Wöller Bürgerinitiative erhält Unterstützung, aber auch Gegenwind

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Die Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald“ hat bereits mehr als 500 Unterschriften gegen eine Wohnbebauung im Norden gesammelt. Bezirksbürgermeister Schnieder ist bereit für Gespräche.

Grafenwald

, 16.10.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

510 Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald“ bis jetzt (14. Oktober) gesammelt. In wenigen Tagen endet die Online-Petition, mit der Jürgen Becker, Dorothee Storm, Lisa Paul und Wolfgang Klinger verhindern wollen, dass im Bereich Wiesengrund Wohnhäuser gebaut werden. Unterstützung erhalten die vier nicht nur von den Wöllern, sondern auch von der Bottroper Gruppe der Bewegung „Fridays for Future“.

Diese haben, nachdem die Bürgerinitiative Kontakt mit ihnen aufgenommen hatte, dem Technischen Beigeordneten der Stadt, Klaus Müller, mit einigen Fragen auf den Zahn gefühlt. Unter anderem fragten sie nach der bisherigen Nutzung der Flächen, die bebaut werden sollen und danach, wie viele davon bislang noch nicht versiegelt sind. Weitere Fragen zielten auf Tiere und Pflanzen, den Verkehr, den ÖPNV sowie den Bedarf an neuen Wohnungen in Grafenwald ab.

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Müller antwortete sehr umfangreich und erklärte zunächst, dass die jetzt anvisierten Flächen im Norden des Ortsteils im Tausch gegen die ursprünglich für Wohnbebauung vorgesehen Flächen im Vossundern ausgewählt worden seien. Diesem Tausch muss die Regionalplanungsbehörde zustimmen - erst dann könnte die Stadt alle Maßnahmen einleiten, um dort Wohnungen zu bauen. Zuvor würden jedoch sämtliche von der Initiative aufgeworfene Fragen zu Natur, Verkehr und Klima geprüft und abgewogen.

„Die Planverfahren werden voraussichtlich etwa fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Daher ist mit einer kurzfristigen Bebauung nicht zu rechnen“, so Müller. Bisher würde der Großteil der nördlichen Flächen landwirtschaftlich genutzt - 90 Prozent seien nicht versiegelt. Die weiteren Fragen der Jugendlichen ließ Müller insofern unbeantwortet, als dass er darauf verwies, dass sie erst beantwortet werden könnten, wenn die Stadt ein Bauleitplanverfahren einleiten würde. Erst dann würden Gutachten beispielsweise zu dort lebenden Tier- oder Pflanzenarten, zur Verkehrsregelung oder zur Anpassung des ÖPNV in Auftrag gegeben.

Konzept bewertet CAP-Markt als nicht ausreichend

Grundsätzlich, so Müller, sei Grafenwald, was die öffentliche und private Infrastruktur angehe, gut aufgestellt. „Allerdings hält das Einzelhandelskonzept für die Stadt Bottrop den ansässigen CAP-Markt nicht für ausreichend, um die Nahversorgung des kompletten Ortsteils sicherzustellen. Von daher wird Potenzial für die Ansiedlung eines adäquaten Nahversorgers gesehen.“

Der Technische Beigeordnete verweist jedoch auch auf die Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Umweltschutz Ende September. Dieser hatte die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob eine Nutzung des Bereichs um Schacht 9 (Prosper IV) in Grafenwald für eine mögliche Wohnbebauung möglich und sinnvoll sei. „Sollte die Prüfung für den Standort Prosper IV zu dem Ergebnis kommen, dass eine wohnbauliche Nutzung dort möglich und sinnvoll ist, kann dies dazu führen, dass eine entsprechende Entwicklung nördlich von Grafenwald weniger dringlich und deren Dimension verringert wird“, erklärt Müller.

Jürgen Becker, Dorothee Storm, Lisa Paul und Wolfgang Klinger (v.l.n.r.) von der Bürgerinitiative "Natürlich Grafenwald" wollen nun das Gespräch mit Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder suchen.

Jürgen Becker, Dorothee Storm, Lisa Paul und Wolfgang Klinger (v.l.) von der Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald" wollen nun das Gespräch mit Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder suchen. © Manuela Hollstegge

Jürgen Becker, Mitbegründer der Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald“, plant indes die weiteren Schritte. Wenn die Online-Petition der Initiative (zu finden unter www.openpetition.de/petition/online/grafenwald-wird-zubetoniert-stoppt-das-kommende-verkehrschaos#petition-main) in wenigen Tagen endet, hofft er, rund 550 Unterschriften gegen eine mögliche Bebauung vorweisen zu können. „Die wollen wir dann im November an Oberbürgermeister Bernd Tischler übergeben und fordern, dass ein erneuter Flächentausch vorgenommen wird und somit an Prosper IV statt hier bei uns gebaut wird“, so Becker. Er sei zudem immer noch auf der Suche nach belastbaren Zahlen, die den von einigen Politiker häufiger während der Diskussion in den vergangenen Monaten angeführten hohen Bedarf an Wohnraum in Grafenwald abbilden könnten. „Die wenigen Zahlen, die bislang genannt wurden, waren alle nicht korrekt“, sagt Jürgen Becker.

Bezirksbürgermeister begrüßt Gesprächsrunde

Er möchte nun auch Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder mit ins Boot holen und bittet um ein Gespräch mit ihm sowie weiteren Vertretern der Bezirksvertretung Kirchhellen. Schnieder begrüßt diese Bitte. „Ich denke, ein Gespräch wäre sehr sinnvoll. In vielen Dingen bin ich nämlich ganz bei der Bürgerinitiative“, sagt er. So mache er sich ebenfalls dafür stark, erst Baulücken zu schließen, bevor man neue Flächen erschließt. Außerdem sehe auch er das Gebiet rund um Schacht 9 eher als Wohn- als als Gewerbegebiet, wie ursprünglich von der Stadt vorgeschlagen.

„Trotzdem dürfen wir uns die Option, nördlich von Grafenwald bauen zu können, nicht komplett nehmen lassen“, so Ludger Schnieder. Momentan gebe es nämlich in Grafenwald keine weiteren Flächen für Wohnbebauung mehr. Man müsse an die Zukunft denken, in der eventuell der Bedarf für weitere Wohnungen kommen werde. „Wir müssen uns klar machen, dass da nicht morgen gebaut wird, aber wir sollten uns die Option offen lassen. Aktiv als Politiker begleiten werde ich das bestimmt nicht mehr. Da reden wir von 10 bis 20 Jahren.“

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