Das Foto des Portals der Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund ist ein Teil der Ausstellung „Museumsfotografie“ im Schiffshebewerk Henrichenburg. © LWL-Industriemuseum / Martin Holtappels
Hinter den Museums-Kulissen

Nah dran an Hochöfen und Glasbläsern: Schiffshebewerk zeigt Museumsfotografie

Das Schiffshebewerk Henrichenburg präsentiert in einer Ausstellung das Arbeitsfeld der Museumsfotografie und widmet sich den ungewohnte Szenen im Alltag von Museen.

Ein muskulöser Mann hantiert mit schwerem Gerät an einem Ofen. Andere Arbeiter blasen neue Glasformen. Was am Ende entstehen soll, kann man nur erahnen. „Diese Fotos habe ich besonders gern gemacht. Für mich wirkte der Prozess dieser Arbeit immer wie eine Choreografie bei einem Theater: Unter Feuer und Rauch bilden sich neue Gefäße und Formen. Es ist eine Inszenierung“, beschreibt Martin Holtappels.

Diese Bilder von Menschen, die bei der Herstellung von Glas mitwirken, sind ein Teil der Ausstellung „Museumsfotografie – Dinge, Orte und Menschen im Fokus von Martin Holtappels und Annette Hudemann“ im Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Schiffshebewerk Henrichenburg. Die Schau ist ab Samstag im Laderaum des Schiffs „Ostara“ zu sehen.

Die Museumsfotografie wird oft unterschätzt

Thematisch geordnet zeigt sie die vielfältige Arbeit der Museumsfotografie. Zu sehen sind einerseits verschiedene Standorte der LWL-Industriemuseen wie die Zeche Zollern, die Henrichshütte Hattingen oder die Zeche Hannover. Andererseits bekommen die Besucher auch Einblicke, wie Ausstellungen vorbereitet und aufgebaut werden.

„Die Museumsfotografie wird oft unterschätzt. Gerade die Prozesse, wie Ausstellungen entstehen, aber auch wie Standorte sich verändern, müssen für die Nachwelt dokumentarisch festgehalten werden“, sagte LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger am Dienstag beim Rundgang für die Presse.

Besondere Orte gesehen

Imposante Bilder von einem Abstich und der Arbeit an einem Hochofen erwarten die Besucher gleich zu Beginn der Schau. Es wirkt fast so, als wäre Annette Hudemann ganz nah dran gewesen, wenn bei Temperaturen über 1000 Grad gearbeitet wird. „Wir standen auf einer Besucherterrasse“, erzählt sie.

Annette Hudemann arbeitet seit 1993 als Museumsfotografin für das LWL-Industriemuseum.
Annette Hudemann arbeitet seit 1993 als Museumsfotografin für das LWL-Industriemuseum. © Maximilian Konrad © Maximilian Konrad

Die gebürtige Heidelbergerin fügt an: „Durch den Job der Museumsfotografin bin ich an Orte gekommen, die ohne die Kontakte des Museums nicht zugänglich gewesen wären.“

Insgesamt 350.000 Aufnahmen

Ihr Kollege Holtappels spricht von „seinem Traumjob“, auch wenn er manchmal stundenlang nur einzelne Ziegel fotografisch festhalten musste. Aber auch diese hätten ihren Charme.

In der Ausstellung sind rund 200 Bilder zu sehen – nicht nur aus den LWL-Industriemuseen. Die Fotografen besuchten auch Textilbetriebe in der ehemaligen DDR oder auch Glashütten in Venedig oder Polen. Für die Schau mussten die beiden eine schwierige Auswahl aus einem Schatz von 350.000 Aufnahmen treffen. „Das war ein schmerzhafter, aber auch erfolgreicher Prozess“, schildert Holtappels mit einem Schmunzeln.

Infos

  • LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Waltrop: „Museumsfotografie: Dinge, Orte und Menschen im Fokus von Martin Holtappels und Annette Hudemann“
  • 27. März bis 31. Oktober, aber ab 29. März ist das Museum, Am Hebewerk 26, voraussichtlich wieder im Lockdown.
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr
  • Katalog: Klartext-Verlag Essen; 16,95 Euro. ISBN: 978-3-8375-2388-1
  • Zeitfenstertickets gibt es hier.
Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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