Viehsammelstelle im Kreis Unna vorläufig geschlossen: Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt gegen sechs Personen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz (Symbolbild). © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Viehsammelstelle

Soko Tierschutz über Viehbetrieb: „Grausamkeit, die ihresgleichen sucht“

Offenbar massive Tierquälerei beschäftigt erneut den Kreis Unna: Die vorläufige Schließung einer Viehsammelstelle geht auf verdeckte Aufnahmen zurück. Vorwürfe von Tierschützern wiegen schwer.

Nach einem Aufsehen erregenden Tierschutzfall auf einem Schlachthof in Selm vor einigen Monaten ordnete der Kreis Unna am vergangenen Freitag (23. Juli) die vorläufige Schließung einer Viehsammelstelle in einer Nachbarstadt an.

»Ich erwarte, dass ein Amt so etwas auf dem Schirm hat. Die müssen das wissen.«

Friedrich Mülln, Soko Tierschutz

Tätig geworden war das Kreisveterinäramt nach Hinweisen des Vereins Soko Tierschutz aus München auf einem Gehöft in Werne, wie diese Redaktion am Montag aus zuverlässiger Quelle erfuhr.

Nach Auswertung von Videomaterial seien zwei Personen identifiziert worden, denen der Umgang mit Tieren nun dauerhaft untersagt worden sei, bestätigte am Montag (26. Juli) Kreis-Pressesprecher Volker Meier.

Strafrechtliche Ermittlungen gegen sechs Personen

Der Betrieb sei dagegen vorerst nur vorläufig geschlossen worden. Es müsse noch umfängliches Material ausgewertet werden, das „mehrere Terabyte“ umfasse, so Meier. Für Betriebsschließungen gebe es zudem andere rechtliche Vorgaben.

Das Kreisveterinäramt begutachte im Rahmen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dortmund die dokumentierten Vorgänge und Zustände in der Viehsammelstelle.

Staatsanwalt Henner Kruse bestätigte, dass bereits am Donnerstag (22. Juli) Wohnungen und Betriebsstätten von Privatpersonen, darunter der Inhaber, der Geschäftsführer und Angestellte der Viehsammelstelle sowie bei zuliefernden Betrieben, durchsucht worden seien.

Nach der Strafanzeige der Soko Tierschutz ermittle man nunmehr gegen sechs Personen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Der nach eigenen Angaben gemeinnützige Verein ist spendenfinanziert und hat sechs aktive Mitglieder, die als Ziel haben, massive Tierrechtsverstöße aufzudecken.

Hinweise aus dem Umfeld der Viehsammelstelle

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz sprach auf Nachfrage von „Zuständen, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt“. Der Vereinsvorstand bestätigte, dass man aus dem direkten Umfeld der Sammelstelle in Werne kürzlich Hinweise auf Tierquälerei erhalten habe.

Bevor man die Videos im Betrieb aufgenommen habe, seien zunächst Zweifel ausgeschlossen worden. „Wir machen keine Schüsse ins Blaue“, versicherte Mülln. Was man dann vorgefunden habe in der nicht sehr großen Viehsammelstelle, sei nur schwer erträglich gewesen. „Die Grausamkeiten dort suchen ihresgleichen.“

Pferde, Rinder, Kälber und Schweine werden offenbar auf den unscheinbaren Hof nach Werne gebracht, um von dort aus in andere EU-Länder zu gelangen. Nach Informationen von Friedrich Mülln sind in Werne die von Viehhändlern aus der Region angelieferten Tiere zunächst sortiert und anschließend als Schlacht- oder Nutztiere weitertransportiert worden.

„Konspirativ“: Keine Schilder, keine Telefonnummer

Mülln sprach von einem „konspirativen“ Vorgehen, die Sammelstelle sei weder an Straßen durch Hinweise ausgeschildert noch gebe es eine Telefonnummer. Derartige Viehsammelstellen gebe es zu Dutzenden in Deutschland.

Mit Blick auf den erneuten Fall massiver Tierquälerei im Kreis Unna sprach Mülln von „Wegducken“ der zuständigen Behörden. „Ich erwarte, dass ein Amt so etwas auf dem Schirm hat. Die müssen das wissen“, so Mülln zum Fall in Werne.

Was die Dimensionen der Tierrechtsverstöße und das förmlich „industrielle“ Vorgehen von Schlachtbetrieben angehe, führe den Kreis Unna mit an die traurige Spitze aller Veterinärbehörden bundesweit. Die aufgedeckten Verstößen beträfen Betriebe, die schon lange am Markt sind.

„Das hat eine lange Historie und ist kein kurzfristiges Versagen“, wirft Mülln dem Kreis Unna vor. Kreispressesprecher Volker Meier weist demgegenüber darauf hin, dass das Veterinäramt allen Hinweisen, die es erreiche, auch nachgehe.

Mit verdeckten Kameras dürfe man nicht arbeiten. „Die Soko Tierschutz nutzt Methoden, die uns nicht zur Verfügung stehen.“ Der Betrieb in Werne sei bekannt, aber bei früheren Kontrollen nicht auffällig gewesen.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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