Schaf Klärchen holte der Wolf - Selbst Zaun-Experte konnte Tiere nicht schützen

hzWolfsgebiet Schermbeck

Jetzt ist es amtlich: Flaschenaufzucht Klärchen sowie ein weiteres Schaf im Wolfsgebiet Schermbeck wurden vom Wolf gerissen. Herden zu schützen, ist jedoch mehr als schwierig.

Kirchhellen, Schermbeck

, 25.09.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Schaf, das am 4. September tot auf einer Weide an der Straße „Alter Postweg“ lag, wurde von einem Wolf getötet. Das hat jetzt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigt. Genetische Untersuchungen haben außerdem nachgewiesen, dass der Wolf am 1. September ein Schaf in Hünxe getötet hat. Ob es Wölfin Gloria war, steht noch nicht fest.

Für die Schafshalter bedeutet das nun, dass sie für die Risse entschädigt werden. „Das ist zunächst die wichtigste Information für sie“, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des LANUV. Das Landesamt bestätigt außerdem zwei weitere Nutztierrisse in Kirchhellen am 21. September und in Dorsten am 17. September. Dort gibt es jedoch noch keinen Wolfsnachweis.

Betroffenen Haltern wird empfohlen, ihre Tiere mit geeigneten Zäunen gegen das Eindringen des Wolfes zu schützen. Dazu können sie Förderungen beantragen.

Doch wie muss ein Zaun beschaffen sein, damit der Wolf unverrichteter Dinge wieder abzieht? Laut Richtlinie sollte der Zaun unter Strom stehen und mindestens 1,20 Meter hoch sein. Es muss gesichert werden, dass der Wolf sich nicht unter dem Zaun durchgraben kann. Außerdem sollten bestimmte Mindestabstände zu sogenannten „Übersprunghilfen“ wie Böschungskanten, Heuballen oder Baumstümpfen eingehalten werden.

Wolf reißt Schafe trotz guter Sicherung?

Der Fall von Kurt Opriel aus Hünxe hatte wegen dieser Vorgaben im August für Wirbel gesorgt. Viermal hatte die Wölfin in seinen Schafsherden zugeschlagen. Dabei vertreibt Opriel die Zäune zur Sicherung gegen den Wolf selbst und zeigt, wie sie aufgestellt werden müssen und welche Fehler vermieden werden sollten. Trotzdem schaffte es der Wolf gleich mehrmals, die eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden.

Damals sollte geprüft werden, ob seine Maßnahmen tatsächlich den vorgegebenen Standards entsprochen haben. Wenn das der Fall wäre, wäre das „ein Indiz dafür, dass der Wolf aus Sicht des Menschen ein problematisches Verhalten hat“, sagte der Wolfsexperte beim Landesumweltamt, Matthias Kaiser, damals.

„Ein problematisches Verhalten des Wolfes konnte nicht nachgewiesen werden“, sagt Wilhelm Deitermann vom LANUV jetzt. Peter Schütz, Sprecher des Umweltministeriums NRW, erklärt: „Ein erster Bericht hat gezeigt, dass Opriel was die Zäune angeht, sehr gut aufgestellt ist. Einer der vorgegebenen Faktoren hat jedoch auch bei ihm nicht gestimmt.“ Eine Geländekante befinde sich in diesem Fall zu nah am Zaun, so Schütz. Diese könnte der Wolf als Überspringhilfe genutzt haben.

„Wir befinden uns momentan noch in einer Anpassungsphase“

Ihm sei klar, dass solche Dinge schwer zu verhindern seien, die Tücken lägen jedoch beim Herdenschutz oft im Detail. „Im Wolfsgebiet Schermbeck befinden wir uns momentan noch in der Anpassungsphase. Das ist in jeder Region so, wenn ein Wolf sich neu ansiedelt“, sagt Schütz. Er ist sich sicher, dass, wenn der Herdenschutz „auf großer Fläche“ im Wolfsgebiet Schermbeck abgeschlossen sei, „das Problem in den Griff zu bekommen ist“.

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