Hubert Hüppe (CDU) zog erstmals 1991 in den Bundestag ein. 30 Jahre später schafft er es erneut – und ist selbst überrascht. © Stefan Milk
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Hüppe zurück im Bundestag: „Das beste Comeback seit Rocky V“

Vor vier Jahren vermeintlich schon auf dem Altenteil, plötzlich zurück im Bundestag – obwohl er selbst nicht mehr damit gerechnet hatte: Hubert Hüppe gelingt ein erstaunliches politisches Comeback.

Als Hubert Hüppe am Montag gegen 13.30 Uhr mit unserer Redaktion telefoniert, hat er eine schlaflose Nacht hinter sich und noch immer kein Auge zugetan. Am Sonntagabend hatte der CDU-Kandidat in unserer Livesendung im Kreishaus Unna noch gesagt: „Im Moment sieht es nicht danach aus, dass ich den Bundestag komme. Damit habe ich auch ehrlich gesagt nicht gerechnet.“

Und einige Stunden des Rechnens und Zitterns („Die Hoffnung stirbt ja zuletzt“) später war er dann doch drin. Gegen 6.30 Uhr, so schildert es Hüppe, habe er seinen Namen auf der Liste der gewählten Abgeordneten beim Bundeswahlleiter gesehen – als elften und letzten Namen, der es über die Landesliste der CDU NRW geschafft hat.

Für Hüppe ist es trotz des historisch schlechten Abschneidens seiner Partei ein unverhofftes persönliches „Happy End“. Und das nach einem Wahlkampf, in dem der bald 65-Jährige noch einmal eindrucksvoll bewiesen hat, dass er nicht zum alten Eisen gehört. Oft habe er morgens um 6 Uhr vor den Bahnhöfen gestanden, war von früh bis spät unterwegs. Auch die digitalen Kanäle bespielte er so intensiv wie kein Zweiter im Wahlkreis. „Das ist das beste Comeback seit Rocky V“, scherzte Hüppe am Montagmittag in Anspielung auf die berühmte Boxer-Saga um Sylvester Stallone.

„Ich bin schon stolz darauf, es noch einmal geschafft zu haben“

Er sei schon stolz darauf, es noch einmal geschafft zu haben, „was nicht viele geglaubt haben“, gibt Hüppe zu. Er selbst ja auch nicht so recht. „Vor zwei Monaten habe ich mir noch gesagt: ,Du machst jetzt noch diesen Wahlkampf und dann ist gut‘“. Ein direkter Einzug ins Parlament – am Ende fehlten ihm über 15 Prozent auf Oliver Kaczmarek (SPD) – sei nie wirklich realistisch gewesen. Doch Listenplatz 21 reichte schließlich denkbar knapp.

Nun sitzt Hüppe auf gepackten Koffern, am Dienstag geht es zur ersten Fraktionssitzung nach Berlin. In einem Alter, in dem andere Menschen sich zur Ruhe setzen, startet er noch einmal durch, muss sein Leben plötzlich noch einmal neu sortieren. Um praktische Fragen wie Hotelübernachtungen und Personal fürs Abgeordnetenbüro muss er sich jetzt kümmern und ob er seinen Sitz im Kreistag behält, lässt er am Montag noch offen. Der Senioren-Union im Kreis Unna werde er aber als Vorsitzender erhalten bleiben, versichert Hüppe.

In Bezug auf die Regierungsbildung im Bund gibt er sich zurückhaltend, sagt: „Wir müssen gucken, was möglich ist, ob sich überhaupt die Chance ergibt, eine Koalition zu bilden und sollten das auch nicht um jeden Preis tun.“

„Man gewinnt nicht, indem man stichelt“

Die Enttäuschung über den Absturz auf 24,1 Prozent ist natürlich auch bei Hüppe groß, aber mit Kritik hält er sich zumindest öffentlich zurück. Er gehöre nicht zu denen, die gleich das Messer zücken, sagt er im Wahlstudio unserer Redaktion auf die Frage, ob Armin Laschet als Parteivorsitzender der CDU noch eine Zukunft habe. „Es war ein Wahlkampf, der nicht ganz gelungen war“, wählt Hüppe für das Offensichtliche aus Sicht der Union das rhetorische Mittel der Untertreibung.

Das Hick-Hack um die Kanzlerkandidatur und die anhaltenden Störfeuer von der Schwesterpartei CSU seien jedenfalls nicht hilfreich gewesen, lässt er sich noch entlocken. „Man gewinnt nicht, indem man stichelt, sondern indem man den Konkurrenten außen sucht und nicht im eigenen Lager“, so Hüppe in Richtung von CSU-Parteichef Markus Söder.

Drei Stimmen aus dem Wahlkreis in Berlin – ein Vorteil?

Als er das sagt, ahnt er noch nicht, dass er demnächst selbst wieder mitspielt auf der bundespolitischen Bühne – als einer von drei Abgeordneten, die die Wählerinnen und Wähler aus dem Wahlkreis Unna I in Berlin vertreten dürfen. Neben Oliver Kaczmarek, der das Direktmandat holte, zieht auch Michael Sacher für die Grünen über die Landesliste ins Parlament ein.

Drei Stimmen von drei unterschiedlichen Parteien also künftig in Berlin – kann das ein Vorteil für den Wahlkreis sein? „Bei Strukturfragen kann es schon von Vorteil sein, wenn man da zusammenhält. Zumindest zwei von uns werden ja wohl an einem Regierungsbündnis beteiligt sein“, blickt Hüppe voraus.

Wie ein solches Bündnis aussehen wird, scheint am Tag nach der Wahl noch völlig offen. In einer anderen Frage sieht es da schon deutlich klarer aus, sagt Hüppe am Ende noch. Sein Fußballverein Eintracht Werne frage schon, ob er demnächst mal gegen den FC Bundestag spielen dürfe. Hüppe: „Das haben wir schon angefragt.“

Über den Autor
Chef vom Dienst
Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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