Nahverkehr

„Unsere Linienbusse sind keine Corona-Hotspots“

Die Vestische muss in Pandemiezeiten einen kräftigen Kundenverlust verbuchen - und will durch eine pfiffige Werbekampagne wieder Vertrauen schaffen. Sechs Mitarbeiter geben dafür ihr Gesicht.
Busfahrerin Emine Ulusan und Werkstattmeister Benedikt Berger geben ihr Gesicht für die Werbekampagne der Vestischen. © Meike Holz

Die Corona-Pandemie macht dem Nahverkehr das Leben schwer – auch im Kreis Recklinghausen: Im abgelaufenen Monat fuhren nur noch gut halb so viele Menschen (58 Prozent) mit der Vestischen wie im April 2019. Die Abo-Zahlen der Dauerkunden sinken, stellt Pressesprecher Christoph van Bürk fest. Noch stärker fällt die Zahl der Gelegenheitsfahrer. „Diesen Trend wollen wir stoppen“, kündigt er an. Denn der ÖPNV sei keineswegs ein Corona-Hotspot, wie er betont – und verweist auf wissenschaftliche Studien. Auch eine pfiffige Werbekampagne soll helfen, das offenbar verlorene Vertrauen vieler Fahrgäste wieder zurückzugewinnen.

Sechs Mitarbeiter zeigen Gesicht

Dabei stehen sechs Mitarbeiter des Hertener Verkehrsunternehmens im Mittelpunkt. Ihre Porträtbilder schmücken derzeit 55 Linienbusse und zahlreiche Großplakate im Vest: Eine von ihnen ist Emine Ulusan, die 52-jährige Kraftfahrerin, die auch darauf achtet, dass die FFP2-Maskenpflicht im Bus penibel genau eingehalten wird. „Ja“, sagt sie, „anfangs gab es schon einige Quertreiber, die die Regeln nicht einhalten wollten. Doch auf Ansprache zeigten sich bislang alle einsichtig“, beteuert die Dortmunderin. Ob es an ihrer charmanten Art liegt?

Ein anderer ist Benedikt Berger. Der 31-jährige Werkstattleiter hat mit seiner Mannschaft alle 248 Busse der Vestischen mit Echtglasscheiben ausgestattet, damit das Fahrpersonal, aber eben auch die Kunden vor einer Infektion geschützt werden. „Das waren schon ein echter Kraftakt“, betont der Recklinghäuser, „denn die üblichen Wartungsarbeiten mussten ja gleichzeitig gestemmt werden.“ Glücklicherweise gab es in seinem Team keine Corona-Ausfälle oder lange Quarantänezeiten – nur einen einzigen Verdachtsfall, der sich schnell als negativ herausstellte.

„Virenkillerin“, „Maskenmanager“ und „Busfitmacher“

Auch „Virenkillerin“ Gül aus Herten, der „Frischluftbeauftragte“ Dennis und der „Maskenmanager“ Bernd, beide aus Gelsenkirchen sowie „Großraumanbieterin“ Tina aus Bottrop haben sich gern für das professionelle Foto-Shooting zur Verfügung gestellt – und sind stolz darauf, dass ganz normale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht irgendwelche Models für die Kampagne ausgewählt wurden. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele Bekannte mich schon angerufen haben, wenn sie mich auf dem Bus erkannt haben“, meint „Busfitmacher“ Bene.

Aerosole reduzieren sich um 80 Prozent

Aber auch die Wissenschaft betont, dass mit Abstand und Maskenpflicht eine sichere Fahrt im ÖPNV möglich ist, erklärt Vestische-Sprecher Christoph van Bürk: Öffnen sich an den Haltestellen die Türen, ist eine dauerhafte Frischluftzufuhr gewährleistet, und die Aerosole reduzieren sich um 80 Prozent, belegt etwa eine Studie der Technischen Universität Berlin und der Charité. Zudem unterstützen Klimaanlagen mit einer Frischluftzufuhr den permanenten Luftaustausch, heißt es dort.

Dass die Krisenlage sich schnell wieder ändert, ist kaum zu erwarten, befürchtet Christoph van Bürk. Fahrten zur Arbeit etwa werden durch die Möglichkeit zum Homeoffice auch nach der Pandemie reduziert bleiben. „Wir hoffen nur, dass durch die Einnahmeverluste unsere Zukunftsprojekte – etwa die geplante Taktverdichtung oder die Umstellung auf klimafreundliche Wasserstoffbusse – nicht in Gefahr geraten“, gibt er zu bedenken. Der Erfolg der Kampagne könnte dies verhindern.

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