Buchkritik

Aleksia Sidney (Hg.): „Lasst uns satt und müde sein“

Bei den Buddenbrooks gibt es Marzipan, Tante Mali holt Kriegsrezepte raus und Dave würzt den Truthahn mit zu viel Whisky – Zutaten für ein literarisches Festmahl.

Gerne bringen Verlage zu Weihnachten Anthologien mit Geschichten mehr oder weniger bekannter Autoren heraus, die sich auf irgendeine Weise mit dem Fest beschäftigen. Da macht der Atlantik-Verlag keine Ausnahme, wenn er viele Autoren-Köche in „Lasst uns satt und müde sein“ ihre Sicht der weihnachtlich-kulinarischen Speisekarte servieren lässt.

Die Mischung hat alles, was ein solches Menü in Buchform braucht – kleine Appetithäppchen von Joachim Ringelnatz in Lyrikform oder Kurzgeschichten als Vorspeise und längere Passagen wie die von Thomas Mann über Weihnachten bei der berühmten Kaufmannsfamilie Buddenbrook. Und natürlich zuckersüße und witzige literarische Desserts wie die ungewöhnliche Geschichte über den Vater einer griechischen Familie in Amerika, der grundsätzlich nur das isst, was sich schon lange über dem Verfalldatum befindet.

Es sind Geschichten, die nachdenklich stimmen wie die einer Frau, die von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen wurde und sich nun auf ein Wiedersehen mit einem frisch verwitweten Jugendfreund einlässt. Ausgerechnet zu Weihnachten. Oder die Geschichte einer erfolgreichen Juristin, die einem Fest ganz alleine entgegen blickt und dann positiv überrascht wird.

Tradition auf dem Tisch

Etwas, das wohl jeder kennt, hat Christine Nöstlinger zu ihrer Kurzgeschichte inspiriert – wie viel Tradition muss an Weihnachten auf den Tisch oder darf man mal ein neues Rezept ausprobieren?

An seine Kindheit in den 50er-Jahren erinnert sich Sternekoch Vincent Klink. Auch Geschichten von Autoren wie Agatha Christie, die ihren Detektiv Hercule Poirot das Geheimnis des Plumpuddings lüften lässt, oder Ingmar Bergman, Erich Kästner und George Tabori finden sich in dem Buch. Eine Sammlung, die sich bestens eignet, um sich auf Weihnachten einzustimmen oder während der Feiertage eine kleine Lese-Auszeit zu nehmen. Gut gemischt von Herausgeberin Aleksia Sidney: ein kurzweiliges Lesevergnügen.

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