Rosamund Pike spielt die abgebrühte Betreuerin Marla Grayson und wird auch mit wütenden Söhnen fertig. © Seacia Pavao / Netflix
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Neu bei Netflix: „I care a lot“ – Rentner als Opfer und Betreuerin sahnt kräftig ab

Der Film „I Care A Lot“, der nun bei Netflix zu sehen ist, kommt als eine böse Satire daher, die zum Thriller wird. Peter Dinklage spielt darin den fiesen Mann aus der Unterwelt.

Der schlimmste Albtraum alter Leute: Entmündigt, wider Willen abgeschoben ins Heim. Ausgeplündert zu werden von einer gierigen Betreuerin, die alle Register zieht und ihre kriminelle Energie hinter einer freundlichen Fassade versteckt.

So etwas kommt immer mal vor, im Gaunerstück „I Care A Lot“ (Ich kümmere mich wirklich) sind Raub und Betrug das reguläre Geschäftsmodell einer Betreuerin, die eisig kühl von Rosamund Pike verkörpert wird.

Ihre Marla Grayson ist ein selten zynisches Aas, das schnell die Maske fallen lässt: „Es gibt keine guten Menschen, nur Raubtiere und Beute. Und ich bin eine Löwin“, sagt sie zu Beginn aus dem Off. Vermögende Senioren nennt sie „Goldstücke“, denn die kann man nach Strich und Faden ausnehmen, hat man sie erst für dement erklärt.

Reich, kinderlos und eine Diagnose

Grayson steckt mit Ärzten und Heimbetreibern unter einer Decke, sie verteilt Schmiergeld, wenn ihr neue Opfer zugetrieben werden. Hier trägt der Film (Regie: J Blakeson) ziemlich dick auf, doch ohne Bosheit keine schwarzhumorige Satire auf die Bürokratie eines Fürsorge-Systems, das sich für unfehlbar hält. Wir wissen genau, was gut für dich ist.

Miss Peterson (Dianne Wiest) ist Marlas neues Goldstück. Reich, kinderlos, mit einer Diagnose, die leicht in Unzurechnungsfähigkeit umzubiegen ist. Schwupp, sitzt die Dame im Heim, und Raffzahn Marla versteigert ihren Besitz.

Mit harten Bandagen

Feindliche Übernahme gelungen? Nicht ganz. In Petersons Schließfach liegen Diamanten, die jemand haben will. Peter Dinklage („Game Of Thrones“) spielt den kleinen Mann, der in der Unterwelt ein Großer ist. Als Sohn der Alten kämpft er mit harten Bandagen. Nun ist der Film ein Krimi und Marla ein Opfer.

Sie erweist sich als zähes Luder, es thrillert nicht schlecht im Duell der Geschlechter. Rosamund Pike zeigt hier eine sehenswerte Gala als Antiheldin, böse Mädchen wie Marla sieht man ohnehin viel zu selten.

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Kultur-Redaktion
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