab es in Holthausen das Restaurant an der Utschlagstraße 55.

Die Bergschäden waren zuletzt zu massiv

Bei Begutachtungen des Restaurants wurden immer wieder Bergschäden festgestellt. „Das kennt man hier in Kirchhellen ja fast nicht anders. Doch zuletzt waren die Bergschäden so massiv, dass auch eine Sanierung nichts mehr genutzt hätte“, sagt Igelbüscher.

Rund 30 Kegelclubs müssen sich bald eine neue Kegelbahn suchen.

Rund 30 Kegelclubs müssen sich bald eine neue Kegelbahn suchen. © Alina Meyer

Ivan Zahirovic leitet den Betrieb seit dreieinhalb Jahren. Vom drohenden Abriss und der Schließung des Igels hat er erst vor Kurzem erfahren. Der Inhaber entschied sich schnell: „Ich werde den Betrieb in zweieinhalb Wochen schon schließen.“

Nicht klar, wie es weitergeht

Wie es danach weiter geht, weiß der Inhaber noch nicht. „Das muss ich mir noch überlegen. Ich denke aber nicht, dass ich mich sofort nach einer neuen Gaststätte umsehen werde.“

Wann genau die Gaststätte abgerissen werden soll, steht noch nicht fest - in diesem Jahr soll laut Igelbüscher jedenfalls noch nichts passieren. „Die Verhandlungen über den Wert der Gaststätte und die Entschädigung durch die RAG laufen gerade. Es gibt aber noch keine konkreten Ansagen“, so der Pächter.

So sah die alte Gaststätte im Jahr 1912 aus.

So sah die alte Gaststätte im Jahr 1912 aus. © Alina Meyer/Privat

Das Restaurant wurde 1959 von Hermann Igelbüschers Vater Wilhelm Igelbüscher gebaut. Der Pächter holt die Fotografie einer alten Postkarte von 1912 hervor. „Zuvor stand hier eine alte Gaststätte, die mein Urgroßvater Heinrich Igelbüscher um 1883 herum gebaut hat und später von meinem Großvater Wilhelm Igelbüscher übernommen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Gaststätte aber durch einen Bombenangriff zerstört.“

Von 1960 bis 1990 leiteten Vater und Sohn den „Igel“ gemeinsam. Dann wurde das Restaurant verpachtet und Hermann Igelbüscher arbeitete bei der Bundesbahn weiter.

Der Name der Gaststätte entstand nach einem Vorfall mit einem Igel

„Der Name ‚Zum Weissen Igel‘ hat nicht nur mit unserem Nachnamen zu tun. Im Grunde entstand er nach einer Begebenheit mit einem Igel“, sagt der Pächter. „Wir haben in einer Kalkwanne damals weißen Kalk gelöscht, in diese Kalkwanne ist dann wohl ein Igel reingeklettert, denn der kam dann ganz weiß wieder raus. Daher der Name.“

Nicht nur Hermann Igelbüscher verbindet viele Erinnerungen mit der alten Gaststätte. Auch die rund 30 Kegelclubs macht die Nachricht von der Schließung betroffen. „Werden uns dann wohl eine neue Kegelbahn suchen müssen“, schreibt Hans Spitzenberger in der Facebook-Gruppe „Wir sind Kirchhellen“. „... Und wir uns ein neues Lokal. Ist wirklich schade. Wir haben sehr gerne dort gegessen und waren ziemlich oft dort“, schreibt Corina Große.

„Das wird sich alles noch lange hinziehen“, prophezeit Igelbüscher

Auch der Pächter selbst weiß noch nicht, wie es weitergeht. „Ich wohne ja oben direkt über der Gaststätte. Irgendwann muss ich also auch raus.“ Doch noch ist es nicht so weit. „Das wird sich alles noch lange hinziehen“, prophezeit Igelbüscher.

Pächter und Inhaber wollen sich von allen Stammgästen und Kegelclubs verabschieden, und zwar beim Sparclubfest am 31. August (Freitag) ab 18 Uhr.
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