„Relaxed abwarten“: Björn Barthold, Obermeister der Friseur-Innung Unna, ist zuversichtlich, dass die Friseure ebenso wie Supermärkte oder Apotheken vom harten Lockdown in NRW noch nicht sofort betroffen sein werden. © privat
Corona-Lockdown im Einzelhandel

„Systemrelevant“: Friseure spekulieren auf offene Salons bis Heiligabend

Während sich der Einzelhandel in NRW darauf einstellen muss, dass noch vor Weihnachten ein harter Lockdown verhängt wird, sehen die Friseure reale Chancen, bis Heiligabend ihre Salons weiter öffnen zu dürfen.

Einen weiteren harten Lockdown will die NRW-Landesregierung dem Einzelhandel im Lichte der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen verordnen. Unnas Friseur-Obermeister Björn Barthold glaubt an eine Ausnahme für die Salons.

»Ganz relaxed abwarten.«

Björn Barthold

Sollten Friseure womöglich ebenfalls vor den Weihnachtstagen schließen müssen, könnte es zu einem Ansturm von Kunden kommen, die kurzfristige Termine für einen Haarschnitt erhaschen wollen.

Barthold, selbst Saloninhaber in Fröndenberg, musste am Freitag nach der Lockdown-Ankündigung von Ministerpräsident Armin Laschet bereits zahlreiche Kunden beruhigen, die ihre Termine in der übernächsten Woche oder vor Silvester vorverlegen lassen wollten.

Friseure in Thüringen systemrelevant

„Ganz relaxed abwarten“, sagt Barthold. Die Entspanntheit des Innungsmeisters gründet sich auf eine Verordnung der Landesregierung von Thüringen, die bereits in der Nacht zu Freitag von der Regierung Ramelow verabschiedet worden ist.

Das Frisieren im Salon gehört vor Weihnachten für viele Menschen zum Muss. Die Friseure setzen nun darauf, dass sie als systemrelevant eingestuft werden und noch bis zu den Feiertagen ihre Salons öffnen dürfen. © dpa © dpa

Demnach soll in dem Freistaat zwar ebenfalls, spätestens ab dem 19. Dezember und damit deutlich vor den Feiertagen, ein „harter Lockdown“ gelten.

Die Thüringer machen indes Ausnahmen davon nicht nur für Lebensmittelhändler und Apotheken, sondern unter anderem auch für Kreditinstitute, Poststellen, Sanitätshäuser, Waschsalons – und Friseure.

„Systemrelevant“ sei hier wohl das Stichwort, vermutet Björn Barthold. Offenbar befürchte man seitens der Politik, dass geschlossene Friseursalons „zu Panik und zu langen Schlangen“ vor den Ladenlokalen führen könnten mit einem unkalkulierbaren Ansteckungsrisiko.

»Viele Kunden wollen ihre Termine schon vorverlegen.«

Björn Barthold

Der Zentralverband seines Berufsstandes verhandele derzeit mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung, so Barthold. Es sei durchaus realistisch, dass man in Düsseldorf zu derselben Einschätzung wie in Erfurt komme.

Hygienekonzept spricht für Friseurhandwerk

Für das Friseurhandwerk spreche zudem ein Hygienekonzept, das laut Barthold bislang keinen einzigen nachgewiesenen Ansteckungsfall auf dem Friseurstuhl zugelassen hat. Diese „Sonderstellung“ der Friseure werde, unterstützt auch von ihrer dortigen Berufsvertretung, ebenfalls in Berlin wahrgenommen.

Sollte es zu einer früheren Schließung auch der Friseursalons kommen, würden Friseure sicherlich alles daran setzen, dass „alle Kunden vor Weihnachten versorgt werden“. Das werde allerdings dann „eine enge Kiste“.

Bei allem Ehrgeiz, die eigenen Kunden zufriedenzustellen, müssten die Kolleginnen und Kollegen allerdings die hohen Hygienestandards in den Salons auch künftig penibel beachten, appelliert der Obermeister der Friseur-Innung Unna.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt