Ob man sein Kind gegen das Coronavirus impfen sollte, ist bei fast allen Eltern eine viel diskutierte Frage. Ein Arzt aus dem Kreis Unna erklärt, wo er seine Bedenken hat (Symbolbild). © picture alliance/dpa
Corona-Pandemie

Arzt zu Corona-Impfung bei Kindern: „Werde mich nicht beteiligen“

Ein Hausarzt aus dem Kreis Unna hält Corona-Impfungen für Kinder zwar insgesamt für weniger gefährlich. Und trotzdem sieht er sie kritisch. Er befürchtet vor allem rechtliche Probleme.

Soll ich meine Kinder impfen lassen oder lass ich´s lieber sein: Für die meisten Eltern ist diese Frage momentan das Gesprächsthema Nummer eins. Ein Hausarzt aus dem Kreis Unna hat aus medizinischer Sicht jedenfalls eine klare Haltung zu der Frage.

„Biontech und Moderna werden meiner Meinung nach für Kinder eher ungefährlich sein. Die Krankheit [eine Infektion mit dem Coronavirus, Anmerkung der Redaktion] wird auch für diese jungen, robusten Menschen letztlich gefährlicher sein“, sagt der Allgemeinmediziner, der sich im Gespräch mit dieser Redaktion allerdings nur anonym über das umstrittene Thema äußern will.

Wenn Kinder volljährig werden, könnten sie möglicherweise Anzeige erstatten

Für ihn steht jedenfalls fest: „An Impfungen für Kinder werde ich mich nicht beteiligen“, sagt er. Der Aufwand für Beratungen von Eltern und der Umgang mit den jungen Patienten sei zu groß. „Noch stärker schreckt mich aber Folgendes ab: Eine kommende Bundesregierung beschließt zum Beispiel, dass Minderjährige ab Erreichen der Volljährigkeit selbst entscheiden können, ob sie eine Person, die ihnen ein Leid angetan hat – eine Impfung ist eine Körperverletzung – verklagen wollen“, führt der Mediziner aus.

Die seinerzeitige Einwilligung der Eltern spiele dann keine Rolle mehr. „Davor habe ich im Verhältnis zum Gesamtertrag Angst“, sagt der Hausarzt aus dem Kreis Unna, auch wenn er befreundete Kinder zum Beispiel impfen würde; „aber eben nicht flächendeckend“. Jeder Arzt habe das Recht, Behandlungen abzulehnen. Zum Beispiel gebe es Frauenärzte, die die „Pille“ zur Verhütung nicht rezeptierten. Genauso stünde es jedem Arzt frei, auch von Corona-Impfungen bei Kindern abzusehen.

Die Datenlage zu Kinderimpfungen ist verhältnismäßig dünn

In der Diskussion verweist er auf die sogenannte „Evidence Based Medicine“ (deutsch: eine Evidenzbasierte Medizin). Dabei handelt es sich um eine Entwicklungsrichtung in der Medizin, nach der patientenbezogene Entscheidungen wenn möglich auf einer empirischen Grundlage erfolgen sollen.

Dieses Vorgehen werde in der Schulmedizin immer mehr gefordert. Während der sich dynamisch entwickelnden Corona-Pandemie war das aber denkbar schwierig.

Ein Beispiel: Als der Impfstoff von AstraZeneca „noch guter Standard war, war er noch nicht für Menschen über 60 Jahren zugelassen, weil einfach die Zahlen fehlten“, sagt der Hausarzt. „Dann kam nahezu gleichzeitig die Empfehlung, die Impfungen mit AstraZeneca für unter 60-Jährige auszusetzen, für die über 60-Jährigen ging es dann doch los.“

Das gleiche gelte für Kinder-Impfungen. Die aktuelle Datenlage sehe zwar danach aus, als sei eine Infektion mit dem Virus gefährlicher. Sie sei aber trotzdem insgesamt verhältnismäßig dünn: „Die Politik möchte nun alle über 12-Jährigen Kinder impfen lassen. Dass die Politik diesen Druck auf die Stiko [Ständige Impfkommission, Anmerkung der Redaktion] ausübt, ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Und wenn dabei irgendetwas schief geht, werden die Gerichte genau hinschauen. Und dann möchte ich nicht zu den Impfärzten gehören, die sich daran beteiligt haben!“

Entscheiden müssen am Ende die Eltern: Das Impfangebot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren im Impfzentrum in Unna wird indes ausgeweitet. Das teilte der Kreis Unna am Dienstag mit.

Jeden Freitagnachmittag und jetzt zusätzlich auch jeden Sonntagnachmittag – jeweils in der Zeit von 14 bis 18 Uhr – sind Kinderärzte vor Ort, um die Eltern aufzuklären und die Kinder zu impfen. Sonntags ist dafür eine telefonische Terminbuchung unter 0800 11 61 17 erforderlich.

Verimpft wird der Impfstoff von Biontech, auf Wunsch auch der Impfstoff von Moderna. Eltern und andere Sorgeberechtigte müssen dem Impfvorgang allerdings zustimmen und einige Dinge beachten. Weitere Informationen hierzu und über die Online-Terminbuchung findet man im Internet unter www.presse-service.de/data.aspx/static/1078131.html.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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