Wollen einkommensschwache Familien nicht nach Kirchhellen ziehen?

hzSozialer Wohnungsbau

Es gibt keinen Bedarf, sagt die Stadt. „In Kirchhellen müssen endlich wieder Sozialwohnungen gebaut werden“, widerspricht die SPD und kündigt einen politischen Vorstoß an.

Kirchhellen

, 23.08.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Kirchhellen wird viel gebaut. Allein von 2011 bis 2017 sind nach Auskunft der Stadt 415 Gebäude mit 875 Wohneinheiten neu errichtet worden. Sozialwohnungen sind allerdings nur wenige dabei. Der Bedarf sei gedeckt, erklärt Thorsten Albrecht von der Pressestelle der Stadt Bottrop. Mehr als die 450 bis 500 Sozialwohnungen, die es in Kirchhellen bereits gebe, würden nicht gebraucht.

Den Bedarf kalkuliert die Stadt anhand der tatsächlichen Nachfrage beim Amt.

Wer finanziell nicht gut aufgestellt ist, wohnt lieber woanders?

Und die Berechtigten zeigten kein großes Interesse an Wohnungen in Kirchhellen.

Wer finanziell nicht auf Rosen gebettet sei und sich vielleicht kein Auto und schon gar keinen Zweitwagen leisten könne, lebe deshalb möglicherweise lieber nah an gut erreichbaren Versorgungszentren. Deshalb liege der Schwerpunkt des Sozialwohnungsbau eher in Alt-Bottrop.

Weil für Kirchhellen kaum Bedarf angemeldet werde und weil auch bauwillige Investoren für dieses Segment fehlten, sei eine Vergabe von Fördermitteln für Sozialwohnungen in Kirchhellen gar nicht möglich. 2017 haben der Stadt 2,7 Millionen Euro Landesmittel für den Sozialen Wohnungsbau zugestanden, 2,9 Millionen Euro im Jahr 2018. Verschwindend wenig davon ist nach Kirchhellen geflossen.

Die SPD will keinen Stadtteil, in dem nur gut Betuchte leben

Der Kirchhellener SPD gefällt das gar nicht. Bei den Sozialdemokraten wächst die Befürchtung, dass Kirchhellen mehr und mehr eine Wohnadresse für gut Betuchte wird. Schon nach den Haushaltsplan-Beratungen 2017 sagte Willi Stratmann, Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion: „In Kirchhellen ist in den letzten Jahren genug getan worden für mittlere und gute Einkommen. Jetzt sind die unteren Einkommen dran.“

Von dieser Forderung rückt er auch 2019 nicht ab. „Wir sehen doch“, beschreibt er seine Alltagserfahrung, „dass junge Familien aus Kirchhellen abwandern, weil sie sich die Baukosten oder die Mieten hier nicht leisten können.“ Für Normalverdiener sei das Wohnen in Kirchhellen kaum mehr bezahlbar. Deshalb erlebe der Stadtteil eine eher atpyische Entwicklung: „Junge Familien ziehen weg, ältere Paare oder gut betuchte Familien kommen nach. Das ist auch sozialpolitisch nicht gesund. Jeder muss eine Chance haben, hier zu leben.“

Hohe Immobilienpreise sind für Normal- und Alleinverdiener nicht zu stemmen

Die hohen Immobilienpreise, davon ist Stratmann überzeugt, befördern diese Entwicklung. Die allerdings auch positive Effekte habe, wie er einräumt: „Mit leerstehenden Ladenlokalen oder Billigläden haben wir in Kirchhellen kein Problem.“ Dennoch will die SPD jungen Familien den Weg ins Dorf ebnen und schon bald eine politische Debatte über Sozialwohnungen und bezahlbaren freien Wohnraum anstoßen.

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