Vor erbosten Eltern wehrt sich Lehrerin Emilia (Katia Pascariu) gegen Vorwürfe und Unterstellungen. © dpa
Kino

„Bad Luck Banging Or Loony Porn“: Ein Sex-Skandal als Panoramabild Rumäniens

Der Berlinale-Sieger „Bad Luck Banging Or Loony Porn“ hängt an einem Sex-Skandal das Panoramabild eines Landes auf, in dem es gärt. Die satirische Farce läuft ab dem 8. Juni im Kino.

Ja, die ersten drei Minuten von „Bad Luck Banging Or Loony Porn“ sind nichts für Prüde. Eugen und Emilia treiben es. Ich und Du, Müllers Kuh, bloß die Kamera schaut zu. Ein Irrtum. Eugen, der Depp lädt das Filmchen auf einer Webseite für Erwachsene hoch. Bald kursiert es im Netz. Und weil auch in Rumänien Erotik geklickt wird, sehen Emilias Schüler die Frau Lehrerin als Nackedei. Ein Skandal.

Die Eltern gehen gegen die „Porno-Lehrerin“ vor

Ausgehend von der Empörung erboster Eltern beleuchtet der Berlinale-Sieger von Radu Jude das Reizklima ganz Rumäniens. Auf den Straßen der Hauptstadt, die Emilia durchwandert, herrscht ein rüder Ton. Da wird gebelfert und gekläfft, wenn es um Parkplatz und Vorfahrt geht, Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie sind die Regel. Mag sein, dass wegen der Pandemie die Nerven blank liegen, jedenfalls scheinen nur Wutbürger unterwegs zu sein.

Im letzten Drittel kippt, was vorher nach ungeschminkter Realität aussah, in eine gallige Satire: An der Schule gibt es eine Anhörung in Sachen „Porno-Lehrerin“, die zum Tribunal wird. Manche Eltern wollen Emilias Kopf rollen sehen. Die Debatte wird hitziger und grotesker – Holocaust, Wissenschaft, FKK – und ist zum Kichern komisch.

Die Probleme und Gegensätze Rumäniens werden deutlich

Rassisten, Superpatrioten, Lustmolche und Verschwörungsgläubige treten auf. Man nennt Emilia eine Schlampe, „die unsere Kinder traumatisiert“. Wortfindungen wie „Sexo-Marxismus“ machen die Runde. In diesem Chor manifestiert sich die Verrücktheit eines Landes ohne moralischen Kompass, das Faschismus und die Ceausescu-Ära nicht aufgearbeitet hat: In dessen Hauptstadt stehen Ruinen von gestern direkt neben Werbebannern für den Schnickschnack von heute.

Mittendrin wird der Film essayistisch-experimentell. In Bild- und Video-Schnipseln zu Begriffen wie Politik, Gerechtigkeit, Respekt lässt Radu Jude dem Sarkasmus freien Lauf, wenn er mit seinem Land abrechnet. Bitterböse und amüsant.

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