Vortrag im Hof Jünger: „Der Wolf ist eigentlich ein Angsthase“

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Der Wolf ist zurück in unserer Gegend. „Gloria von Wesel“ sorgt seit Frühjahr 2018 für Unruhe. Der Informationsbedarf ist riesig, wie der Vortragsabend im Hof Jünger zeigte.

von Maria Dehling

Kirchhellen

, 28.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit mehr als 150 Jahren war der Wolf in Deutschland ausgerottet. Seit Frühjahr 2018 sorgt Wölfin Gloria bei uns für Unruhe. Ein emotionales Thema, zu dem am Donnerstagabend der NABU Bottrop und das Kulturzentrum Hof Jünger eingeladen hatten. Der Informationsbedarf bei Schäfern, Landwirten, Pädagogen und Bürgern ist groß.

Emotional aufgeladene Wolfsdebatte

Hermann Reinbold, Vorsitzender des Bürgervereins Hof Jünger, gab direkt zu verstehen, dass er nicht der Leitwolf sei. Diese Rolle übernahm Stefan Voßschmidt als Vorsitzender des NABU Bottrop. Der stellvertretende NABU-Landesvorsitzende Christian Chawallek machte deutlich, dass man faktenbasierte Informationen geben wolle, er aber eine kontroverse Debatte erwarte.

Die studierte Biologin Katharina Stenglein entwickelte die Ausstellung und informierte mit viel Basiswissen.

Die studierte Biologin Katharina Stenglein entwickelte die Ausstellung und informierte mit viel Basiswissen. © Sarah Bälke (NABU)

Die Wolfsexpertin Katharina Stenglein freute sich über die vielen Schäfer. Sie berichtete über Rudelstrukturen, Wolfsvorkommen, Erkenntnisse in der Forschung und den Problemen bei der Entschädigung. So steht einem Weidehalter über drei Jahre eine Unterstützung durch die EU von 20.000 Euro zu. Für gerissene Tiere, neue Zäune, Herdenschutzhunde etc.. Darüber hinaus gehende Schäden und der Aufwand werden nicht berücksichtigt. Hierfür wird derzeit gekämpft.

Sein Leben den Wölfen gewidmet

Eckhard Schwedhelm hat seit 40 Jahren sein Leben den Wölfen gewidmet. Er berichtete von Erfahrungen in Brandenburg, dem Bundesland mit den meisten freilebenden Wölfen. „Der Wolf ist eigentlich ein Angsthase, bei lauten Rufen zieht er sich zurück. Sein Beuteschema lautet:Jagen, töten, fressen. Ist die Jagd nicht direkt erfolgreich, tötet er weiter. Das ist leider das bekannte Blutbad.“ Schwedhelms Wunsch ist es jetzt, die andere Seite beim Praktikum bei einem Schäfer kennenzulernen.

Fakten zum Isegrim

  • Ein Wolfsterritorium umfasst 250 Quadratkilometer.
  • Drei Wolfsangeln tragen auch das Bottroper Stadtwappen und das alte Wappen aus Kirchhellen. Sie geben einen Hinweis zum Wolf aus vergangenen Zeiten in unserer Region. Die Wolfsangel ist ein Jagdgerät, das früher zum Fang von Wölfen eingesetzt wurde.
  • Der Geruchssinn des Wolfes reicht bis zu sechs Kilometer.
  • Deutschland weit gibt es drei Anpaarungen von Wolf und Hund. Sie haben bis zu vier Generationen einen Schutzstatus.
  • Wölfin Gloria ist erstmalig im Frühjahr 2018 gesichtet worden, am 1.10.2018 wurde das Wolfsgebiet offiziell ausgewiesen.
  • Gloria ist genetisch erfasst, aber nicht besendert.

Von einer für fast alle Anwesenden völlig unbekannten Initiative berichtete Steffi Sakkowitz von Wikiwolves NRW. Bundesweit zählen sie auf 330 Freiwillige, die Leidtragenden, wie Schäfer, beim Zaunbau, Kontrollgängen etc. tatkräftig unter die Arme greifen. Aus der Praxis kommend wies sie mit zwei mitgebrachten Zäunen auf Fehlentwicklungen in der Produktion hin. Schäfer Martin Tiemann aus Uedem kannte das Problem: Ob Zaunhöhen oder Erdverankerungen, da gebe es noch viel zu tun.

Immer noch zu wenig Erfahrung

„Wir haben immer noch zu wenig Erfahrung, lernen ständig dazu. Wir brauchen einfach den Dialog, ob mit Tierhaltern oder Zaunherstellern. Unsere Ausstellung kann nur ein Weg dorthin sein.“ Das Schlusswort von Stefan Voßschmidt machte deutlich, dass es noch vieler solcher Abende bedarf. Dass es weitere wichtige Erkenntnisse aus dem Leben mit dem Isegrim und auch aus dem Leben und der Arbeit von Weidehaltern und betroffenen Bürgern geben muss.

Die NABU-Wanderausstellung im Hof Jünger zeigt bis zum 15. März imposante Bilder, fotografiert von der Kirchhellener Fotografin und Künstlerin Susanne Pior, und Exponate des NABU. Sie gibt Infos zum Verhalten freilebender Wölfe und informiert zu aktuellen Ergebnissen aus der Freilandforschung. Interaktive Elemente regen dazu an, sich mit dem Leben des Isegrims in anschaulicher Weise auseinanderzusetzen.
  • Am 8. März (Sonntag) ist von 11 bis 18 Uhr ein Kinderprogramm vorgesehen.
  • Der Eintritt von 5 Euro dient dazu, die Arbeit des gemeinnützigen Vereins Hof Jünger zu unterstützen.
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